Unternehmen, die ihre Mitarbeiter zu weniger sitzender Arbeit motivieren wollen, sollten im Rahmen ihres Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) nicht nur mehr Gelegenheiten zum Aufstehen anbieten. Auch zusätzliche Angebote sind gefragt, um „in Gang zu kommen“. Das schlagen Forscher der Deutschen Sporthochschule Köln vor, die in einer aktuellen Studie herausgefunden haben, dass Beschäftigte während des Arbeitstags lieber weniger Zeit im Sitzen, dafür mehr Zeit in Bewegung verbringen wollen.

Fokus auf Wünsche der Beschäftigten

„Unseres Wissens ist dies die erste Studie, die der Frage auf den Grund gegangen ist, wie lange am Schreibtisch Tätige tatsächlich sitzen, stehen, gehen oder körperlich aktiv sein wollen“, sagt Studienleiterin Dr. Birgit Sperlich. „Bisher fokussieren Vorhaben für mehr körperliche Bewegung am Arbeitsplatz vor allem auf die gesundheitliche Wirkung, fragen aber nicht, was die einzelnen Zielgruppen tatsächlich bevorzugen. Darum brauchen Maßnahmen, die Sitz-Zeiten verringern wollen, einige Optionen mehr als nur das Stehen anzubieten.“

Wunsch: 46 Minuten mehr gehen pro Tag

Der Studie zufolge, die im öffentlich zugänglichen Fachmagazin BMC Research Notes erschienen ist, berichten die Befragten, dass sie 73 Prozent ihrer täglichen Arbeitszeit im Sitzen verbringen, 10,2 Prozent im Stehen, 12,9 Prozent im Gehen und 3,9 Prozent bei Tätigkeiten, die körperliche Bewegung erfordern. Erstrebenswert dagegen seien aus Sicht der Beschäftigten Werte von 53,8 Prozent im Sitzen, 15,8 Prozent im Stehen, 22,9 Prozent im Gehen und 7,7 Prozent in Bewegung. Im Durchschnitt wünschen sich die Befragten damit pro 8-Stunden-Arbeitstag zusätzliche 46 Minuten im Gehen und 26 zusätzliche Minuten im Stehen.

Bei längerer Arbeitszeit mehr Bewegungswunsch

Während der Befragung fanden die Forscher auch Belege dafür, dass der Wunsch nach mehr Bewegung umso stärker ist, je länger eine Person täglich arbeitet. Im Gegensatz dazu steht die Erkenntnis, dass die Differenz zwischen tatsächlicher und erstrebenwerter Arbeitszeit im Stehen umso geringer ausfällt, je länger die tägliche Arbeitszeit insgesamt ist.

Erste Ansätze für weitere Forschung

Die Autoren der Studie warnen allerdings davor, die Ergebnisse als absolute Wahrheit zu betrachten, da die Befragten sich bei der Selbstauskunft auch verschätzt haben könnten. Auch wurden keine Vorerkrankungen abgefragt, die auf die Körperhaltung und den Bewegungswunsch am Arbeitsplatz Einfluss nehmen. Dies herauszufinden, sei die Aufgabe weiterführender Untersuchungen. Schon jetzt allerdings könnten sich Arbeitgeber, die etwas für die Gesundheit ihrer Büroarbeiter tun wollen, darauf verlassen, dass Angebote zu mehr Bewegung positiv angenommen werden. „Auf Basis unserer Ergebnisse empfiehlt sich eine Verringerung der sitzend verbrachten Zeit auf etwa die Hälfte des Arbeitstags“, so die Faustregel der Studien-Autoren.