Zeitarbeit ist in Deutschland immer noch mit vielen Vorurteilen behaftet. Einige halten sich hartnäckig. Aber ist Zeitarbeit wirklich schlecht für den Lebenslauf? Und sind Zeitarbeitskräfte Arbeitnehmer zweiter Klasse? Wir zeigen, warum sich viele Gerüchte als unwahr erweisen.

Vorurteil 1: Zeitarbeitnehmer werden wie Gegenstände an Betriebe verliehen

Das negative Image der Zeitarbeit hängt mit dem alten Begriff Leiharbeit zusammen, der im Arbeitnehmerüberlassungsgesetz genutzt wird. Dieser wird oft als Synonym verwendet. Das Wort Leiharbeit signalisiert, dass Zeitarbeitnehmer wie Gegenstände verliehen werden. Das trifft jedoch nicht zu: Zeitarbeitskräfte sind festangestellte Mitarbeiter eines Personaldienstleisters, für die wie für andere Arbeitnehmer auch dieselben einschlägigen gesetzlichen Regelungen Anwendung finden. Sie erhalten von ihrem Arbeitgeber ein festes Gehalt und haben alle Rechte und Pflichten, die auch andere Arbeitnehmer haben. Nur ihr Einsatzort wechselt. 

Erfahren Sie mehr über die Verwendung der Begriffe Zeitarbeit und Leiharbeit.

Vorurteil 2: Zeitarbeit ist schlecht für den Lebenslauf

Wer als Zeitarbeitnehmer beschäftigt ist oder war, muss dies nicht im Lebenslauf verstecken. Im Gegenteil: Für viele Personaler sind die Erfahrungen als Zeitarbeitskraft, die Bewerber mitbringen, ein Plus. Aufgrund der Einsätze in verschiedenen Kundenunternehmen verfügen Zeitarbeitnehmer über ein breites Spektrum an Berufserfahrung. Sie sind geübt, sich schnell auf neue Aufgaben, Situationen und Teams einzustellen – und haben keine Scheu vor neuen Herausforderungen.

Vorurteil 3: Wer nach der Uni in die Zeitarbeit geht, verbaut sich die Zukunft

Nach dem Studium durch Zeitarbeit ins Berufsleben einzusteigen, ist kein Manko, sondern eine Chance für den beruflichen Werdegang. Über die Zeitarbeit werden immer mehr hochqualifizierte Mitarbeiter vermittelt, die Unternehmen langfristig bei Projekten unterstützen. Hieraus ergeben sich viele Vorteile, die später bei der Bewerbung bei anderen Arbeitgebern hilfreich sind:

  • Zeitarbeitnehmer sammeln schnell wichtige berufliche Erfahrungen.
  • Sie lernen Branchen kennen, an die sie vorher bei der Berufswahl vielleicht noch nicht gedacht haben.
  • Sie schaffen Kontakte und bauen schnell ein professionelles Netzwerk auf.
  • Berufseinsteiger testen durch Zeitarbeit ihre Fähigkeiten und Interessen. Sie eignen sich zudem durch Praxiserfahrung schnell neue Skills an.

Ein weiterer Pluspunkt: Zeitarbeitnehmer haben die Chance, von den Unternehmen übernommen zu werden, bei denen sie aktuell tätig sind. 

Vorurteil 4: Zeitarbeitnehmer werden schlecht bezahlt

Zeitarbeitnehmer werden in der Regel nach Tarifvertrag bezahlt. Die Löhne liegen deutschlandweit über dem Mindestlohn. Zeitarbeitskräfte haben u. a. Anspruch auf Weihnachts- und Urlaubsgeld. Je nach Branche und Einsatzdauer gibt es weitere Zuschläge, z. B. in der Chemischen Industrie.

Wie bei anderen Beschäftigungsformen hängt das Gehalt einer Zeitarbeitskraft von der Position ab, in der sie eingesetzt wird. Mitarbeiter mit Spezialkenntnissen und gesuchten Profilen werden oft übertariflich entlohnt. In einigen Branchen kann die Vergütung für Zeitarbeit sogar über dem jeweiligen Durchschnitt in der Branche liegen.

Außerdem: Für alle Zeitarbeitnehmer gilt der Gleichstellungsgrundsatz und damit Equal Pay. Das heißt: Wenn eine Zeitarbeitskraft für mehr als 9 Monate ununterbrochen an denselben Kunden überlassen wird, gelten für sie die wesentlichen Arbeitsbedingungen der vergleichbaren Stamm-Mitarbeiter des Kunden – inklusive Entlohnung. Dies ist in § 8 des deutschen Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes (AÜG) verankert. 

Vorurteil 5: Zeitarbeitnehmer sind nicht fest angestellt

Zeitarbeitnehmer verstärken Teams anderer Betriebe. Sie wechseln damit häufiger den Einsatzort als Mitarbeiter einer Stammbelegschaft. So entsteht der Eindruck, dass sie nicht fest angestellt sind. Allerdings ist das Gegenteil der Fall: Zeitarbeitskräfte sind in einem regulären Anstellungsverhältnis bei Personaldienstleistern beschäftigt und in deren Arbeitsorganisation integriert. 

Irrtümer wie diese beruhen oft auf Unwissen darüber, wie Zeitarbeit funktioniert. In unserem Video erklären wir das Prinzip der Zeitarbeit kurz und kompakt:

Vorurteil 6: Als Zeitarbeitnehmer muss man jeden Job machen 

Zeitarbeitnehmer sind echte Allrounder: Sie sind flexibel und gewöhnen sich immer wieder an neue Situationen. Doch das bedeutet nicht, dass sie jeden Job, an jedem Ort und zu jeder Zeit annehmen müssen. Im Arbeitsvertrag ist von vorneherein festgelegt, für welche Art der Beschäftigung sie eingestellt werden. Meist verpflichtet sich die Zeitarbeitskraft darin, auch ähnliche Tätigkeiten auszuführen. Auch diese Arbeiten müssen ihrer Qualifikation und zeitlichen sowie räumlichen Möglichkeiten entsprechen. Diese werden vorab im Arbeitsvertrag geregelt.

Vorurteil 7: Wenn Zeitarbeitnehmer krank werden, bekommen sie kein Geld

Wenn Zeitarbeitnehmer krankheitsbedingt ausfallen, erhalten sie wie alle festangestellten Arbeitnehmer dennoch eine Vergütung. Denn auch sie haben im Krankheitsfall Anspruch auf eine Entgeltfortzahlung von bis zu 6 Wochen nach dem Entgeltfortzahlungsgesetz. Dies ist unter anderem auch im Tarifvertrag für Zeitarbeit geregelt. 

Vorurteil 8: Ohne Kundeneinsatz gibt es kein Gehalt

Zeitarbeitskräfte bekommen nur Geld, wenn sie im Einsatz bei einem Kundenunternehmen sind? Davon sind viele Menschen ohne Erfahrungen in der Zeitarbeit überzeugt. Allerdings sind Zeitarbeitnehmer Mitarbeiter eines Zeitarbeitsunternehmens. Das bedeutet, auch wenn es keinen nahtlosen Übergang zwischen zwei Einsätzen gibt, werden Zeitarbeitskräfte weiterhin bezahlt. 

Vorurteil 9: Zeitarbeitnehmer sind Mitarbeiter zweiter Klasse und haben weniger Rechte

Zeitarbeitskräfte haben dieselben Rechte und Pflichten wie andere Arbeitnehmer auch. Sie haben Anspruch auf Urlaubs- und Krankengeld. Außerdem sind sie kranken-, renten-, arbeitslosen- und unfallversichert.

Darüber hinaus haben Einsatzunternehmen gegenüber der Zeitarbeitskraft eine Schutzpflicht. Sie müssen die Arbeitsschutzvorschriften auch für Zeitarbeitnehmer gewährleisten und sie in den Betrieb und die Betriebsordnung eingliedern. So dürfen Zeitarbeitnehmer z. B. alle Gemeinschaftsräume wie Pausenräume und Kantine vor Ort mit nutzen und sich über offene Stellen im Einsatzunternehmen informieren.

Vorurteil 10: In der Zeitarbeit bekommt man kein Zeugnis

Arbeitszeugnisse gibt es auch für Zeitarbeitnehmer. Das Zeugnis wird jedoch vom Arbeitgeber, also dem Personaldienstleister, ausgestellt. Auch die Eindrücke der Kundenunternehmen fließen in das Zeugnis ein. Die Betriebe sind angehalten eine Bewertung des eingesetzten Zeitarbeitnehmers abzugeben.

Zeitarbeitskräfte haben zudem die Option, beim Einsatzunternehmen nach einem zusätzlichen Zeugnis zu fragen. Dabei handelt es sich zwar um eine freiwillige Leistung der Betriebe, doch bei guten Leistungen werden diese Zusatz-Referenzen meist gerne ausgestellt.

Vorurteil 11: Zeitarbeit ist nur was für gering Qualifizierte

Zeitarbeit bietet allen Menschen die Chance auf einen Job – ob Berufseinsteiger, Quereinsteiger oder Wiedereinsteiger z. B. nach der Elternzeit oder nach Arbeitslosigkeit. Auch Schulabbrecher und Migranten ohne anerkannten Berufsabschluss erhalten die Möglichkeit, sich in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Immer häufiger finden heutzutage auch hochqualifizierte Fachkräfte und Akademiker über Zeitarbeit anspruchsvolle Stellen, in denen sie ihr Expertenwissen einbringen können. 

In der Online-Jobbörse von Randstad finden Sie die richtigen Stellenangebote für Ihre Qualifikationen und Bedürfnisse.

Vorurteil 12: Einmal in Zeitarbeit, immer in Zeitarbeit 

Häufig befürchten Arbeitnehmer bei einer Anstellung in Zeitarbeit, für immer als Zeitarbeitnehmer tätig zu sein. Diese Sorge ist unbegründet. Oft kommt es bei der Zeitarbeit zum sogenannten Klebeeffekt: Zeitarbeitskräfte werden dann in eine traditionelle Anstellung direkt beim Kundenunternehmen übernommen. Bei Randstad liegt diese Quote bei mehr als 25% der Zeitarbeitnehmer.

Zahlen der Bundesagentur für Arbeit vom Januar 2021 zeigen: Wenn die Anstellung bei einem Zeitarbeitsunternehmen beendet wird, sind 30 Tage später rund 29 Prozent der ehemaligen Zeitarbeitnehmer wieder sozialversicherungspflichtig beschäftigt – und das nicht als Zeitarbeitnehmer.

Außerdem: Es gibt auch Arbeitnehmer, die die Beschäftigung in der Arbeitnehmerüberlassung bevorzugen. Für sie überwiegen die Vorteile wie z. B.: 

  • Zeitarbeitnehmer lernen durch den Wechsel der Einsatzorte neue Menschen, Betriebe und Branchen in ganz Deutschland kennen.
  • Sie werden oft als unterstützende Kraft wahrgenommen und wertgeschätzt – quasi als Helfer in der Not.

Vorurteil 13: Niemand vertritt die Interessen von Zeitarbeitnehmern 

Oft wirkt es, als hätten Zeitarbeitnehmer niemanden, der ihre Interessen vertritt. Das liegt daran, dass nicht alle Zeitarbeitnehmer einen Betriebsrat haben, der sich für sie einsetzt.

Randstad ist ein Personaldienstleister mit einem deutschlandweit flächendeckendem Betriebsrat. Dieser kümmert sich z. B. darum, dass Tarifverträge, Betriebsvereinbarungen und Gesamtbetriebsvereinbarungen umgesetzt werden. Der Betriebsrat setzt sich außerdem dafür ein, die Akzeptanz von Zeitarbeit zu steigern. Auch Aspekte wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für alle Mitarbeitenden stehen auf der Agenda.

Fazit: Mit Erfahrungen in Zeitarbeit im Vorteil

Die gängigsten Vorurteile über Zeitarbeit lassen sich mit handfesten Argumenten aus dem Weg räumen. Für viele Arbeitskräfte ist die Arbeitnehmerüberlassung eine echte Chance zum beruflichen Erfolg. Immer mehr Fachkräfte bevorzugen diesen Karriereweg aufgrund der vielfältigen Perspektiven.