Beruf und Familie zu vereinbaren ist nicht nur eine Frage der Organisation. Gerade in Belastungssituationen ist eine enge und offene Abstimmung zwischen Arbeitgebern und Eltern wichtig. Die Erfahrung zeigt: Mitarbeiter mit Kindern brauchen vor allem individuelle Lösungen. Familienfreundliches Arbeiten erfordert deshalb eine neue Vertrauenskultur.

Familienfreundlichkeit und Unternehmenserfolg kein Widerspruch

Spätestens seit Beginn der Corona Pandemie ist bewiesen, dass der Erfolg eines Unternehmens nicht von Büropräsenz abhängt. Was zählt, ist die Qualität der Arbeit. Und das unabhängig davon, wann und wo diese erbracht worden ist. Diese neue Dimension des New Work haben sich insbesondere berufstätige Eltern hart erarbeitet. Das zeigt die Notwendigkeit, unsere Wirtschaft, unsere Gesellschaft, aber vor allem auch den Mikrokosmos Familie am Laufen zu halten. 

Arbeitswelt von konservativen Rollenbildern geprägt

Warum ist es uns nach wie vor schwer, für mehr Vereinbarkeit ein Bewusstsein zu entwickeln? Weil die Arbeitswelt immer noch von konservativen Rollenbildern geprägt ist. Wir schaffen es nicht, alte Zöpfe wie Ehegattensplitting und beitragsfreie Mitversicherung von nicht arbeitenden Ehepartnern abzuschneiden. Stattdessen halten wir immer noch und schon viel zu lange an traditionellen Rollenbildern fest.

Vereinbarkeit von Beruf und Familie braucht gute Infrastruktur

Wer in diesem Land Kinder großzieht und zudem berufstätig ist, erhält nur in den seltensten Fällen die gewünschte Hilfe und Unterstützung. Dafür ist in erster Linie eine immer noch unzureichende Infrastruktur zur Kinderbetreuung verantwortlich. Die Herausforderung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf beginnt damit, dass berufstätige Eltern nur schwer Kitaplätze für ihre Kinder ergattern. Auch in der Grundschule stehen sie vor Hürden und müssen in der Regel 74 Werktage Ferien mit 30 Urlaubstagen überbrücken. Das geht zudem oft genug mit Karriere- und finanziellen Einbußen aufgrund von Teilzeit einher.

Kinderbetreuung: Angebote von Arbeitgebern nicht individuell genug

Eine Betriebskita oder andere Betreuungsangebote werden von berufstätigen Eltern seltener genutzt, als Arbeitgeber vermuten. Die Randstad-ifo-Personalleiterbefragung zeigt: Lediglich 3% der Mitarbeiter kamen auf das erweiterte Betreuungsangebot in Betriebskitas zurück, welches immerhin 28% der Unternehmen während der Pandemie geschaffen haben. Nur 5% der berufstätigen Eltern nahmen die digitalen Lern- und Beschäftigungsangebote wahr, die 29 Prozent ihrer Arbeitgeber angeboten haben. Warum ist das so?

Die Lockdowns machten es für viele Eltern unmöglich, ihre Kinder in eine Betriebskita zu schicken. Zudem kommt es Eltern bei der Kinderbetreuung vor allem auf individuelle Lösungen an. Viele legen zum Beispiel Wert auf ein spezielles pädagogisches Konzept oder andere individuelle Aspekte. Insgesamt kommt es Eltern nicht auf die Quantität der Angebote an. Vielmehr zählt der ehrliche Wille des Arbeitgebers, Mitarbeiter unterstützen zu wollen – insbesondere mit fairen und gleichen Chancen für alle Beschäftigten.

Vertrauenskultur braucht das richtige Mindset der Arbeitgeber

Die Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches Familienkonzept ist das richtige Mindset der Arbeitgeber. Ein breites Angebot an Strategien und Tools zur Vereinbarkeit ist nur dann wirksam, wenn Unternehmen und deren Führung eine Vertrauenskultur schaffen. Dafür braucht es einen positiven Umgang mit Herausforderungen und Fehlern und die Selbstverständlichkeit, dass berufstätige Eltern mehr Flexibilität benötigen. Das gilt in erster Linie für flexible Arbeitszeiten.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf
Vereinbarkeit von Familie und Beruf

So funktioniert ein familienfreundliches Personalmanagement

Betreuungsmöglichkeiten für Kinder sind wichtig. Genauso zählen Beratungsangebote für Eltern, um sie bei der organisatorischen Vereinbarung von Familie und Beruf zu unterstützen. Nichts entscheidet jedoch so sehr über den Erfolg von familienfreundlichem Arbeiten wie die Planung und Umsetzung von flexiblem Arbeiten.

So greifen Arbeitgeber berufstätigen Eltern unter die Arme:

  • Sich in Achtsamkeit üben
    Eine Familie zu organisieren ist eine logistische Herausforderung. Besonders berufstätige Eltern mit mehreren Kindern kommen in der Organisation des privaten und beruflichen Alltags mal an ihre Grenzen. Immer ein offenes Auge und Ohr für die Belange der eigenen Mitarbeiter mit Kindern zu haben, ist für Arbeitgeber wichtig.
  • Kontinuierlichen Austausch suchen
    Gute Arbeitgeber suchen deshalb den kontinuierlichen persönlichen Austausch mit ihren Mitarbeitern. Besonders in der digitalen Distanz zwischen Büro und Home Office braucht es einen sozial sensiblen Führungsstil. Das Ziel für beide Seiten sollte es sein, einen produktiven Kompromiss zu finden, um Flexibilität mit den Prioritäten der Aufgabenstellungen zu vereinbaren. Gerade bei zeitkritischen To-dos ist dieser intensive Kontakt entscheidend, um kurzfristige Lösungen zu finden.
  • Letzte Lösung: Arbeitsstunden anpassen
    Ist die Aufgabe, Familie, Kinderbetreuung und Beruf unter einen Hut zu bringen, kaum zu bewältigen, schafft ein Sonderurlaub Luft. Auch mit einer generellen Reduzierung der Arbeitszeit finden Arbeitgeber und Mitarbeiter Möglichkeiten, um den Anforderungen auf beiden Seiten gerecht zu werden.

Private Erfahrungen stärken die Resilienz

Wir sind geprägt von der Vorstellung, dass Privates auf der Arbeit nichts zu suchen hat. Doch diese Vorstellung ist falsch. Jeder Mitarbeiter trägt eine privates Päckchen an Erfahrungen mit sich. Das reicht von pflegebedürftigen Eltern und Kindern, die es zu betreuen gilt, bis hin zu gesundheitlichen Einschränkungen und persönlichen Schicksalsschlägen. Diese Erfahrungen machen uns alle aus. Sie schaffen die Resilienz und Stärke, die Mitarbeiter und Unternehmen brauchen, um sich weiterzuentwickeln.

Autorin: Carlotta Köster-Brons

 

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Zur Person
Carlotta Köster Brons
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Carlotta Köster-Brons

Leiterin des Hauptstadtbüros

Carlotta Köster-Brons ist Leiterin des Hauptstadtbüros und die nationale CSR-Koordinatorin für Randstad Deutschland. Ihre Aufgabe ist es, mit den verschiedenen Stakeholdern über den umfangreichen Bereich der Personaldienstleistungen in den Dialog zu treten und die Positionen von Randstad im politischen Berlin zu vertreten.