Herz zeigen, Köpfe gewinnen

24. April 2013

Art, Weise und Umfang, mit denen Unternehmen zum Wohl eines Gemeinwesens beitragen, werden in zunehmendem Maß zum Kriterium ihrer Attraktivität für Arbeitnehmer. Gerade wenn Betriebe über das „Corporate Volunteering“ ehrenamtliche Arbeit unterstützen, sind sie auf einem guten Weg, die Glaubwürdigkeit ihrer CSR zu verstärken.

Die Möglichkeiten für wirksame „Corporate Citozenship“ liegen vor der Tür

Vormittags um halb zehn in einem Dorf im Voralpenland. Das idyllische Zwitschern der Vögel im Nussbaum wird abrupt unterbrochen – laut heult die Sirene vom Feuerwehrhaus. Alarm. Es dauert nur Sekunden, da hört man auch überall im Dorf Motoren aufheulen. Die freiwilligen Wehrmänner lassen alles stehen und liegen, eilen zum Einsatz. Keine fünf Minuten vergehen, bis die beiden Fahrzeuge mit Blaulicht und Martinshorn Richtung Bundesstraße davonsausen. Wieder mal ein Unfall, die Ehefrau eines Nachbarn weiß schon Bescheid.

Es sind Vorfälle wie dieser, an denen die enge Verbindung von Ehrenamt und Corporate Social Responsibility (CSR) sichtbar wird. Kein Arbeitgeber dieser Gemeinde wird es den freiwilligen Feuerwehrmännern übel nehmen, wenn sie ihre Arbeit in der Schreinerei, auf der Baustelle oder im Wertstoffhof liegen lassen, wenn ihr Einsatz gefordert ist. Jeder hier im Dorf weiß: Morgen könnte ich die Hilfe brauchen und bin froh, dass ich mich dann darauf verlassen kann. Anders als mit ehrenamtlichen Mitarbeitern ist diese Aufgabe aber nicht zu lösen; Fahrzeuge und Gerätehaus belasten den Haushalt schon genug.

Soziale und kulturelle Infrastrukturen einer Stadt stärken

Während die Freiwillige Feuerwehr als Selbsthilfe-Instrument eine lange Tradition hat, sind andere CSR-Initiativen, die auf ehrenamtliches Engagement aufbauen, deutlich jüngeren Datums. In Essen zum Beispiel pflegen die Angestellten einer Filiale der Café-Kette Starbucks den Gervinuspark oder hat ein Team des Logistikers LOXX für beeinträchtigte Kinder einen Ausflug in die Zoom-Erlebniswelt organisiert.

„Engagierte Firmen und ihre Beschäftigten stärken die sozialen und kulturellen Infrastrukturen in einer Stadt und damit auch den Wirtschaftsstandort“, heißt es zu diesen Beispielen von „Corporate Volunteering“ (CV) aus der Ehrenamt Agentur Essen. „Sie machen ihn fit für die Zukunft. Eine lebendige Engagementkultur und ein gut ausgebautes Gemeinwesen tragen viel zur Lebensqualität bei und machen unsere Stadt attraktiv: für Einwohner, Firmen oder Investoren.“

Höheres Ansehen in der Öffentlichkeit

Die Organisation, die sich auch darum kümmert, die Anfragen von Unternehmen unterschiedlicher Größe und Ausrichtung zu koordinieren, lockt Nachahmer unter anderem mit dem Hinweis, dass sie durch ihren zusätzlichen Beitrag zum Gemeinwohl in der Öffentlichkeit ein höheres Ansehen genießen, ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken und – sie zeigten sich als Arbeitgeber mit Herz. „Damit gewinnen sie die besten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“ Deren Herz dann im CV-Takt den guten Geist des Unternehmens wieder nach außen trägt.

Schon 2008 stellten Wissenschaftler der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) fest: Viele Großunternehmen setzen Corporate Volunteering als Instrument im Rahmen ihrer CSR-Aktivitäten ein. Schon damals unterstützten mehr als 80% das Engagement ihrer Mitarbeiter, meist durch vergütete Freistellung, Sachmittel und Know-how. Eine untergeordnete Rolle spielen CV-Maßnahmen zu diesem Zeitpunkt noch im Recruiting. Dies sogar, obwohl es die meisten der befragten Großunternehmen für wichtig erachten, sich verstärkt als attraktive Arbeitgeber zu profilieren – auch durch eine aktiv gestaltete Unternehmenskultur.

CV-Potenziale bei Personalsuche noch nicht ausgeschöpft

„Wir konnten feststellen, dass sich gerade Führungskräfte in Unternehmen stark gesellschaftlich engagieren. Es verwundert deshalb, dass Firmen ihr soziales Engagement bei der Personalsuche nicht stärker hervorheben. Denn Corporate Volunteering kann eine bedeutende Strategie im Wettstreit um hochqualifiziertes Personal sein“, sagte Professor Joachim Schwalbach von der HU.

CSR, die Ehrenamt anerkennt und fördert, hat eine mehrfache Wirkung. Nicht nur, dass davon die Welt und Umwelt profitieren, in der Betriebsangehörige, ihre Familien und die Firma als „Corporate Citizen“ selbst zuhause sind. Sie bekräftigt Mitarbeiter auch in ihrer Entscheidung, persönlich für eine gute Sache einzutreten – und sie bekommt als Rendite das entsprechende Talent des Einzelnen zurück, um es im Unternehmen einzusetzen. Glaubwürdiger und nachhaltiger als eine Goodwill-Spende zu Weihnachten ist das allemal. Vorbildliche Beispiele für CV hat das „Bundesnetzwerk Bürgerliches Engagement“ in einem Sondernewsletter der BBE dokumentiert.

investor relations