Was ist „Unternehmenskultur“ und wie kann sie gestärkt werden? Andreas Bolder, Director Group Human Resources bei Randstad Deutschland, erklärt dies im Interview.

Herr Bolder, was ist eine Unternehmenskultur und wie kann ein Unternehmen darauf Einfluss nehmen?

Die Unternehmenskultur umfasst ein bestimmtes Set an bewussten wie unbewussten Werten und Einstellungen, die sich im Verhalten von Mitarbeitern und Führungskräften widerspiegeln. Im besten Falle unterstützt die Unternehmenskultur die Strategie und macht ein gemeinsames Arbeiten einfacher und effektiver. Dazu gehören z. B. die Feedbackkultur und die Fehlerkultur genauso wie das Zusammenspiel der verschiedenen Ebenen im Unternehmen.

Den größten Einfluss auf die Unternehmenskultur haben die Führungskräfte und das obere Management, denn sie setzen den Ton im täglichen Arbeiten. Führungskräfte sind im positiven wie im negativen Sinne immer Vorbild, bewusst oder unbewusst. Das obere Management kann aber auch bewussten Einfluss darauf nehmen, welche Werte und Verhaltensmuster prominenter vertreten sein sollten sind und wie sie durch das eigene sichtbare Verhalten diese Veränderung unterstützen kann. Schulungen für Führungskräfte oder interne Initiativen, die ein bestimmtes Verhalten unterstützen, stärken ebenfalls die Unternehmenskultur bzw. entwickeln diese weiter. So können Initiativen für mehr Risikobereitschaft zu einer besseren Fehlerkultur und letztendlich zu mehr Innovationen führen.

Warum sollten Unternehmen darauf Wert legen?

Wir beobachten zwei Trends: Zum einen identifizieren sich Mitarbeiter immer seltener mit ihrem Arbeitgeber. Angestellte fühlen weniger starke Bindungen zu ihrem Arbeitsplatz und sind seltener „Feuer und Flamme“ für ihren Beruf. Hier ist noch Luft nach oben auf Seiten der Unternehmen, denn langfristig führt es zu einer besseren Mitarbeiterbindung, wenn Arbeitnehmer sich mit dem Sinn und Zweck ihres Unternehmens identifizieren und somit das intrinsische Engagement hochgehalten wird.

Auf der anderen Seite legen Bewerber großen Wert auf die Unternehmenskultur. Eine  “angenehme Arbeitsatmosphäre” gehört bei der jährlichen Randstad Employer Brand Research regelmäßig zu den wichtigsten Faktoren bei der Arbeitgeberwahl. Auch die gesellschaftliche Verantwortung ist vielen wichtig. Eine Unternehmenskultur, die mit den Eins

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Ist die Unternehmenskultur also auch wichtig für das Recruiting?

Ja, unbedingt. Bewerber suchen bewusst nach Indizien für eine Kultur, die zu ihnen passt und ihren Wertvorstellungen entspricht. Da wir in Deutschland inzwischen einen Bewerbermarkt haben, ist es die Aufgabe der Unternehmen, sich von der Masse abzusetzen und den Arbeitnehmern zu signalisieren: „Ihr passt zu uns, auf euch haben wir gewartet.“ Wer darin investiert, die eigene Unternehmenskultur nicht nur auszubauen, sondern auch nach außen zu tragen, leistet mehr für die Arbeitgebermarke als es Einzelmaßnahmen je tun könnten.


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Zur Person
Andreas Bolder, Director Group Human Resources Randstad Deutschland
Andreas Bolder, Director Group Human Resources Randstad Deutschland

Andreas Bolder

Director Group Human Resources Randstad Deutschland

Andreas Bolder ist seit 2002 Director Human Resources bei Randstad Deutschland und seit 2013 als HR-Chef für die gesamte Randstad Gruppe verantwortlich. Recruiting im Zeitalter der Digitalisierung, Employer Branding sowie flexible Arbeitsmodelle gehören zu seinen Fokusthemen.