Aktuelle Trends in der Online-Welt

31. März 2010

30 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland müssen auch in den Ferien für ihren Chef erreichbar sein. Das geht aus dem aktuellen Randstad Arbeitsbarometer hervor. Im europäischen Vergleich belegen die in Deutschland Beschäftigten damit im Ranking aber einen der hinteren Plätze. Im Süden Europas sieht es nämlich ganz anders aus. Dort ist Schluss mit Dolce Vita – zumindest im Arbeitsleben. Eine Sendepause vom Job gibt es im Urlaub für die Mehrheit der Befragten nicht.

Ergebnisse der Online-Umfrage zeigen Nord-Süd-Gefälle

Mit dem Handy und Laptop an den Strand: Für viele Arbeitnehmer in Südeuropa scheint das die „nüchterne“ Urlaubs-Realität zu sein. 56 Prozent der Befragten in Portugal geben an, dass von ihnen seitens der Arbeitgeber erwartet wird, in den Ferien erreichbar zu sein. In Italien sind es 55, in Griechenland 53 und in Spanien immerhin noch 50 Prozent. Besser haben es da die Beschäftigten in Nordeuropa. Die Mehrheit der Arbeitnehmer kann während der schönsten Tage des Jahres ihren Job einfach Job sein lassen. In den Niederlanden müssen beispielsweise nur 24 Prozent für ihren Arbeitgeber telefonisch oder per Mail verfügbar sein, in Dänemark sind es sogar nur 19 Prozent.

„In Nordeuropa scheint das Thema ,Work-Life-Balance‘ mehr Gewicht zu haben. Immer mehr Unternehmen erkennen, dass sie daran gerade in Zeiten von Fachkräfteengpässen nicht mehr vorbeikommen. Es ist ein ganz entscheidender Aspekt für die Mitarbeiterbindung und für die Attraktivität als Arbeitgeber“, so Petra Timm, Director Communications bei Randstad Deutschland.

Obwohl die Beschäftigten in Südeuropa für den Chef erreichbar sein müssen, verspürt die Mehrheit aber nicht den Druck, sich auch im Urlaub ständig über berufliche Angelegenheiten auf dem Laufenden zu halten. So wird aus dem Urlaub doch noch Erholung.

Über die Online-Umfrage

Die dargestellten Ergebnisse stammen aus dem Randstad Arbeitsbarometer. Die Online-Umfrage wird in 33 Ländern vierteljährlich durchgeführt. In Deutschland wurden 400 Arbeitnehmer zwischen 18 und 65 Jahren aus unterschiedlichen Branchen befragt.

Es sieht so aus, als habe man das Internet den Anwendern einst ohne Gebrauchsanweisung geschickt. Oder wie erklären Sie sich, dass das Thema „Usability” plötzlich so heiß diskutiert wird?

Dominik Ruisinger: Eigentlich sollten Webseiten sofort zu verstehen sein. Nur haben viele dem Thema Usability, also der Benutzbarkeit von Webseiten, über Jahrzehnte nicht genug Bedeutung beigemessen. Es gab und gibt viele Studien mit dem Usability-Papst Jakob Nielsen (www.useit.com) an der Spitze, mit denen sich Webdesigner und Online-Marketer auseinandersetzten. Die Mehrzahl aller Macher legte aber nur Wert auf Gestaltung – und vergaß die Wünsche der Nutzer. Heute ist das Thema Usability hochgekocht, da uns die wachsende Informationsfülle vor Probleme stellt. Wir haben aber nicht mehr Zeit, sondern verteilen sie auf Seiten, auf denen wir relevante News sofort finden. In diesem Wettstreit um die Gunst der Nutzer spielen plötzlich Usability-Faktoren wie klarer Seitenaufbau, verständliche Textsprache, eindeutige Signalfarben eine Kernrolle.

Ist das auch der Grund, warum allenthalben Studien auf den Monitoren sprießen – zumal jede immer nur einen Teilaspekt behandelt und Widersprüche programmiert sind?

Dominik Ruisinger: Richtig. Schon immer hat es Teilstudien zum Online-Verhalten gegeben. So wurde erforscht, dass Nutzer online 25 Prozent mehr Zeit benötigen, um Texte zu lesen. Eine Studie ergab, dass man bei Online-Lesern mehr von Scannern sprechen muss, die maximal 50 Prozent wahrnehmen. Der Bundesverband Digitale Wirtschaft (www.bvdw.org) veröffentlichte eine Eyetracking-Studie zum Blick- und Klickverhalten auf Suchmaschinen-Seiten. Heute bemerken viele, dass die Ergebnisse für ihre eigenen Seiten relevant sind. Dadurch, dass sich die Online-Welt unentwegt weiterbewegt, verlieren aber Studien schnell ihre Aussagekraft, womit sich Widersprüche erklären lassen.

Die Suche nach Orientierung scheint eine Art gemeinsamer Nenner aller Internettrends zu sein. Ist Internet ohne Suchmaschinen überhaupt massentauglich?

Dominik Ruisinger: Aktuell sicherlich nicht. Der heutige User hat sich an seine Suchmaschine]– und mit 90 Prozent Marktanteil heißt sie Google – gewöhnt. Er braucht sie für sein Navigieren, vertraut ihren Vorschlägen sowie Bewertungsportalen mehr als den eigenen Freunden. Ob diese Dominanz so bleibt, daran habe ich meine Zweifel. Gerade durch das Social Web sind neue Formen der Suche entstanden wie das Social Bookmarking. Spannende Perspektiven zeigt das „semantische Web“ auf, das Suchwünsche anhand unseres bisherigen Verhaltens, unserer Suchanfragen, Käufe, Freunde, Favoriten etc. erkennt und ein Suchen durch ein automatisches Bringen ersetzt. Kein Wunder, dass dies Google einiges Kopfzerbrechen bereitet.

Dass die Suchmaschinen als Marketingfläche genutzt werden, kennt in der realen Welt kein Pendant. In einem Falk-Plan findet sich jedenfalls keine Werbung. Ist ihr Status gerechtfertigt oder übertrieben?

Dominik Ruisinger: Die Suchmaschinenwerbung bietet die Chance, gerade bei Produktsuchen genau die gewünschte Information zu erhalten – mit dem Wissen, dass dies eine Werbeanzeige ist. Wenn Sie morgen nach Südfrankreich fliegen und einen Mietwagen suchen, werden Sie in der normalen Ergebnisliste Preisvergleiche und Ähnliches finden. Über die Google Adwords klicken Sie direkt auf einen passenden Anbieter. Und der Falk-Plan im Internet – der heißt Google Maps.

In jüngster Zeit rückt ja Social Media immer mehr in den Blickpunkt. Bedeutet das im Umkehrschluss, dass alle anderen Medien „unsozial“ sind?

Dominik Ruisinger: Eine berechtigte Frage. Das „social“ in Social Media ist so zu verstehen, dass die Einfachheit der Social Software in Blogs, in Wikis, in Communities und Networks es jedem User erlaubt, aktiv zu werden und sich mit anderen auszutauschen. Wenn wir in die Vor-Web-2.0-Zeit zurückblicken, so blieb dieses Engagement oft technologisch versierten Usern überlassen. Dieses Zeitalter gleich als „unsozial“ zu bezeichnen, würde alle früheren Nutzer in ein schlechtes Licht setzen. Und wie „sozial“ Facebook, Twitter, MySpace künftig sein werden, das muss sich wirklich erst noch zeigen.

Im Porträt: Dominik Ruisinger
Dominik Ruisinger ist Berater, Dozent und Autor für Public Relations mit Fokus auf Online-PR, Online-Marketing und Social Media. Der Diplom-Politologe ist Mitinhaber der Berliner PR- und Coaching-Agentur ADD PR add-pr.de sowie Fachautor zahlreicher Publikationen.

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