Eine Foresight-Studie geht den Überlegungen des Grünbuchs „Arbeiten 4.0“ auf den Grund und liefert Handlungsempfehlungen für Unternehmen.

  • Die Veränderung der Arbeitswelt durch Digitalisierung ist in vollem Gang.
  • Die Veränderungsschritte lassen sich kurz-, mittel- und langfristig voneinander abgrenzen.
  • Der Erfolg der Umsetzung wird bestimmt durch den Beteiligungs-Grad der Mitarbeiter.

Das Grünbuch „Arbeiten 4.0“ vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) soll alle Betroffenen zu einem Austausch von Gedanken, Ideen, Plänen und Erfahrungen anregen. Das Themenspektrum reicht dabei von der Sicherung von Erwerbsteilhabe und Möglichkeiten der Arbeitsflexibilisierung im Sinne einer Lebensphasen-Orientierung, über die allgemeine Lohn-Gerechtigkeit und soziale Absicherung in einer zunehmenden Vielfalt an Beschäftigungsverhältnissen und Erwerbsbiografien bis zum generationenübergreifenden Kompetenzerhalt und -aufbau für eine digitale Arbeitswelt sowie der Gestaltung „guter Arbeit“.

Vorschau auf Veränderungen

Das Institut für Innovation und Technik (iit) hat nun im Auftrag des BMAS die Foresight-Studie „Digitale Arbeitswelt“ vorgelegt. Sie stellt die möglichen Entwicklungen der Arbeitswelt in den Branchen Produktion, Medien und Dienstleistungen in einer mittel- und langfristigen Perspektive dar. Die Studie geht dabei auf neue Formen der Automatisierung, der innerbetrieblichen Arbeitsorganisation sowie auf neue digital vermittelte Formen der Arbeitsteilung ein. Zentrales Ergebnis sind drei Roadmaps zur möglichen Entwicklung der einzelnen Branchen sowie branchenübergreifende Thesen zu Veränderungen der Arbeitswelt durch die Digitalisierung.

Unterschiedliche Quellen liefern ähnliche Analysen

Im Fokus stehen dabei die Branchen Medien, Dienstleistungen und Produktion. Die im Bericht skizzierte Zukunft der digitalen Arbeit (Grafik) beruht darauf, dass plausibel bewertete einzelne Befunde sowie Einschätzungen aus der Literatur, durchgeführte Experteninterviews und kollaborativ erstellte Roadmaps „in ihrer Gesamtheit von einer bemerkenswerten Konsistenz geprägt sind“, wie die Autoren schreiben.

Grober Zeitrahmen reicht bis 2030

Der zeitliche Horizont ist in kurz-, mittel- und langfristige Entwicklungen unterteilt und reicht bis etwa in das Jahr 2030. Zeitpunkt und Eintrittswahrscheinlichkeit lassen sich den Forschern zufolge aufgrund der Natur des vorausschauenden Denkens („Foresight“) nicht mit Gewissheit bestimmen und variieren je nach Anwendungs-Kontext und regionalem Bezug.

Handlungsempfehlungen für die Betriebe

Als Ergebnis seiner Untersuchungen und Analysen nennt das iit fünf Handlungsempfehlungen für die Gestaltung digitaler Arbeit:

  • Die Chancen der Digitalisierung verantwortungsvoll erproben und nutzen: Experimentierräume schaffen.
  • Zur Digitalisierung befähigen: Unternehmensleitungen und Betriebsräte unterstützen, damit diese ihre Gestaltungsaufgaben in der digitalen Arbeitswelt wahrnehmen können.
  • Die Digitalisierung als Mittel zu Inklusion und Befähigung: Die Entwicklung von Tutorensystemen fördern.
  • Verlässlichkeit innerhalb der Flexibilität: Verbindliche Regeln und Strukturen für alle Beschäftigten schaffen.
  • Digitalisierung ist mehr als Effizienzsteigerung: Innovationspotenziale nutzen.

Lockruf des Outsourcings…

Zum letzten Punkt liefern die Autoren der Studie eine Anmerkung, die sich quer durch alle Branchen und Betriebsgrößen in die Tat umsetzen lässt: Die Digitalisierung biete einerseits die Möglichkeit, insbesondere digitale Arbeitsinhalte zu fragmentieren und als Teilaufgaben auszulagern und zu verteilen. Die Aufgabenkomplexität für den Einzelnen könne auf diese Weise stark reduziert werden.

… zerstört das Kontextwissen

Eine wichtige Voraussetzung zur Innovationsfähigkeit von Unternehmen – und ein bisheriges Strukturmerkmal der deutschen Wirtschaft – sei andererseits jedoch eine hohe Aufgabenkomplexität, gleichbedeutend mit Kontextwissen über die eigene Tätigkeit hinaus. „Diese Aufgabenkomplexität gilt es für die Beschäftigten auch in einer digitalisierten Arbeitswelt zu erhalten. Ergänzend sollten die Möglichkeiten zur Mitwirkung an der Gestaltung der eigenen Arbeit erhöht werden, um einerseits dem Anspruch nach „guter Arbeit“ zu entsprechen und andererseits die Innovations-Fähigkeit von Unternehmen weiter zu stärken.“

Der Forschungsbericht steht zum Download bereit.