Gesunde Führung, gesundes Team

21. Juni 2016

Achtsamkeit für sich selbst und für die Mitarbeiter verhindert Belastungen für die Gesundheit am Arbeitsplatz – so eine Konferenz über „Mindful Leadership“.

  • Die Organisationskultur eines Unternehmens beeinflusst Fitness und Gesundheit aller Mitarbeiter direkt.
  • Als neues tragendes Element für Füåhrung in einem gesunden Unternehmen gewinnt die “Achtsamkeit” an Bedeutung.
  • Gesunde Führung braucht Führungskräfte, denen seitens der Organisation der Rücken gestärkt und freigehalten wird.

Welchen Stellenwert hat das Thema Gesundheit in einem Unternehmen? Was macht gesunde Führung aus? Ist Achtsamkeit nur etwas für Esoteriker? Um Fragen wie diese drehte sich die Mindful Leadership Konferenz: Führung und Gesundheit – Wege zu einer neuen Organisationskultur an der Universität Witten/Herdecke (UW/H) im April 2016. Eines der zentralen Ergebnisse auf dem Wittener Campus: Einfühlungsvermögen ist neben Organisationsgeschick und fachlicher Expertise eine wichtige Eigenschaft von Führungskräften, die heute oft unter hohem Druck stehen. Wenn das Arbeitspensum nicht mehr als spannende persönliche Herausforderung, sondern als Belastung empfunden wird, lassen gesundheitliche Probleme nicht lange auf sich warten. „Wer sich nicht selbst zu führen versteht, kann auch andere nicht führen.“ Dieses Zitat von Alfred Herrhausen, Gründungsmitglied der UW/H ist nach wie vor aktuell.

Organisationskultur beeinflusst Gesundheit

Prof. Dr. Bernhard Badura, einer der einflussreichsten Forscher zum Thema Gesundheitsmanagement, untermauerte in seinem Beitrag den Zusammenhang zwischen der Organisationskultur eines Unternehmens und der Gesundheit der Mitarbeiter. In Betrieben, in denen beispielsweise Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine starke emotionale Bindung artikulieren, gibt es weniger Fehlzeiten. Soziale Akzeptanz wirke sich auf die Produktivität aus. Badura warnte zugleich vor einem allgemeinen Trend, Arbeit stets mit Stress gleichzusetzen. Denn Arbeit habe für den Menschen eine grundsätzlich sinnstiftende Funktion.

Lernen aus Konflikten

Welche Bedeutung Sprache im Führungsverhalten einnimmt, stellte Dr. Gunther Schmidt anschaulich dar. Der Leiter des Heidelberger Milton-Erickson-Instituts berichtete über seine langjährige therapeutische Tätigkeit. Konflikte ließen sich auch als „interessante Begegnung unterschiedlicher Positionen“ verstehen. Und demjenigen, der einen Fehler eingestehe, müsse gedankt werden, weil er Lernprozesse in Gang bringe.

Verbesserungspotential bei Selbstführung

Prof. Dr. Marcel Hülsbeck und Dr. Hannah Möltner stellten die Ergebnisse der eigens für die Konferenz durchgeführten Studie, des Zentrum Fort- und Weiterbildung der UW/H zu gesunder Führung vor. Dass in der gesunden Selbstführung noch deutliches Verbesserungspotential steckt, zeigen die Ergebnisse der Befragung von über 200 Führungskräften. „Wenn Sie gesunde Führung fördern wollen, benötigen Sie Organisationen, die ihren Führungskräften den Rücken stärken und Menschen an der Spitze, für die Achtsamkeit kein Fremdwort ist“, so fasst Dr. Hannah Möltner die Studie zusammen.

Wachsende Nachfrage

Robert Weller vom Kreisklinikum Siegen berichtete von der Entwicklung eines aktiven Gesundheitsmanagements im Zusammenhang mit der Veränderung der Organisationskultur. Wie ein weltweit agierendes Unternehmen die positiven Effekte von Achtsamkeitstrainings für sich entdeckte, wurde durch den Vortrag von Peter Bostelmann, Wirtschaftsingenieur und Gründer der „Global Mindfulness Practice“ bei SAP deutlich. In allen Niederlassungen erfreuen sich diese Angebote bei den Mitarbeitern höchster Beliebtheit. Die Wartelisten für Meditationskurse und Trainings seien lang.

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