Brücke zwischen „Vorher“ und „Nachher“

2. Juni 2014

Elternzeit-Rückkehrer: Da haben die „lernenden Unternehmen“ noch mächtig Nachholbedarf. Denn mit der wachsenden Zahl von Arbeitnehmern, die diese Auszeit für die Familie in Anspruch nehmen, wächst auch die Aufgabe, diesen Prozess zu steuern und zu begleiten.

Personalabteilungen sehen sich einer neuen Herausforderung gegenübergestellt. War die Zahl der Verfahren einst übersichtlich und die Form weitgehend standardisiert, in denen es um die Integration von Mitarbeitern ging, die als Eltern ins Unternehmen zurückkehrten, so herrscht nun Vielfalt und Individualität. Die gewandelten gesetzlichen Regelungen zur Elternzeit haben das Spektrum der Optionen für die Mitarbeiter verbreitert und die zu berücksichtigten Aspekte vermehrt. Allein schon durch die Splittungsoption der Elternzeit sowie die dezidierte Einbeziehung der Väter sind umfangreichere Prozesse nötig geworden.

Kreativer Ansatz zur Fachkräfte-Problematik

Gerade kleinere und mittlere Unternehmen tun sich schwer damit, hier die Übersicht zu behalten und – wichtiger noch – die Gestaltungschancen zu erkennen, die sich für sie ergeben. Entgegen der Annahme, dass sich die neuen Regeln nur störend auf Planung und Prozesse auswirken, lassen sie sich kreativ nutzen, um im Zeichen von demografischem Wandel und Fachkräftemangel die Attraktivität des Arbeitgebers zu erhöhen.

Hilfe erhalten die Betriebe hier zum Beispiel von den Handwerkskammern sowie den Industrie- und Handelskammern – und das in doppelter Form. Auf der einen Seite sind dort Experten vorhanden, die bei der Umsetzung der Gesetze und Vorschriften beraten. Dazu werden inzwischen auch eine Reihe von Seminaren und Schulungen angeboten, in denen dieses Basiswissen den Personalverantwortlichen vermittelt wird. Wobei die Kammern, ebenso wie die Agentur für Arbeit, den Großteil ihrer entsprechenden Kapazitäten auf Menschen ausrichtet, die nach einem Zeitraum in die geregelte Berufstätigkeit zurückkehren wollen, der länger ist als die gesetzliche Elternzeit.

Aktualisierung des Fachwissens dringend nötig

Noch wertvoller für Unternehmen wie Rückkehrer sind die Schulungsangebote, die ein „Update“ für den Wiedereinstieg am alten Arbeitsplatz bieten. Im Zuge ihrer hoheitlichen Funktion beim Prüfen und Bestätigen beruflicher Qualifikationen haben die Kammern hier für zahlreiche Berufsbilder Zusatz- oder Nachschulungen entwickelt, die eine Brücke schlagen zwischen altem und neuem Wissen.

Insbesondere bei Arbeitsplätzen mit hoher IT-Affinität sind angesichts des raschen Wandels in der Software- und Anwendungswelt solche Angebote dringend nötig, um überhaupt wieder zu einer produktiven Mitarbeit zu gelangen. Gerade in diesem fachlichen Umfeld besteht auch ein sehr breites Programm seitens privater Anbieter, die sich oft auf bestimmte Regionen oder Branchen konzentrieren.

Neue Berufsbilder für Rückkehrer

Vor dem Hintergrund der gewandelten Anforderungen und der aufzufrischenden Qualitäten sind zum Teil auch ganz neue Berufsbilder entstanden, in denen sich fachliche Erfahrung und „erzieherisches Talent“ verbinden, etwa „Teamassistent/in“. Hier ist allerdings darauf zu achten, dass die dafür vorgesehenen Personen auch über das nötige kommunikative und organisatorische Talent verfügen. Hier sollten Personalverantwortliche schon frühzeitig, im Vorfeld einer eventuellen Elternschaft, die Augen offen halten, um später zielgerichtet die Weichen zu stellen.

Wie überhaupt das gute alte Vorsorgeprinzip sich auch bei dieser Aufgabe auszahlt. Denn eine der mit entsprechenden Nach- und Neuschulungen verbundenen Erkenntnisse lautet: Je enger der Kontakt zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer während der Zeit der Abwesenheit ist, desto leichter lässt sich das „Nachher“ an das „Vorher“ anknüpfen.

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