Unerlaubte Fragen im Vorstellungsgespräch

Eine Mischung aus Freude und Nervosität empfinden die meisten Bewerber vorm Vorstellungsgespräch, darüber hinaus können Sie stolz auf sich sein: Der erste Schritt zum Wunschjob ist geschafft, wenn Sie eine Einladung zum Bewerbungsgespräch erhalten. Jetzt kommt es darauf an, gut vorbereitet ins Vorstellungsgespräch zu gehen. Personaler stellen viele Fragen, um herauszufinden, ob ein Bewerber zum Unternehmen passt. Doch dürfen sie wirklich alles fragen? Die Antwort lautet ganz klar: Nein, denn es gibt unerlaubte Fragen, die Sie als Bewerber nicht beantworten müssen.

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Fragerecht des Arbeitgebers

Grundsätzlich haben Arbeitgeber ein Fragerecht im Vorstellungsgespräch, da ein berechtigtes Interesse besteht, mehr über die Personen zu erfahren, die im Unternehmen arbeiten möchten. Dies ist notwendig, um eine Auswahl zu treffen. In manchen Bereichen gilt dieses Fragerecht allerdings nicht. Großteils werden in Bewerbungsgesprächen zulässige Fragen gestellt – aber es kann auch vorkommen, dass Ihnen eine verbotene Frage gestellt wird. Sie treten nicht ins Fettnäpfchen, wenn Sie sich vor dem Bewerbungsgespräch mit den unzulässigen Fragen auseinandersetzen: Denn dann wissen Sie, auf welche Fragen Sie nicht antworten müssen, und können sich bereits im Vorfeld geschickte Antworten überlegen. 

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Das Recht zur Lüge bei verbotenen Fragen

Sicherlich können Bewerber im Vorstellungsgespräch auch einfach darauf hinweisen, wenn der Personaler eine unerlaubte Frage stellt, und die Antwort verweigern. Das kann sich jedoch nachteilig auf den Bewerbungsprozess auswirken. In diesem Fall haben Bewerber tatsächlich das Recht zur Lüge: Am 6. Februar 2003 urteilte das Bundesarbeitsgericht, dass wahrheitswidrige Antworten auf verbotene Fragen keine negativen Konsequenzen nach sich ziehen. Der Arbeitgeber kann in diesem Fall den Arbeitsvertrag nicht wegen arglistiger Täuschung anfechten.

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In welchen Bereichen gibt es unzulässige Fragen?

Ob eine Frage zulässig ist, hängt von ihrem Inhalt ab. Prinzipiell gilt: Fragen, die gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (umgangssprachlich Antidiskriminierungsgesetz genannt) verstoßen, sind unzulässig. Die unerlaubten Fragen im Vorstellungsgespräch lassen sich in folgende Kategorien einteilen:

  • Partnerschaft und Familienplanung
  • Gesundheit
  • Glauben
  • Politische Überzeugung und Gewerkschaftszugehörigkeit
  • Ethnische Herkunft
  • Vermögen
  • Vorstrafen

Zu beachten ist, dass es bedingt zulässige Fragen gibt, die nur dann im Bewerbungsgespräch gestellt werden dürfen, wenn sie für den Job relevant sind.

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Bedingt zulässige Fragen im Bewerbungsgespräch

In der Regel sind Fragen nach der politischen Überzeugung und dem Glauben unzulässig. Ausnahmen ergeben sich, wenn es sich beim Arbeitgeber um eine konfessionelle oder parteipolitische Institution handelt. Dann besteht von Seiten des Arbeitgebers ein berechtigtes Interesse, um zu erfahren, ob sich Bewerber mit seinen Werten identifizieren können. 

Fragen nach einer Behinderung oder Krankheit sind nur dann bedingt zulässig, wenn die speziellen Anforderungen eines Jobs mit einer solchen nicht zu bewältigen sind. In diesem Fall haben Bewerber sogar die Pflicht darauf hinzuweisen, dass sie den angestrebten Beruf nicht ausüben können.

Nach den Vermögensverhältnissen darf in einem Vorstellungsgespräch gewöhnlich nicht gefragt werden. Allerdings ist die Frage nach dem Vermögen bei Führungskräften bedingt zulässig, damit der Arbeitgeber abschätzen kann, ob der Bewerber generell zuverlässig in Vermögensangelegenheiten ist. 

Nach Vorstrafen dürfen sich Personaler nur dann erkundigen, wenn diese für die offene Stelle von Bedeutung sind. Relevant sind zum Beispiel Verkehrsdelikte für Berufskraftfahrer. Erlaubt ist allerdings, wenn sich Personalentscheider nach einer drohenden Haftstrafe erkundigen. Hier besteht sogar eine Offenbarungspflicht.

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Beispiele für unerlaubte Fragen im Vorstellungsgespräch

Partnerschaft und Familienplanung

  • Wollen Sie in absehbarer Zeit heiraten?
  • Möchten Sie noch Kinder haben?
  • Sind Sie schwanger?

Gesundheit

  • Leiden Sie an körperlichen Einschränkungen?
  • Gibt es Erbkrankheiten in Ihrer Familie?

Glauben

  • Welcher Religionsgemeinschaft gehören Sie an?
  • Welche Glaubensrichtung haben Sie?

Politische Überzeugung und Gewerkschaftszugehörigkeit

  • Gehören Sie einer Partei an?
  • Welche Partei wählen Sie?
  • Sind Sie Gewerkschaftsmitglied?

Ethnische Herkunft

  • Aus welchem Land stammen Ihre Vorfahren?
  • Welcher Kultur gehören Sie an?

Vermögen

  • Wie sehen Ihre Vermögensverhältnisse aus?
  • Haben Sie Schulden?

Vorstrafen

  • Sind Sie vorbestraft?
  • Haben Sie schon einmal eine Haftstrafe verbüßt?
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Reagieren auf unzulässige Fragen

Sie wissen nun, welche Fragen Ihnen nicht gestellt werden dürfen bzw. welche Sie nicht (wahrheitsgemäß) beantworten müssen. Aber wie sollten Sie reagieren? Sicher sind “Das dürfen Sie gar nicht fragen” oder “Das ist meine Angelegenheit, dazu muss ich nichts sagen.” nicht die besten Antworten. Vielleicht will der Personaler Sie nur ein bisschen stressen und wissen, wie Sie reagieren. Wenn Sie möchten, können Sie natürlich auch eine unzulässige Frage beantworten – das bleibt ganz Ihnen überlassen. Sie könnten auch mit einer Gegenfrage kontern, beispielsweise mit “Inwieweit wäre das denn relevant für die Stelle, die zu besetzen ist?.” Wichtig ist: Bleiben Sie freundlich und ruhig, werden Sie nicht aggressiv oder nervös. In den meisten Bewerbungsgesprächen werden unzulässige Fragen nicht gestellt, andererseits kann es nicht schaden, sich im Rahmen der Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch auch damit zu beschäftigen. 

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