Das neue Arbeitnehmerüberlassungsgesetz im Praxistest: Im Gespräch mit dem Randstad Betriebsratsmitglied Klaus-Matthias Keßler berichten Marco Thissen und Martin Stock welche Veränderungen sie als Randstad Zeitarbeitnehmer durch das neue Gesetz erleben. Dabei verzeichnen sie gravierende Einschnitte – insbesondere durch die Höchstüberlassungsdauer.

Höchstüberlassungsdauer - Fluch oder Segen? 

Seht ihr in dem neuen Arbeitnehmerüberlassungsgesetz für euch einen Nutzen?

Marco Thissen: Nein. Ich musste abgemeldet werden, obwohl der Kunde und ich gerne länger zusammengearbeitet hätten. Außerdem kannte ich meine Kollegen und meine Vorgesetzten, die mit meiner Leistung zufrieden waren. Aus diesem Einsatz wurde ich ohne Not herausgenommen.
Martin Stock: Bei mir ist das ähnlich. Im alten Einsatz hatte ich eine gut funktionierende Fahrgemeinschaft und kam auch in den verschiedenen Schichten gut zum Einsatz. Meine Kollegen und ich waren ein eingespieltes Team. Aber am Wesentlichsten ist, dass ich jetzt entschieden weniger Geld verdiene.

Wurdet ihr wegen der Höchstüberlassungsdauer beim Kunden abgemeldet?

Marco Thissen: Ja, man hätte mich gerne weiterbeschäftigt, aber das Gesetz hat den Kunden dazu gezwungen, mich abzumelden. Ich hoffe nach der Unterbrechungszeit wieder dort eingesetzt zu werden.
Martin Stock: Ich wurde ebenfalls abgemeldet, weil der Kunde nicht gleichzeitig ca. 20 Personen übernehmen wollte oder konnte.

Gehaltseinbußen durch die Höchstüberlassungsdauer 

Habt ihr durch die Abmeldung aus dem Einsatz jetzt Gehaltseinbußen?

Marco Thissen: Ich habe zwar finanzielle Einbußen, aber da ich in einem kaufmännischen Einsatz bin, ist der Verlust nicht allzu hoch.
Martin Stock: Da ich als Helfer im Einsatz bin, habe ich ca. 700 Euro im Monat weniger. Ich bin zurück auf meinen Einstellungslohn gefallen und sehe in meinem neuen Einsatz vorerst auch keine Änderung, da dies eine Branche ohne Branchentarifzuschläge ist.

Sollte die Höchstüberlassungsdauer von 18 Monaten bleiben? Wie seht ihr das?

Marco Thissen: Ich finde die Höchstüberlassungsdauer nicht zwingend notwendig, hier wurde nur etwas geregelt was nicht geregelt werden muss. Durch diese Regelung sollten vermehrt die Zeitarbeiter vom Kunden übernommen werden, aber aus eigener Erfahrung und Gesprächen mit Kollegen erfolgt dies wohl nicht.
Martin Stock: Was durch die Gewerkschaften mit den Branchentarifzuschlägen erreicht worden ist, wird hier von der Politik wieder zerstört. Hat man gerade mal den Höchstsatz der Zuschläge nach neun Monaten erreicht, muss nach weiteren neun Monaten der Einsatz beendet werden und man fängt wieder bei Null an. Man wollte den Zeitarbeitern etwas Gutes tun, aber der Schuss ging nach hinten los. 

Wir bedanken uns bei Marco Stock und Martin Thissen für das Gespräch.