Importierte Qualifikation gegen den Fachkräftemangel

10. April 2014

Die Anerkennung und Bewertung ausländischer Berufsqualifikationen in Deutschland hat sich deutlich verbessert. Obwohl es nicht ganz ohne Bürokratie geht, kommen Arbeitgeber und Fachkräfte nun leichter zusammen.

Potenzial zum Ausgleich des Fachkäftemangels wird gezielt angesteuert

Gut 150 Expertinnen und Experten aus der Bewertungs- und Unternehmenspraxis hatten sich Anfang März im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) zum Erfahrungsaustausch versammelt. Motto des Treffs: „Vernetzt vom Antrag bis zum Arbeitsplatz“ – Inhalt der Veranstaltung: die Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen. Sie konnten dabei auf sehr aktuelles Anschauungsmaterial und umfangreiche Praxiserfahrung zurückgreifen. Denn seit dem 1. April 2012 haben Zuwanderer die Möglichkeit, ihren im Ausland erworbenen Berufsabschluss mit den Anforderungen an diesen Beruf in Deutschland vergleichen zu lassen.

Reglementierte Berufe im Fokus

Dies ist für vor allem dann wichtig, wenn sie einen reglementierten Beruf in Deutschland ausüben wollen. „Reglementiert“ bedeutet, dass der Beruf ohne ein staatliches Zulassungsverfahren und ohne eine Anerkennung ihrer Berufsqualifikation nicht ausgeübt werden darf. In Deutschland sind unter anderem Berufe im Gesundheits- und Bildungssektor (wie Ärztin, Krankenpfleger oder Erzieher) reglementiert. Außerdem gelten in einigen Berufen spezielle Regelungen, wenn dort eine Selbstständigkeit angestrebt wird, zum Beispiel als Bäcker oder Friseur. In nicht-reglementierten Berufen brauchen die Anwärter dagegen keine formelle Anerkennung ihres Abschlusses, um arbeiten zu dürfen – beispielsweise als Angestellter im Einzelhandel oder als Informatiker.

Das Ziel dieser Regelung: „Die Sicherung von Fachkräften mit abgeschlossener Berufsausbildung wird in den kommenden Jahren für die Wirtschaft entscheidend sein“, so der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Uwe Beckmeyer, bei der Veranstaltung in Berlin. „Nach aktuellen Berechnungen beziffert sich der wirtschaftliche Schaden aufgrund fehlender Fachkräfte allein für das Jahr 2013 auf 31 Milliarden Euro. Deshalb ist die Integration von gut ausgebildeten Migrantinnen und Migranten in den Arbeitsmarkt ein Gewinn für beide Seiten."

Potenzial zu wenig genutzt

Viele deutsche Unternehmen suchen intensiv nach qualifiziertem Personal. Ein viel versprechender Weg, um die Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit der deutschen Wirtschaft zu sichern, ist der Einsatz von Fachkräften mit ausländischen Berufsabschlüssen. Diese knapp zwei Millionen Menschen in Deutschland gelten als wertvolles Potenzial, das die hiesige Wirtschaft nach Auffassung von Arbeitsmarkt-Experten noch zu wenig nutzt.

Für die Durchführung von Verfahren zu Anerkennung von im Ausland erworbenen Berufsqualifikationen sind bundesweit die Anerkennungsstellen zuständig. Sie geben Menschen mit ausländischen Berufsabschlüssen eine erste Orientierung für das Anerkennungsverfahren und verweisen sie an die zuständigen Anerkennungsstellen. Unternehmen, die schon Kontakt zu ausländischen Fachkräften haben und diesen den Zugang zu einer Stelle in Deutschland erleichtern wollen, sollten sie auf diese Anerkennungsstellen  verweisen.

Zahlreiche Informationen und Dokumente stehen online zur Verfügung

Wegweiser im Internet

Das Internetportal „Anerkennung in Deutschland" ist das Informationsportal zum Anerkennungsgesetz des Bundes. Herausgeber ist das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). Gefördert wird das Portal im Rahmen des Förderprogramms „Integration durch Qualifizierung – IQ“, das vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und der Bundesagentur für Arbeit (BA) getragen wird. Das Portal informiert aktuell über die rechtlichen Grundlagen und Verfahren der beruflichen Anerkennung.

Die Datenbank anabin anabin.kmk.org hat den Auftrag, Informationen zur Bewertung von ausländischen Bildungsnachweisen bereit zu stellen. Diese Informationen liefern eine fundierte Entscheidungsgrundlage für Behörden und Hochschulen, die in Deutschland für die Anerkennung von ausländischen Bildungsnachweisen zuständig sind. Darüber hinaus soll das Informationsangebot Arbeitgeber, Arbeitnehmer sowie eine breite Öffentlichkeit in die Lage versetzen, den Wert einer ausländischen Qualifikation einzuschätzen.

Einheitliches Verfahren

Die IHK FOSA (Foreign Skills Approval) ist die zentrale Stelle für die Bewertung und Anerkennung von ausländischen Berufsabschlüssen im Bereich der Industrie- und Handelskammern. Sie wurde im Frühjahr 2012 von 77 IHKs als eigenständige Körperschaft des öffentlichen Rechts gegründet. Sie soll ein einheitliches und effizientes Verfahren mit hohen Qualitätsstandards zur Gleichwertigkeitsfeststellung gewährleisten und so die IHKs bei der Umsetzung des Anerkennungsgesetzes entlasten. Neben umfassender Information bietet die FOSA auf ihrer Website auch den Download aller nötigen Dokumente an.

Informationen zu ausländischen Berufsqualifikationen gibt es auch auf dem BQ-Portal. Dieses stellt in einer eigenen Rubrik Entscheidungsträgern und Arbeitgebern nützliche Hinweise bereit, zum Beispiel für eine erste Einschätzung ausländischer Qualifikationen. Anhand von Praxisbeispielen kann man sich dort ein Bild von Abläufen und Handlungsoptionen machen.

Die Übersicht von Erstanlaufstellen in Deutschland listet das Förderprogramm IQ in einer ständig aktualisierten Übersicht und nach Regionen gegliedert auf. Weitere Hinweise für Antragsteller sind zudem beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge abzurufen.

Erste Bilanz wird vorgelegt

Erste Erkenntnisse über den Erfolg der Strategie wird Ende April eine weitere Fachtagung in Berlin präsentieren – und diskutieren. Dann liegt der erste Bericht zum Anerkennungsgesetz auf dem Tisch, der dieser Tage vom BMBF veröffentlicht wird. Neben einer Bilanz und daraus folgenden Perspektiven enthält dieser Bericht die ersten Ergebnisse der Arbeiten des BIBB-Projektes. Diese basieren u.a. auf Interviews mit Vertreterinnen und Vertretern von Anerkennungsstellen und Beratungseinrichtungen, auf Analysen der Ergebnisse der amtlichen Statistik für das Jahr 2012, auf Analysen der Beratungsdokumentationen der IQ-Fachstellen sowie der BAMF Anerkennungshotline und weiteren Untersuchungen.

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