Wie erfolgreich ein Unternehmen morgen sein wird, hängt davon ab, wie gut seine Mitarbeiter heute aus Fehlern lernen. Denn: Der Weg zum Erfolg führt übers Ausprobieren und Bessermachen. Um neue Chancen zu erkennen und zu nutzen, braucht es eine positive Fehlerkultur. Gute Führungskräfte fördern die Risikobereitschaft ihrer Mitarbeiter. Sie ermutigen sie dazu, Neues auszuprobieren, Fehler zu machen und gemeinsam weiterzukommen.

Positiv mit Fehlern umgehen erfordert neues Führungsverständnis

Eine positive Fehlerkultur ist kein Schönwetterfußball. Hier geht es auch mal ziemlich zur Sache. Es geht darum, sich etwas zu trauen und auch  etwas zu riskieren – und ja, auch mal einen Fehler zu machen, ohne den Spaß an der Sache zu verlieren.

Das braucht Vertrauen. Gerade die großflächige Einführung von Homeoffice hat gezeigt, wie herausfordernd das für beide Seiten ist. Echte Nähe entsteht durch Offenheit und Empathie. Führungskräfte tun gut daran, ihren Mitarbeiter mehr zuzutrauen und mehr Eigenverantwortung zu geben. Schließlich geht es um die Basis einer positiven Zusammenarbeit – egal ob im Büro oder remote.

Auch unser etabliertes Verständnis von beruflicher Leistung steht uns dabei zu oft im Weg. Das vorgegebene Pensum nach Schema F abzuarbeiten, damit ist noch niemand vorangekommen. „Out of the box“ zu denken – dadurch kommen wir auf neue Ideen. Manche davon sind für den Papierkorb. Andere machen uns erst erfolgreich. So oder so: Wir lernen immer dazu.

Nur wer Fehler macht, macht alles richtig

„Wer Fehler macht, ist nicht gut in dem, was sie oder er tut.“ Dabei stimmt doch genau das Gegenteil: Die, die es an die Spitze ihres Berufs, ihres Unternehmens, ihrer eigenen Leistung schaffen, kommen dort nur hin, weil sie scheitern. Und zwar ständig. Und dann die richtigen Lehren daraus ziehen.

Eine positive Fehlerkultur bedeutet: Mitarbeiter dürfen nicht nur Fehler machen. Sie dürfen aus ihnen lernen, und zwar mehrfach, und möglichst nachhaltig. Diese Erfahrung mit ihren Kollegen offen zu teilen, das bringt nicht nur sie selbst, sondern das gesamte Unternehmen weiter.

Wenn sich Arbeitnehmer ständig sorgen, Fehler zu begehen, machen sie am Ende gar nichts mehr. Und das ist noch schlimmer, wenn ein Fehler unterläuft – sowohl für den Mitarbeiter als auch für das gesamte Unternehmen. Klar ist: Wenn Unternehmen es schaffen, eine positive Fehlerkultur zu etablieren, ist das ein wichtiger Schritt zum Erfolg.

Das richtige Mindset für neues Arbeiten

Es geht um die Haltung im Umgang mit Rückschlägen. Das bedeutet: Fehler sind erlaubt, werden nicht dramatisiert, aber offen thematisiert und als Chance gesehen, es besser zu machen und Lösungen zu finden. Dieses Mindset ist der Kern der New Work Bewegung. Wenn sich der Wandel der Arbeitswelt immer rasanter fortsetzt, braucht es kreative Köpfe, die da mitgehen und neue Lösungen denken und umsetzen. Mit moderner und kooperativer Mitarbeiterführung schaffen Führungskräfte die besten Voraussetzungen dafür.

Fehlerkultur: Innovation ohne Scheitern funktioniert nicht
Fehlerkultur: Innovation ohne Scheitern funktioniert nicht

So ermutigen Sie Mitarbeiter, Fehler als Chance zu nutzen

Bei einer positiven Fehlerkultur geht es nicht darum, Fehler zu belächeln oder sie hinzunehmen. Sie ist auch keine Einladung dazu, schlampig zu arbeiten. Es geht vielmehr darum, Fehler als Chance zur Verbesserung zu sehen und offen damit umzugehen. Mit diesen Tipps schaffen Führungskräfte die besten Voraussetzungen für ein konstruktives Miteinander:

  1. Schenken Sie Mitarbeitern Vertrauen und Wertschätzung. Motivieren Sie Mitarbeiter Verantwortung zu übernehmen. Vertrauen Sie auf deren Ansporn, dieses Vertrauen mit noch größerem Engagement zurückzugeben.
  2. Geben Sie regelmäßig Feedback und nennen Sie den Fehler beim Namen: offen und ehrlich. Ohne Feedback nützt auch der aufschlussreichste Fehler nichts. Weisen Sie Mitarbeiter den Weg, wie sie aus einer Sackgasse raus- und erfolgreich weiterkommen.
  3. Stärken Sie Ihren Kollegen den Rücken. Schaffen Sie eine vertrauensvolle und geschützte Umgebung, in der sich Mitarbeiter ausprobieren und etwas wagen. Neue Ideen in die Tat umzusetzen braucht Mut. Nicht nur, um aus einer bloßen Vorstellung wirklich Realität zu machen. Sondern auch dann, wenn es schief geht, und Mitarbeiter ihren Fehler ansprechen und mit ihren Chefs klären.
  4. Dabei kommen Sie optimalerweise ohne Schuldzuweisungen oder Rechtfertigungen aus. Führungskräfte und Arbeitnehmer begegnen dieser Situation mit Ruhe. Überlegen Sie gemeinsam: Wie schaffen wir eine Lösung für diese Situation? Und wie stellen wir sicher, dass wir das in Zukunft besser machen?

Als Führungskraft eine positive Fehlerkultur vorleben

Stichwort Mut: Auch Führungskräfte gehen ein Risiko ein, indem sie ihre eigenen Fehler offen benennen und ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Mit gutem Beispiel voranzugehen schafft ein sicheres Umfeld, in dem Mitarbeiter Lust haben, Ideen zu entwickeln, mutige Entscheidungen zu treffen, Fehler zu bewältigen und gemeinsam Lösungen zu finden. Das macht eine positive Fehlerkultur aus.

Fehler zu bewältigen sind wichtige Erfahrungen, die die Persönlichkeit des Menschen stärken. Gleichzeitig schweißt die gemeinsame Fehlerbehebung das Team zusammen. Wenn eine Lösung für einen Misserfolg gefunden wird, steigert das die Motivation im Team. Sich regelmäßig zu hinterfragen hilft, voneinander zu lernen.

Das erfordert Ausdauer und kontinuierlich Arbeit an sich selbst. Um zu prüfen, ob Führung, Unternehmen und Mitarbeiter auf dem richtigen Weg sind, helfen diese Fragen:

  • Verschweigen oder ignorieren Sie Fehler?
  • Schieben Sie Fehler gelegentlich anderen in die Schuhe?
  • Stellen Sie sich ahnungslos oder erfinden Sie Ausreden, wenn Ihnen ein Fehler unterläuft?

Im nächsten Schritt ist es wichtig, die Motive für das eigene Verhalten zu erkennen. Wenn nicht offen mit Fehlern umgegangen wird, liegt es oft an Gefühlen wie Angst, Scham, Wut oder Schuld. Sie blockieren den konstruktiven Umgang mit Fehlern. Dabei sollten wir uns bewusst machen, dass ein offener und ehrlicher Austausch über Fehler eine Stärke ist. Sie macht Menschen nahbar und authentisch, und verbindet sie noch stärker miteinander. 

Fazit: Ohne Fehler kein Fortschritt

Unternehmen, die sich die Verbindung zwischen Fehler, Innovation und Veränderung bewusst machen, stellen sich zukunftsfähig auf. Das betrifft insbesondere Führungskräfte, die Fehlern nicht mit Hohn oder Strafe, sondern mit konstruktivem Feedback begegnen. So sind eine offene Fehlerkultur und ein offenes Ohr für Kollegen und Mitarbeiter zusammen mit dem Willen zum lebenslangen Lernen die besten Voraussetzungen für zukünftigen Erfolg.

Autor: Richard Jager

Zur Person
Richard Jager
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Richard Jager

CEO Randstad Gruppe Deutschland

Richard Jager ist seit 1. September 2017 Mitglied der Geschäftsführung der Randstad Gruppe Deutschland. Seine Karriere begann als Consultant und im Management bei Randstad Holland. Als Geschäftsführer bei Randstad Schweiz positionierte er das Unternehmen als umfassenden HR-Dienstleister und Arbeitsmarktexperten. Strategische Geschäfts-, HR- und Talentfragen gehören außerdem zu seinem Themenfokus.