CSR: Soziales Engagement ist "Ehrensache"

31. März 2010

Rund 23 Millionen Menschen engagieren sich in Deutschland in ihrer Freizeit für soziale und gesellschaftliche Zwecke. Und viele Firmen fördern tatkräftig das Engagement ihrer Mitarbeiter.

Ein Kindergarten will seinen Spielplatz erweitern. Die Telefonseelsorge möchte einen Flyer drucken. Der Tierschutzverein braucht ein neues Gehege. Was solche Projekte gemeinsam haben? Sie funktionieren nicht ohne ehrenamtliches Engagement. Helfende Hände werden überall gebraucht: Bei der Betreuung von alten Menschen oder Kindern, im Umwelt-, Natur- und Tierschutz. Aber wer weiß schon immer so genau, wie seine speziellen Talente wo gesucht und am besten eingesetzt werden? Immer mehr Firmen helfen ihren Mitarbeitern zu helfen, indem sie Angebot und Nachfrage koordinieren und manchmal auch für finanzielle Unterstützung sorgen.

Warum aber zeigen Firmen beim Thema Ehrenamt so entschieden Flagge? Claudia Bremer, die Projektleiterin von RWE Companius, beantwortet die Frage nach dem Nutzen so: „Ehrenamtliches Engagement ist bei uns alles andere als nur ein Mittel zum Imagegewinn, sondern ein sehr wichtiger Teil unserer Nachhaltigkeitsstrategie, dem im Unternehmen große Bedeutung zukommt.“ RWE Companius, das ist eine unternehmensweite Initiative des Essener Energiekonzerns. 2007 gegründet, fördert sie zahlreiche Projekte aus den Bereichen Bildung und Erziehung, Soziales, Kultur, Sport, Energie sowie Umwelt- und Naturschutz, und zwar mit einem sehr durchdachten System und nach feststehenden Regeln.

„Die Voraussetzung für eine Förderung ist der persönliche Einsatz eines RWE-Mitarbeiters bei der Projektorganisation und der Umsetzung“, schildert Claudia Bremer das Vorgehen. Aber: Auch Menschen, die nicht bei dem Energieversorger beschäftigt sind, oder externe Initiativen können sich bei RWE Companius melden und ein Projekt anregen. Sie müssen nur einen Paten im Konzern finden, der sich ihrer Sache annimmt und sich an der Umsetzung selbst beteiligt. Dann ist grundsätzlich eine Förderung in Höhe von zwischen 500 und 2.000 Euro möglich. Dafür müssen die erbrachten Leistungen und ihre Verwendung nachgewiesen und die Erfolge nach Projektabschluss dokumentiert werden.

Um die Vielzahl der Vorhaben zu koordinieren, gibt es im Firmenintranet sowie im Internet eine Datenbank. Darin können sich die Mitarbeiter einen allgemeinen Überblick verschaffen, aber auch nach konkreten Angeboten oder Partnern suchen. „Wer hier nicht fündig wird, muss nicht gleich aufgeben“, ermuntert die Projektleiterin. Denn als Service wird von RWE Companius häufig ein Projekt organisiert, das zum Profil des jeweiligen Mitarbeiters und seiner speziellen Kompetenz passt.

Teambildung hilft Helfen

„Individuelle Unterstützung bieten wir auch ganzen Abteilungen an, die Teambildungsmaßnahmen zur Stärkung der sozialen Kompetenz am Arbeitsplatz mit ehrenamtlichem Engagement verbinden wollen“, so Claudia Bremer. Ein Beispiel: Statt zum üblichen Betriebsausflug rückte die RWE Rechtsabteilung letztes Jahr mit 32 Beschäftigten zum Arbeitsein­satz in der Essener Kindertagesstätte „Unsere kleine Farm“ aus und verschönerte mit Farbe und Spaten Haus und Garten.

Rund 4.000 Projekte sind seit Bestehen von RWE Companius so schon zustande gekommen und gefördert worden. Davon allein 2.289 im Jahr 2009. „Beteiligt sind alle Mitarbeiter und Altersgruppen, Frauen wie Männer“, sagt Claudia Bremer auf die Frage, ob es signifikante Unterschiede beim Engagement gibt. „Wo sich jemand wie einsetzt, hat immer viel mit persönlichen Erfahrungen, Interessen und Kompetenzen und der eigenen Lebenssituation zu tun.“

RWE Companius unterstützt als Projektpartner auch eine Initiative der Bertelsmann Stiftung mit dem Titel „Gute Geschäfte“. Dahinter verbirgt sich ein Konzept für soziale Marktplätze, das gerade für kleine und mittelständische Unternehmen interessant ist, die sich für ehrenamtliches Engagement interessieren. Das Konzept wurde aus den Niederlanden übernommen und seit dem Jahr 2006 in Deutschland umgesetzt. Bis zum Herbst des vergangenen Jahres zählt eine Evaluation im Auftrag der Bertelsmann Stiftung rund 70 solcher Marktplätze bundesweit und rund 3.500 Kooperationen zwischen Unternehmen und Organisationen, die so zustande gekommen sind. 

Marktplätze für den Mittelstand

Wenn sich ein blau-weiß gestreiftes Zebra und ein Baumhaus auf einer Veranstaltung treffen, dann kann das nur der RUHRDAX sein. Unter dem eingängigen Titel treffen sich im Oktober 2010 zum fünften Mal Unternehmen der Ruhrregion mit Organisationen zu einem sozialen Marktplatz. Organisiert und koordiniert wird der RUHRDAX von der Servicestelle Netzwerk Ruhrgebiet in Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern. „Im vergangenen Jahr haben sich so viele Unternehmen beteiligt wie noch nie – insgesamt 73“, zählt Koordinator Dr. Jörg Ernst auf. Das waren sogar mehr als Nachfrager nach ehrenamtlichen Leistungen, die „nur“ mit 67 vertreten waren.

Rund anderthalb Stunden haben beide Seiten auf der Kontaktbörse Zeit, sich auszutauschen und Angebot und Nachfrage zusammenzubringen, so die Spielregeln. Geld fließt keines, gesucht und geboten werden ausschließlich Dienstleistungen aller Art. Ein „klassisches“ Beispiel: WAZ-Druck unterstützte den Essener Verein Palette e. V., der sich um psychisch erkrankte Menschen kümmert, mit dem kostenlosen Druck von 5.000 Flyern.

Der Phantasie sind auf den Ehrenamtsmarktplätzen keine Grenzen gesetzt, der Zeit sehr wohl. Deshalb werden Anbieter und Nachfrager vorab mit den Regularien vertraut gemacht, die Veranstaltung wird moderiert und „Makler“ helfen, zusammenzubringen, was zusammengehört. Dabei kann die Stimmung durchaus fröhlich und das Treiben bunt sein – das tut der Ernsthaftigkeit der Anliegen keinen Abbruch. Warum die Nachfrage von Unternehmen bei dieser Veranstaltung so groß ist? „Schneller, einfacher, besser können gerade kleine und mittelständische Firmen ihr Engagement nicht anbieten und passende Interessenten finden“, glaubt Ernst. „Deshalb ist ja bei uns auch der Bundesverband mittelständische Wirtschaft als Kooperationspartner mit im Boot.“

Ohne großen organisatorischen Aufwand werden bei solchen Marktplätzen wie dem RUHRDAX Kontakte geknüpft und Vereinbarungen zur Hilfe geschlossen. „Für so manches kleine Unternehmen ist das ganz sicher auch eine gute Möglichkeit, Referenzen zu erwerben und Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben“, weiß Ernst. „Schließlich sorgen wir ja auch für ein gutes Medienecho.“

Gute Geschäfte – Marktplatz für Unternehmen und Gemeinnützige, Evaluation im Auftrag der Bertelsmann Stiftung www.gute-geschaefte.org Ein gutes Beispiel für einen Marktplatz der ehrenamtlichen Möglichkeiten ist die Veranstaltung RUHRDAX. Alle Informationen unter http://www.ruhrdax.de und beim Centrum für bürgerschaftliches Engagement

Ehrenamt geplant?
Helfen will organisiert sein. Überlegen Sie genau, wie Sie am besten vorgehen, damit Ihre Hilfe auch da ankommt, wo sie benötigt wird. Einen guten Überblick bietet eine Anleitung von: „Kölner Unternehmen engagieren sich“ http://www.stadt-koeln.de/mediaasset/content/pdf01/ehrenamt/4.pdf" Beratend stehen Ihnen in fast jeder Stadt Ehrenamts- oder Freiwilligenagenturen zur Seite. Auch auf Bundesländerebene gibt es Internet-Portale zum Thema Ehrenamt.

investor relations