Geschäftsreisen sind kein Spaß

12. Oktober 2017

Wenn Mitarbeiter im Dienst der Firma auf Reisen gehen, kommt es auf die professionelle Begleitung durch den Arbeitgeber an. Mehr denn je sind hier Vorsorge und Fürsorge gefragt.

Geschäftsreisen machen keinen Spaß
  • Wachsendes Gefahrenbewusstsein für Auslandsreisen bei Mitarbeitern und deren Angehörigen
  • Viele Unternehmen sind bei Gesundheits- und Sicherheitsthemen nicht ausreichend vorbereitet
  • Reisende Mitarbeiter wünschen aktive Vorbereitung und Vorsorge durch ihren Arbeitgeber

Nicht nur Waren gehen im Zug der Globalisierung in wachsender Zahl auf Reisen, auch für Mitarbeiter von Unternehmen heißt es nun häufiger „Koffer packen“. Ob sie zu einem Kunden- oder Partnerunternehmen im Ausland entsandt werden, ob sie jenseits der Grenzen eine neue Niederlassung aufbauen oder ob sie in einer bestehenden Repräsentanz die Fahne der Firma hochhalten: Es ist Aufgabe ihres Arbeitgebers, die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen und die Reise mit allen erforderlichen Maßnahmen zu begleiten.

Defizite bei der Vorsorge

„Die medizinische Vorsorge für reisende Mitarbeiter kommt dabei häufig zu kurz“, warnt das CRM Centrum für Reisemedizin. Gemeinsam mit dem weltweit aktiven Spezialisten International SOS hat man sich dort zum Ziel gesetzt, für mehr Aufklärung und Sensibilisierung auf diesem Gebiet zu sorgen. Das CRM liefert nicht nur reisemedizinische Beratung für Geschäftsreisende, die immer an der aktuellen Weltseuchenlage orientiert ist. Mit dem Standardwerk „Gesund auf Geschäftsreisen“ für Arbeits- und Betriebsmediziner, Personalabteilungen und beruflich Reisende gibt es auch das umfassendste Handbuch zum Thema heraus.

Mehr Prävention gefordert

„Die Gesundheit und Sicherheit der Mitarbeiter auf Reisen ist Teil der Verantwortlichkeit der Unternehmen. Häufig werden die reisemedizinischen und arbeitsrechtlichen Aspekte von beruflichen Auslandsaufenthalten jedoch nicht beachtet", erläutert Professor Dr. med. Tomas Jelinek, Wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrum für Reisemedizin.“ Dr. Stefan Eßer, M.P.H., Ärztlicher Leiter von International SOS, betont die Relevanz der Präventionsarbeit im Sinne der Gesundheit der Mitarbeiter: „Die Anzahl der Geschäftsreisen steigt jedes Jahr. Damit sollte auch das Bewusstsein in jedem international agierenden Unternehmen steigen. Präventionsmaßnahmen vor der Abreise sind festzulegen ebenso wie Sicherheitsmaßnahmen während einer Reise.“

Ahnungslos in Notsituationen

Derzeit klafft noch eine große Lücke zwischen der Pflicht, Mitarbeiter verlässlich auf Geschäftsreise zu begleiten, und ihrer Erfüllung in der Realität. Jeder zweite Geschäftsreisende in Deutschland (52 Prozent) weiß zum Beispiel laut einer aktuellen, repräsentativen Studie nicht, wer auf Arbeitgeberseite im Falle einer Notsituation kontaktiert werden sollte. Zu diesem Ergebnis kommt die SAP-Tochter Concur, führender Anbieter von integrierten Lösungen für das Geschäftsreisemanagement. Ursachen dafür gibt es mehrere: 45 Prozent der Großunternehmen hat den Arbeitnehmern zufolge für Krisensituationen keine klaren Prozesse definiert. Bei kleinen oder mittelständischen Firmen sind es sogar 57 Prozent. Knapp zwei Drittel (61 Prozent) dieser Arbeitnehmer ohne definierten Prozess würde im Krisenfall den Chef oder Kollegen um Hilfe bitten, 28 Prozent würden auf Selbsthilfe setzen, gut jeder Zehnte (11 Prozent) hingegen Freunde oder die Familie kontaktieren.

Angehörige machen sich Sorgen

Die Studie macht Handlungsbedarf dort deutlich, wo das Beziehungsgeflecht zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer über „Employer Branding“ und „Wellbeing am Arbeitsplatz“ hinausgeht. Bei der Fürsorgepflicht „besteht Nachholbedarf, denn 52 Prozent der Geschäftsreisenden sorgen sich aufgrund negativer Schlagzeilen vermehrt um Gefahren“, warnt Concur. Weil die aktuelle Berichterstattung über weltweite Gefahrenlagen jeden zweiten Geschäftsreisenden oder dessen Umfeld beeinflusst, müssten Firmen diesen Aspekt aktiv angehen: In jedem vierten Fall sind Angehörige zunehmend beunruhigt. 19 Prozent der Befragten sorgen sich um die eigene Sicherheit oder die der Kollegen, reisen aber unvermindert oft. In 15 Prozent der Fälle hat das Unternehmen reagiert und Reisen in bestimmte Regionen eingeschränkt oder in Lösungen für das Risikomanagement investiert.

Zuverlässigen Kontakt aufrechterhalten

„Angesichts vielfältiger globaler Gefahrenlagen und einer zunehmenden Anzahl an Geschäftsreisen, müssen Unternehmen zuverlässig wissen, wo sich ihre Mitarbeiter aufhalten. Nur so können sie ihrer Fürsorgepflicht im Krisenfall nachkommen“, sagt Götz Reinhardt, Managing Director EMEA Central bei Concur. „Wichtig ist aber auch die Kommunikation. Unternehmen sollten sicherstellen, dass sie ihre Mitarbeiter auch dann noch zuverlässig erreichen können, wenn beispielsweise Mobilfunknetze zusammenbrechen.“ Er sieht außerdem Informationsbedarf bei den Mitarbeitern: „So hat unsere Studie gezeigt, dass nur jeder fünfte Arbeitnehmer sowohl von einer Fürsorgepflicht weiß, als auch proaktiv von seinem Unternehmen über entsprechende Prozesse und Lösungen informiert wurde. Auch hier sollten Unternehmen aktiv werden und Aufklärungsarbeit leisten.“

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