Menschen mit schweren Behinderungen sind in vielerlei Hinsicht eine Bereicherung für Unternehmen. Sie stärken den Teamgeist, sind motiviert und erweitern den Horizont von Arbeitgebern und Kollegen. Erfahren Sie jetzt, warum es sich lohnt, Schwerbehinderte einzustellen.

Menschen mit Behinderung sind wertvolle Teammitglieder

Vorurteile und Unwissenheit führen dazu, dass Personalverantwortliche nur selten Menschen mit Behinderung einstellen. Dabei sind Arbeitgeber mit mehr als 20 Mitarbeitern gemäß § 154 SGB IX verpflichtet, mindestens 5 % davon mit schwerbehinderten oder ihnen gleichgestellten Arbeitnehmern zu beschäftigen. Allzu oft wird bei der Auswahl der Mitarbeitenden der Fokus darauf gelegt, was Behinderte nicht können, statt zu sehen, wie sie Unternehmen bereichern. Es gibt viele gute Gründe, Menschen mit Behinderung im Team zu haben:

  • Erweiterte Sicht
    Menschen mit Behinderungen erweitern die Sichtweise von Unternehmen und Kollegen. Sie legen Wert auf Aspekte, die Menschen ohne Behinderung häufig nicht im Blick haben. Viele Ideen für barrierefreie Produkte, Dienstleistungen oder Tools stammen von Schwerbehinderten – und sind beispielsweise oft auch relevant für Eltern mit Kinderwagen oder ältere Menschen mit einer Seh- und/oder Hörschwäche.
  • Verbesserte Arbeitsbedingungen
    Schwerbehinderte sind häufig auf eine angepasste Arbeitsumgebung angewiesen. Dazu gehören z. B. Aufzüge und höhenverstellbare Büromöbel. Allerdings profitieren oft nicht nur sie selbst von diesen Verbesserungen, sondern die gesamte Belegschaft. Viele der Maßnahmen zählen heutzutage auch zu einem professionellen Gesundheitsmanagement in Unternehmen.
  • Gute Fachkräfte
    Arbeitslose Menschen mit Schwerbehinderung sind meist gut qualifiziert. Im Jahresdurchschnitt 2020 hatten laut Agentur für Arbeit 56 % der schwerbehinderten Arbeitslosen einen Berufs- oder Hochschulabschluss.
  • Arbeitsklima
    Durch die Zusammenarbeit mit Menschen mit Behinderung nehmen Personen ohne sichtbare Behinderung häufig größere Rücksicht auf ihr gesamtes Team. Das Wir-Gefühl wird stärker und auch das Betriebsklima verbessert sich.
  • Teamplayer
    Mitarbeitende mit Behinderung bringen sich oft gut und aktiv ins Team ein. Sie gelten als echte Teamplayer und motivieren auch ihre Kollegen. Studien zeigen außerdem, dass bunt gemischte Teams kreativer und besser arbeiten als einheitliche Arbeitsgruppen.
  • Motivation und Loyalität
    Mitarbeiter mit Behinderung zeichnen sich oft durch eine hohe Motivation und Leistung aus. Wenn sie sich einem Unternehmen zugehörig fühlen, erweisen sie sich oftmals als besonders loyal.

Unternehmen, die sich für die Zusammenarbeit mit Menschen mit Behinderung entscheiden, erhalten nicht nur wertvolle Teammitglieder. Sie beweisen obendrein, dass sie Verantwortung übernehmen. Das stärkt die Arbeitgebermarke – und kann für eine Erweiterung des Kundenkreises sorgen.

Viele dieser Vorteile werden von einer Sorge vor überdurchschnittlich hohen Ausfallzeiten oder unverhältnismäßig langen Einarbeitungszeiten überschattet. Doch diese Befürchtung ist zumeist unbegründet. Außerdem besteht die Möglichkeit, etwaige Mehraufwände durch Lohnzuschüsse zu kompensieren. Bis zu 96 Monate lang kann der Arbeitgeber bis zu 70 % des Gehalts vom Integrationsamt zurückbekommen, wenn er einen Menschen mit schwerer Behinderung einstellt. 

Auf den Weg machen

Wer sich auf den Weg machen will, Menschen mit schwerer Behinderung im Unternehmen zu integrieren, sollte auf das Know-how von Experten vertrauen. Eine Beratung durch die Agentur für Arbeit oder das Integrationsamt ist beispielsweise kostenfrei.

Es ist zudem hilfreich, sich Unterstützung von erfahrenen Unternehmen zu holen. Randstad ist bereits seit vielen Jahren Unterzeichner der Charta der Vielfalt und Mitglied im UnternehmensForum, einem bundesweiten Zusammenschluss von Unternehmen aller Branchen, die Menschen mit Einschränkungen oder Leistungsminderung die volle Teilhabe am Arbeitsleben ermöglichen wollen.

Autor: Hans Christian Bauer, Inklusionsbeauftragter bei Randstad Deutschland

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Definition: Mensch mit schwerer Behinderung

Als schwerbehindert zählen Menschen mit einem anerkannten Grad der Behinderung von mindestens 50. Zum Jahresende 2019 lebten laut Statistischem Bundesamt rund 10,4 Millionen Menschen mit Behinderung in Deutschland – davon 7,9 Millionen mit schwerer Behinderung. Der Anteil der schwerbehinderten Menschen an der gesamten Bevölkerung in Deutschland betrug damit 9,5 %.

Angaben zur Anzahl der erwerbstätigen Personen mit schwerer Behinderung stammen aus 2017, da sie im Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes nur alle vier Jahre ermittelt werden. Demnach liegt die Erwerbstätigenquote bei Schwerbehinderten im Alter von 15 bis unter 65 Jahren bei 46,9 %.

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Zur Person
Hans Christian Bauer
Hans Christian Bauer

Hans Christian Bauer

Director Social Affairs bei Randstad Deutschland & Director der Randstad Akademie

Hans Christian Bauer ist Director Social Affairs bei Randstad Deutschland und Director der Randstad Akademie. Seine Karriere bei Randstad begann der Jurist im Jahr 2000. Er ist zudem Mitglied im UnternehmensForum, einem Fachforum der Wirtschaft zur Förderung der Inklusion schwerbehinderter Menschen ins Arbeitsleben, sowie der Tarifkommission und des Arbeitskreises Recht des Bundesarbeitgeberverbands der Personaldienstleister.