Dienstfahrzeuge auf neuem Kurs

10. Februar 2016

Geschäftliche und private Nutzung von Dienstwagen sind zunehmend von Umweltfragen beeinflusst. Benefits für Mitarbeiter unterliegen dem gesellschaftlichen Wandel.

„PS statt Gehaltserhöhung“ – Schlagzeilen wie diese waren vor wenigen Jahren noch eine smarte Anregung für Führungskräfte, wie sich vielversprechende Talente in ihrem Team motivieren lassen. Mit dem Dienstwagen als Benefit, so die Botschaft, kommt die Leistungskraft erst richtig ins Rollen.

Motoren verlieren an Zugkraft

Der Lockruf der starken Motoren dürfte allerdings in absehbarer Zeit seinen Wohlklang verlieren. Dazu tragen mehrere Faktoren bei. Unternehmen, die sich Umweltschutz auf die Fahne geschrieben haben, werden bei der Bestückung ihrer Fahrzeugflotte nicht mehr daran vorbeikommen, ökologisch vorteilhafte Modelle zu bevorzugen.

„Fahrschein“ vom Controlling

Wobei deshalb große und leistungsstarke Limousinen nicht automatisch auf dem Abstellplatz geparkt werden müssen. Es wird auf absehbarer Zeit ausreichend Bedarf für Dienstfahrten geben, bei denen Führungskräfte oder Spezialisten auf mobile Arbeitsplätze mit Komfort und Power angewiesen sind. Diese Nutzung jedoch wird verstärkt Planung und Controlling unterliegen, weniger persönlichen Vorlieben.

Frage der Glaubwürdigkeit

Spitzenkräfte indes müssen sich bei den gewählten Dienstfahrzeugen inzwischen häufig Glaubwürdigkeits-Fragen stellen. Die in Umweltfragen oft unangenehm hartnäckige Deutsche Umwelthilfe (DUH) prangert schon jetzt in ihren regelmäßigen Dienstwagen-Checks einen zu sorglosen Umgang mit Verbrauch und Emissionen an. Sie macht dabei auch nicht vor Bischöfen Halt. Stichtag ist jeweils der Nikolaustag.

Papst auf dem Fahrrad

Süffisant reiht die DUH das Thema in die Wertediskussion ein. In ihrer Pressemitteilung schrieb sie 2014: „Papst Franziskus hatte bereits vor über einem Jahr angehenden Priestern gesagt: „Mir tut es weh, wenn ich einen Priester oder eine Schwester mit dem neuesten Automodell sehe: Das geht doch nicht!“ Das Fahrrad sei ein angemessenes Fortbewegungsmittel. Wenn es denn ein Auto sein müsse, dann doch bitte ein bescheidenes Modell.“

Carsharing als Option

Darüber hinaus spielen auch veränderte Nutzungskonzepte eine Rolle. Statt eine feste Flotte an Fahrzeugen vorzuhalten, schließen Unternehmen gern auch Verträge mit einem Carsharing-Anbieter ab. Das senkt die Fixkosten und erleichtert eine anlassbezogene Abrechnung für die Firma genauso wie für einen Mitarbeiter, der ein Fahrzeug privat nutzen möchte. Denn anders als bei herkömmlichen Dienstfahrzeugen gibt es keinen Besitz mehr zu versteuern (1%-Regel), sondern nur einen eventuellen geldwerten Vorteil für die Mitarbeiter.

Steuerliche Fragen

Noch günstiger fällt, betrieblich wie fiskalisch, die Rechnung aus, wenn statt der Autos Dienstfahrzeuge mit alternativem Antrieb zum Zuge kommen. Schon wegen des geringeren Anschaffungspreises fallen bei E-Bikes und Fahrrädern die steuerpflichtigen Grundkosten niedriger aus. Was die Umweltbilanz des Unternehmens angeht, stehen diese Mobile auf jeden Fall auf der Habenseite.

Gewandeltes Umweltbewusstsein

Dies gilt gerade mit Blick auf nachwachsende Fach- und Führungskräfte. Seit Jahren sinkt der Anteil der jungen Männer und Frauen in ihrer jeweiligen Altersgruppe, die noch einen Führerschein erwerben. Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Matthias Gastel hat zum Beispiel entsprechende Zahlen für die Autoregion Stuttgart recherchiert. Betrug der Anteil der unter 21-Jährigen, die einen Führerschein erhielten, im Jahr 2004 landesweit noch 30 Prozent, so sank er auf 23 Prozent im Jahr 2012.

Veränderte Motivationskraft

Die urban geprägten Generationen verlassen sich lieber auf den Öffentlichen Nah- und Fernverkehr, auf unmotorisierte Fahrzeuge und auf die Optionen einer verstärkt genutzten Telekommunikation zur Überbrückung von Distanzen. Sie werden mit einem Auto als Incentive nur noch eingeschränkt zu gewinnen und zu motivieren sein.

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