E-Mail, ausgerechnet!

Wer prüft eigentlich nach, was eine E-Mail bewirkt? Und welche Kosten verursacht sie? Ulrich Pfaffenberger macht sich in seiner Glosse Gedanken darüber.

Seit Pressemitteilungen nicht mehr per Briefpost oder per Fax versandt werden, sondern deutlich kostengünstiger per E-Mail, hat sich ihre Anzahl dramatisch vervielfacht. Gäbe es nicht den Löschbutton, sprengte das Aufkommen einer Woche bei einer ganz normalen Redaktion regelmäßig den Speicher im Arbeitsplatzrechner.

Wo bleibt das Controlling?

Indirekt bestätigt wurde das dieser Tage durch eine Pressemitteilung (!) mit der Überschrift „Studie: Nur jedes zweite Unternehmen misst den Erfolg seiner E-Mail Kommunikation“. Für den Empfänger Anlass genug, über Controlling nachzudenken. Zum einen in eigener Sache: Wer schickt mir eigentlich brauchbare Pressemitteilungen? Zum anderen in fremder Sache: Gibt es bei den Absender eigentlich keinen, der in Sachen E-Mail eine Kostenrechnung betreibt? 

Während sich die Gedanken noch hin und her und übereinander wälzen (Löschbutton!), springt einer von ihnen in die Meta-Ebene: Das ist doch nicht nur bei den E-Mails nach draußen so. Das gilt doch noch viel mehr bei den internen Mails. Wer misst eigentlich da den Erfolg?

Kommt der Feedback-Button?

Sofort geht der unerhörte Gedanke cc: ans Großhirn – und legt es lahm. Vor allem die irrwitzige Vorstellung, es gäbe einen Mail-Bewertungs-Button, der zentral ins ERP-System den Nutzen jedes elektronischen Kommunikationsvorgangs rückmeldet, bringt die Synapsen zum Beben.

Bevor nun eine große Recherche nach erkenntnis- und controllingreichen Unternehmen beginnt, die durch Vorschrift von oben Mail-freie Zeiten und Zonen definiert haben, bricht sich eine anarchische Idee Bahn: Warum eigentlich stellen die Empfänger dem Absender von E-Mails nicht die Lese- und Löschzeiten in Rechnung? Damit dürfte sich über kurz oder lang das Abteilungsbudget drastisch nach unten regulieren lassen. Vor allem dann, wenn man selbst (Kostenbewusstsein!) das eigene Versandverhalten rigide einbremst. 

Ja? Nein? Drüber schlafen?

Vielleicht findet sich ja ein(e) Programmierer(in), der ein kleines Pop-up-Fenster programmiert, das sich vor jedem Mail-Versand öffnet: „Ihre Mail ist jetzt bereit zum Versand. Die daraus resultierenden Kosten belaufen sich auf 11,99362398423 Fantastillarden Euro, für die Sie die Verantwortung übernehmen. Wollen Sie versenden? Dann klicken Sie auf „Ja“.“ Die Frau, der Mann hätte den Friedens- UND den Wirtschafts-Nobelpreis verdient.