Arbeitszeugnisse und Letter of Recommendation

9. Dezember 2013

Die Aussagekraft von Arbeitszeugnissen scheint im Formalismus erstickt. Arbeitgeber und Arbeitnehmer suchen nach glaubwürdigen und brauchbaren Alternativen. Das klassische Empfehlungsschreiben gewinnt dabei zunehmend an Freunde.

Was heißt das für Sie als Personaler? Um zwei Dinge kommen Sie nicht herum:

  1. Nach wie vor gilt: Zeugnis muss sein. Egal, ob Informationen über Bewerber oder ehemalige Mitarbeiter auch übers Internet bezogen werden können.
  2. Nach wie vor gilt auch: Das Zeugnis muss zumindest wohlwollend sein.

Da gibt es nun verschiedene Tricks. Sie können Ihre Unterschrift etwas unterhalb der Schreibzeile platzieren. Soll dann to whom it may concern signalisieren: Die Leistung des Mitarbeiters war unterirdisch.

Doch, mal ehrlich: Haben Sie das nötig? Sie hatten Streit mit einem Mitarbeiter? Begraben Sie den Streit. Von nichts bekommen Sie eher Magengeschwüre als von einem in eine unendliche Zukunft verlängerten Ärger.

Buchautor und Zeugnis-Experte Jürgen Hesse: „Racheaktionen bei der Zeugnisformulierung sind völlig unangebracht. Im Zweifel lieber für den Angeklagten, pardon, Beurteilten.“ Schreiben Sie ihm ein freundliches, wohlgesonnenes Zeugnis, nicht übertrieben, nicht untertrieben. Die Zeit wird geschlagene Wunden am schnellsten selbst heilen. Und vergessen Sie nicht: Man trifft sich immer zweimal im Leben.

Was können Sie daraus für sich schließen, wenn Sie ein Arbeitszeugnis eines Bewerbers lesen? Den Umkehrschluss: Nehmen Sie – auch Mobbing-Versuche zwischen den Zeilen – als das, was sie sind – aber nicht weiter zur Kenntnis! Sie sind Ausdruck eines Ärgers, der in die Zukunft verlängert werden soll. Mit diesem Ärger haben Sie eigentlich nichts zu schaffen. Der Aussteller eines Arbeitszeugnisses kannte Sie in den meisten Fällen nicht. Er wird also weder Ihnen noch Ihrem Unternehmen weder etwas Böses noch etwas Gutes wollen, wenn er ein Arbeitszeugnis so schreibt, wie er es geschrieben hat. Pflücken Sie sich die neutralen Informationen heraus, wie das französische Zeugnisrecht es vorschreibt: Was waren die Aufgaben des Bewerbers im vorangegangenen Betrieb? Von wann bis wann hat er sie täglich verrichtet? Gegen welche Entlohnung? Wie lange war er beschäftigt?

Schließlich: Was geben Sie einem Mitarbeiter mit auf den Weg, der sich im Ausland neuen Herausforderungen stellen möchte? Ein englisches oder US-amerikanisches Arbeitszeugnis ist weder rechtlich noch formell vorgeschrieben wie ein deutsches. Es heißt dementsprechend "letter of recommendation", "reference", "character reference" oder auch "testimonial".

  • Bleiben Sie im Ton konziliant empfehlend. Vermeiden Sie allgemein gültige erstarrte Formeln, schon gar nicht aus dem Deutschen adaptierte.
  • Fassen Sie ein Zeugnis für Ihren bisherigen Mitarbeiter auf Englisch ab. Nutzen Sie dabei nicht Englisch mit Bordmitteln, sondern lassen Sie Ihren Text professionell übersetzen.
  • Geben Sie Ihre Telefonnummer an, damit der neue Arbeitgeber, bei dem sich Ihr bisheriger Mitarbeiter bewirbt, bei Bedarf auch noch einmal persönlich mit Ihnen unterhalten kann. Ihr Mitarbeiter wird es Ihnen danken. Vergessen Sie nicht: Er geht in die weite Welt hinaus. Es könnte sein, dass er eines Tages mit reichem Wissen zurückkommt in Ihr Unternehmen.

Weitere Empfehlungen zur Abfassung eines attraktiven „letter of recommendation“ finden Sie unter www.e-fellows.net.

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