Branchenzuschläge für Elektro, Metall und Chemie vereinbart

Vereinbarungen zwischen Zeitarbeitsfirmen und Gewerkschaften tritt zum 1. November in Kraft und verkleinert die bisher bestehende Tariflücke für Arbeitnehmer.

Die Branchenzuschläge für Metall- und Elektroindustrie sowie der Chemischen Industrie

Die Tariflücke zwischen Zeitarbeitnehmern und Stammbelegschaften in der Metall- und Elektroindustrie sowie der Chemischen Industrie wird zum 1. November 2012 weitgehend geschlossen. Die Arbeitgeberverbände der Zeitarbeitsbranche, vertreten durch die Verhandlungsgemeinschaft Zeitarbeit (VGZ), einigten sich Ende Mai bei den Tarifverhandlungen mit der IG Metall und Mitte Juni mit der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie auf ein System ansteigender Branchenzuschläge. Die Tarifangleichung kommt also bei allen Unternehmen, die Zeitarbeitnehmer beschäftigen und entweder der Metall- und Elektroindustrie oder der Chemiebranche angehören; ausgenommen ist das Handwerk. In den kommenden Monaten stehen Verhandlungen mit weiteren Branchen und Industrien an.

Randstad hat als führendes Mitglied im Bundesarbeitgeberverband der Personaldienstleister BAP die aktuelle Einigung aktiv mitgestaltet. Ziel war es, eine Lösung zu entwickeln, die eine langfristige Planungssicherheit für Kunden und Zeitarbeitnehmer schafft, und das Potential der Branche als flexibles Arbeitsmarktinstrument weiterentwickelt.

Bei den Zuschlägen geht es branchenabhängig um eine Größenordnung zwischen 10 Prozent, die nach sechs Wochen dauerhaften Einsatzes fällig sind, und 50 Prozent, die nach neun Monaten Einsatzzeit eines Zeitarbeitnehmers in ein und demselben Kundenunternehmen schließlich erreicht werden. Die Tarifverträge gelten ab dem 1. November 2012 und haben eine Laufzeit bis zum Jahr 2017. Sie sind verbindlich für alle tarifgebundenen Mitgliedsunternehmen von IGZ und von BAP, die den zwischen BZA und den Einzelgewerkschaften des DBG verhandelten Tarifvertrag anwenden – darunter auch Randstad.

Die Branchenzuschläge – basierend auf den Entgelten der BAP- und IGZ-Tarifwerke mit der DGB-Tarifgemeinschaft Zeitarbeit – sollen die jeweilige Tarifdifferenz in den genannten fünf Stufen ausgleichen.

Zeitarbeitskräfte erhalten den Branchenzuschlag auch, wenn sie in nicht tarifgebundenen Metall- und Elektrounternehmen arbeiten.

Zeitarbeit als wichtiges Flexibilisierungsinstrument

„Die neuen Tarifabschlüsse und die Einigung mit den Gewerkschaften unterstreichen einmal mehr die Tarifautonomie unserer Branche. Die Zeitarbeitsbranche hat bewiesen, dass sie eigenständig Lösungen – ohne Eingriffe der Politik – mit den Gewerkschaften etablieren kann. Damit ist Zeitarbeit als wichtiges Flexibilisierungsinstrument des deutschen Arbeitsmarkts vollständig akzeptiert“, erklärt Eckard Gatzke, Vorsitzender und Sprecher der Geschäftsführung von Randstad Deutschland. „Nachdem die Erklärungsfrist abgelaufen ist, können wir sagen, die Verhandlungsergebnisse entsprechen insgesamt unseren Erwartungen. Intern arbeiten wir schon seit geraumer Zeit an einer reibungslosen Umsetzung. Besonders begrüßen wir jeweils die tarifvertraglich vereinbarte Laufzeit von fünf Jahren, denn nur so gibt es eine garantierte Planungssicherheit für alle Beteiligten.“ Mit diesen tariflichen Branchenzuschlägen erfüllen die Parteien den Auftrag des Gesetzgebers, die materiellen Arbeitsbedingungen der Zeitarbeitnehmer an die der Beschäftigten in den jeweiligen Kundenbranchen anzugleichen. Dass zwischen den Löhnen und Gehältern Festangestellter und den maximalen Bezügen von Zeitarbeitnehmern inklusive Zuschlag dennoch auch nach diesen Tarifverträgen eine gewisse Lücke klafft, liegt daran, dass bei den Berechnungen Leistungszuschläge nicht berücksichtigt wurden. Diese belaufen sich nach Übereinkunft der Tarifpartner auf etwa 10 Prozent des Tarifstundenentgelts.

Diese Tarifabschlüsse sollen als Vorlage für weitere Branchenlösungen dienen. Daher sind aus Sicht des VGZ gesetzgeberische Maßnahmen der Bundesregierung nicht nötig, wie sie von der Bundesarbeitsministerin noch für den Fall angekündigt wurden, dass es nicht zu einer tariflichen Einigung kommen würde.

Helga Schwitzer von der IG Metall wertete das Ergebnis als einen wichtigen Schritt hin zur fairen Bezahlung von Beschäftigten in der Zeitarbeit. „Die Tarifvertragsparteien haben einen zentralen Beitrag zu mehr Fairness in der Leiharbeit geleistet,“ erklärte das geschäftsführende Vorstandsmitglied der Gewerkschaft und Verhandlungsführerin in Frankfurt. Schwitzer empfiehlt den bundesweit ersten Tarifvertrag über Branchenzuschläge in der Zeitarbeit als Vorbild für andere Branchen.

„Die Zeitarbeitgeber sind an die Grenze ihrer Belastbarkeit gegangen“, sagt VGZ-Verhandlungsführer Thomas Bäumer. „In unserer wichtigsten Kundenbranche – der Metall- und Elektroindustrie – wird der ‚Jobmotor Zeitarbeit‘ nun deutlich langsamer laufen. Die Mehrkosten für die Kundenunternehmen werden erheblich sein. Leider wird dies negative Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt haben, vor allem für Geringqualifizierte.“

„Dieses – teuer erkaufte – Ergebnis ist zwar ein Erfolg für die Tarifautonomie in Deutschland und trägt der Eigenständigkeit der Branche Zeitarbeit Rechnung. Die Kosten werden allerdings auch jene tragen müssen, für die Zeitarbeit bisher eine große Chance auf Rückkehr in den Arbeitsmarkt dargestellt hat“, so der stellvertretende VGZ-Verhandlungsführer, Holger Piening.

Bei der Zeitarbeit sei ein schwieriger Spagat gelungen, so merkte Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser im Zusammenhang mit den Tarifabschlüssen schon in diesem Frühjahr an: „In den ersten zwei Jahren kann weiterhin jeder Betrieb selbst entscheiden, ob und wie er Zeitarbeitnehmer einsetzen möchte.“ Damit bleibe die betriebliche Handlungsfreiheit auch künftig erhalten. Umgekehrt erhielten Zeitarbeitnehmer, die länger als 24 Monate beim gleichen Kunden tätig seien, von diesem künftig ein Übernahmeangebot. „Nimmt man noch die absehbare materielle Besserstellung der Zeitarbeiter durch Branchenzuschläge dazu, … muss mit diesem Gesamtpaket die Debatte über Zeitarbeit endgültig befriedet sein – nicht nur zwischen den Tarifparteien, sondern auch auf der politischen Ebene“, forderte Kannegiesser.

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