Gute Stellenanzeigen lassen die Uniform im Schrank

Sie soll kurz, präzise und aussagekräftig sein - die Anzeige, mit der ein Unternehmen um neue Mitarbeiter wirbt. Nicht immer eine leichte Aufgabe.

Stellenanzeigen sind oft uniform

Altenpfleger gesucht, Mitarbeiter für den Vertriebsinnendienst, Rohstoffeinkäufer, Fachkraft für Lagerlogistik – einige tausend Stellenangebote umfasst allein die Randstad Jobbörse im Internet, in der Unternehmen kostenfrei ihre Annonce aufgeben und Interessenten nach ihrem Traumjob suchen können. Besonders qualifizierte Fachkräfte werden heute wieder dringend benötigt und informieren sich auf vielerlei Weise über das Angebot auf dem Arbeitsmarkt – auch, indem sie Stellenanzeigen lesen. Warum aber spricht das eine Inserat den Bewerber an, das andere nicht?

Relevant sind zum einen die Fakten wie Aufgabenbeschreibung, Beschäftigungsort oder Vergütung. Aber eine Stellenanzeige muss noch viel mehr bieten, wie Kurt Schaffner weiß. Der Düsseldorfer Unternehmensberater und Inhaber der Firma KS Führung & Management hat langjährige Erfahrung als Personalleiter, Leiter Personalentwicklung und Interimsmanager, aber auch als Coach und Trainer. Am Anfang steht für ihn immer die Frage: „Wollen Sie möglichst viele Bewerber oder gleich den richtigen?“ Und wer den zweiten Teil der Frage bejaht, tut gut daran, möglichst planvoll und effizient vorzugehen. Das fängt mit grundsätzlichen Vorüberlegungen an.

Zum Beispiel: Welche Abteilung hat die Vakanz gemeldet, wer ist bei der Entscheidung mit einzubeziehen, bis wann sollte die Stelle besetzt sein, welches Budget steht für die Rekrutierung zur Verfügung und welche Suchwege sollen beschritten werden? „Auf einem sehr begrenzten Platz, der ja bei einer Anzeige nur zur Verfügung steht, muss jedes Wort gut überlegt sein“, rät der Experte. „Ehrlichkeit bei der Selbstdarstellung und Stellenbeschreibung gegenüber dem Bewerber“, hält er für das Wichtigste. „Das erspart Missverständnisse und damit Zeit und Enttäuschung auf beiden Seiten.“

Alles gleich, alles irgendwie uniform? Beim Lesen von Jobinseraten könnte so mancher Bewerber wohl glauben, die Firmen hätten einander beim Texten einfach nur kopiert und dabei lediglich die gesuchte Berufsbezeichnung ausgetauscht. Dabei gibt es keine Regeln oder Vorschriften, wie eine Annonce auszusehen hat. Nur das „Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz“ (AGG) muss beachtet werden. Darin ist verankert, dass bei der Ausschreibung einer offenen Stelle weder Rasse, ethnische Herkunft, Geschlecht, Religion, Behinderung noch Alter eine Rolle spielen dürfen. Einzige, aber wichtige Regel in den Augen des Personalexperten aus Düsseldorf: „Einfach und verständlich formulieren, präzise, prägnant und stimulierend.“

In Stellenanzeigen ist der Mut zum Ungewöhnlichen selten, zahlt sich aber aus.

Wer als Unternehmen gefunden und beachtet werden will, tut gut daran, sich zu überlegen, wie er sich als Unternehmen mit seiner Stellenanzeige von den anderen Inseraten abhebt. Deshalb ist auch ein „Eyecatcher“ beim Einstieg so wichtig, um die Aufmerksamkeit des Lesers überhaupt auf sich zu ziehen. „Ich würde mir wünschen, mehr Firmen hätten dabei Mut zu Ungewöhnlichem“, so Schaffner.

In den wenigen Sätzen eines Inserates sagt die Firma viel über sich als Arbeitgeber aus, deshalb gehört quasi jedes Wort auf die Goldwaage. Schließlich ist eine Stellenanzeige dabei pures Employer Branding. Und nach dem alten Grundsatz, dass Bewerben auch immer mit Werben zu tun hat, geht es darum, sich selbst als attraktiv und überzeugend darzustellen. Dabei kann, je nach Firmenphilosophie, die Selbstdarstellung eher konservativ oder mehr progressiv ausfallen. Nur eines sollte sie nicht verwenden: Worthülsen, die auch in beliebigen anderen Inseraten auftauchen.

Gefragt sind dafür Hintergrundinformationen, wie etwa Zugehörigkeit zu einem Konzern. Oder Informationen zur Branche, zu relevanten Märkten, Zukunftsperspektiven und Visionen des Unternehmens. „Nicht zu vergessen ist auch der Grund, warum die Stelle besetzt wird“, erinnert Kurt Schaffner. „Steht etwa eine Expansion dahinter, dann verrät das schon viel über den Status des Unternehmens.“ In dem Zusammenhang stellt sich gerade bei jüngeren Bewerbern auch die Frage nach möglichen Weiterbildungs- und Aufstiegschancen, die in dem Stellenangebot beantwortet werden sollte.

Und last but not least: Welche Leistungen bietet die Firma? Keine unwichtige Frage bei der Entscheidung, ob sich nun eine Bewerbung lohnt oder nicht. Neben der eigentlichen Aufgabe und dem Gehalt sind Angaben über Zusatzleistungen wie betriebliche Altersversorgung, Kantine, flexible Arbeitszeitangebote, Dienstwagen oder Betriebskindergarten durchaus interessant und können als Zünglein an der Waage fungieren. Auch diese Frage spielt beim Formulieren eine wichtige Rolle: Welche Zielgruppe soll angesprochen werden? „Nach einem Bilanzbuchhalter suche ich anders, als nach einem Marketingleiter“, weiß Kurt Schaffner. Hier gilt der Grundsatz: zielgruppenadäquat texten, um bei Interessenten zu punkten.

Wer nicht richtig fordert, bekommt die falschen Bewerbungen.

Schließlich kommt noch der Teil der Annonce, den viele Personalchefs als den wichtigsten ansehen: Die Qualifikation des Bewerbers. Hier gibt es häufig Missverständnisse. Muss ein Controller denn wirklich perfekte Fremdsprachenkenntnisse mitbringen und der Buchhalter Teamfähigkeit, oder sind das doch nur wieder oft verwendete Floskeln? Welche fachlichen und methodischen Kompetenzen sind tatsächlich erforderlich, wo gibt es Alternativen? Erfordert die Stelle besondere persönliche und soziale Kompetenzen und wenn ja, wie sollen die aussehen?

Und schließlich: Auf welchem Weg soll die Bewerbung eingereicht werden, an wen ist sie zu richten und welche Unterlagen werden gefordert? „Stellenanzeigen zu formulieren ist trotz der Kürze des Textes keine einfache Aufgabe“, schätzt Kurt Schaffner ein, „deshalb ist es allemal sinnvoll, vorab ein ausführliches Konzept zu erstellen und dann kritisch zu reflektieren, ob der Text sowohl den eigenen Anforderungen genügt, als auch attraktiv für einen Bewerber ist.“

Genau bei dieser schwierigen Aufgabe will auch die Randstad Jobbörse Unternehmen unterstützen. Denn sie bietet Arbeitgebern mehr als nur die Möglichkeit, offene Stellen kostenlos im Netz zu präsentieren. Ein Online-Formular in der Stellenbörse fragt beim Ausfüllen die wichtigsten Informationen ab und hilft so dabei, den Text von vorneherein sinnvoll zu strukturieren.

Checkliste für Stellenanzeigen
Bei der Gestaltung sollten Sie diese Kriterien beachten:

– Vorüberlegungen: Welche Abteilung hat die Vakanz gemeldet und wer ist einzubeziehen? Bis wann muss die Stelle besetzt sein? Welche Suchwege sollen in welcher Reihenfolge beschritten werden? Wo erfolgt die administrative Bearbeitung?

– Angaben zum Unternehmen: Unternehmensgröße und Mitarbeiterzahl? Lage des Unternehmens/ Region? Branche und relevante Märkte? Welche Produkte oder Dienstleistungen werden angeboten?

– Stellenanforderungen: Befristete Position, Dauerstelle, Aushilfstätigkeit? Exakte Bezeichnung der Tätigkeit? Welche Haupt- und Nebenaufgaben? Besondere Befugnisse oder Vollmachten? Besondere Anforderungen oder Arbeitsumgebung?

– Qualifikation des Bewerbers: Welche fachlichen Kompetenzen sind notwendig? Welcher Schulabschluss? Welche Studien- oder Weiterbildungsabschlüsse und Alternativen? Welche Sprachkenntnisse? Welche methodischen, persönlichen und sozialen Kompetenzen sind erwünscht?

Quelle: Kurt Schaffner, KS Führung & Management