Internationaler Tag der Menschen mit Behinderung am 3. Dezember

30. November 2017

„Barrieren in den Köpfen abbauen“

Die Zahl der schwerbehinderten Menschen, die einer Arbeit nachgehen, ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen, so Statistiken der Arbeitsagentur. Randstad setzt sich seit vielen Jahren dafür ein, Menschen mit Handicap in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Dabei unterstützt auch die Schwerbehindertenvertretung. Ihr oberster Vertreter Derek Lukey erzählt im Interview über seine Aufgaben sowie über seine Erfahrungen im Alltag mit Mitarbeitern und Bewerbern.

Herr Lukey, Sie sind Gesamtschwerbehindertenvertrauensmann bei Randstad. Was heißt das genau?

Derek Lukey: Ich weiß, das ist ein sehr langer Name. Das Prinzip ist aber schnell erklärt. Randstad ist das einzige Zeitarbeitsunternehmen mit einer flächendeckenden Schwerbehindertenvertretung. Zur besseren Erreichbarkeit, haben wir uns regional aufgeteilt. Wir sind die lokalen Ansprechpartner für die internen Kollegen, die Kollegen im Kundeneinsatz sowie für die Bewerber. Als gewählter Gesamtschwerbehindertenvertrauensmann bespreche ich zudem mit den einzelnen Gremien bundesweite Maßnahmen und deren Umsetzung.

Was sind Ihre Aufgaben?

Derek Lukey: Die Aufgaben sind ganz vielfältig, deshalb gleicht auch kein Tag dem anderen. Ich berate zum einen die Kollegen in den Niederlassungen, wenn sie Fragen zu einem Mitarbeiter oder Bewerber mit Handicap haben. Das können Fragen zu Hilfsmitteln sein, die der Betroffene zu seiner Tätigkeit braucht, oder eine Einschätzung, welche Arbeit mit einer bestimmten Behinderung machbar ist. Außerdem stehe ich in engem Kontakt mit den Kollegen der Randstad Arbeitsmarktprojekte, die in direktem Kontakt mit Jobcentern und Arbeitsagenturen sind. Ein weiterer wichtiger Teil meiner Arbeit sind die persönlichen Gespräche mit Mitarbeitern im Kundeneinsatz oder Bewerbern, die eine Behinderung haben. Kurz gesagt: Wir sind ein wichtiges Bindeglied und Vertrauensperson. Das bedeutet auch Mutmacher und Seelentröster zu sein.

Welche Fälle erleben Sie?

Derek Lukey: Jede Behinderung ist individuell und muss für sich allein betrachtet werden. Es gibt Formen von Beeinträchtigungen, die man auf den ersten Blick gar nicht sieht, wie zum Beispiel Diabeteserkrankungen oder Rückenleiden. Diese erfordern gewisse Maßnahmen im Arbeitsalltag. Wir unterstützen dabei, dass die speziellen Bedürfnisse dieser Menschen in den Arbeitsalltag integriert werden können. Dann gibt es wiederum andere, die an einer Seh- oder eine Hörbehinderung leiden. Hier stehen wir in engem Kontakt mit den Fachkräften für Arbeitssicherheit unseres Werksarztzentrums, die sich die Arbeitsplätze vor Ort beim Kundenunternehmen genau ansehen. Gemeinsam entwickeln wir dann Lösungen. Manche Kollegen werden im Laufe ihres Arbeitslebens schwer krank und sind nicht mehr voll erwerbsfähig. Hier stehen wir stark beratend zur Seite und informieren zum Beispiel über Förderanträge und Umschulungsangebote.

Solche Gespräche zu führen, ist bestimmt nicht immer einfach. Es geht dabei ja um sehr persönliche Dinge.

Derek Lukey: Ja, das ist richtig. Eine Vertrauensbasis zu schaffen, ist da ganz wichtig. Und das geht nicht allein über das Telefon, mit jemandem, den man vielleicht noch nie gesehen hat. Deshalb bin ich auch oft unterwegs, um mit den Betroffenen direkt vor Ort zu sprechen. Ihnen fällt es dann leichter sich zu öffnen. Neben der beratenden Tätigkeit geht es mir als Vertrauensmann auch darum, Ängste zu nehmen und den Kollegen Mut zu machen.

Laut Arbeitsagentur steigt die Zahl der erwerbstätigen Menschen mit Behinderung. Welche Erfahrungen machen Sie in ihrer täglichen Arbeit. Ist noch viel Aufklärung notwendig, sowohl was die Bewerber- als auch die Unternehmensseite angeht?

Derek Lukey: Die Barrieren in den Köpfen werden weniger. Trotzdem ist immer noch viel Aufklärungsarbeit notwendig. Wir stehen in engem Kontakt mit Organisationen und Institutionen, um uns auszutauschen und Netzwerke zu knüpfen. Zudem sprechen wir auch viel mit den Arbeitnehmervertretungen in den Kundenunternehmen. Von Bewerber- und Mitarbeiterseite erleben wir sehr häufig, dass sie Scheu haben sich zu bewerben oder mit dem Arbeitgeber über die Einschränkungen zu sprechen.

Was raten Sie in diesen Fällen?

Derek Lukey: Bewerber und Mitarbeiter sollten mit ihren Einschränkungen offen umgehen. In einem gemeinsamen Gespräch lässt sich gut ausloten, wo die persönlichen Stärken liegen, welche Tätigkeiten damit in Frage kommen und welche Hilfsmittel eventuell noch gebraucht werden. Grundsätzlich steht die Qualifikation und die Persönlichkeit im Vordergrund. Zeitarbeit ist für Menschen mit Handicap ein Türöffner in den Arbeitsmarkt. Denn gerade die Personaldienstleistungsbranche bietet Möglichkeiten für die verschiedensten Qualifikationen. 

Über die Schwerbehindertenvertretung bei Randstad

Foto Derek Lukey

Randstad Deutschland ist das einzige Zeitarbeitsunternehmen mit einer flächendeckenden Schwerbehindertenvertretung.  Die regionalen Vertrauenspersonen stehen als kompetente Ansprechpartner mit entsprechendem Fachwissen bei Fragen rund um die Beschäftigung zur Verfügung.  Sie sind ein wichtiges Bindeglied zwischen Unternehmen, Integrationsämtern, Integrationsfachdiensten und Schwerbehinderten. Ebenso halten sie engen Kontakt zu den Berufsförderungswerken, den Rehabilitationsabteilungen der Bundesagentur für Arbeit und zu den Mitbestimmungsorganen in Kundenunternehmen. Alle Ansprechpartner der Schwerbehindertenvertretung bei Randstad unterstützen bei:

  • der Eingliederung bzw. beruflicher Wiedereingliederung;
  • der Bewerbung und der Einstellung;
  • der Beantragung spezieller Arbeitsmittel;
  • Schwierigkeiten am Arbeitsplatz;
  • der allgemeinen Interessenvertretung.
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