Klare Ansage aus dem Cockpit

10. April 2014

Ein Unternehmer mit Pilotenlizenz machte beim Randstad Award deutlich, warum der Mittelstand auch in Zukunft die deutsche Wirtschaft beflügeln wird: Hans Rudolf Wöhrl über die besonderen Qualitäten von KMU und ihren Chefs.

Einem wie Hans Rudolf Wöhrl kann man gern auch mal länger zuhören. Nicht nur weil er frei von der Leber weg spricht, sondern auch weil die Geschichten, die er zu erzählen hat, immer einen Blick hinter die Kulissen erlauben. Hinter die Kulissen dessen, was Mittelstand in Deutschland ausmacht. Da läuft der Nürnberger Unternehmer dann sogar richtig zur Hochform auf.

Das kommt nicht von ungefähr, hat er selbst doch in jungen Jahren das Wort „Start-up“ wörtlich genommen und ein Lufttaxi-Unternehmen in der Frankenmetropole gegründet. Es dauerte nicht lange, da reifte der „Nürnberger Flugdienst“ (NFD) zu einer veritablen Regionalfluggesellschaft heran, die sich bald anschickte, der schier allmächtigen Nummer eins am deutschen Luftfahrthimmel Paroli zu bieten. Mit einem Captain Wöhrl im Cockpit, der kein Blatt vor den Mund nahm, um mehr Wettbewerb einzufordern – und mehr Chancengleichheit. Das breite Grinsen auf seinem Gesicht, als er nach der Deutschen Einheit den ersten Linienflug von Berlin nach Nürnberg als „pilot flying“ im Cockpit einer NFD-Propellermaschine in seiner Heimat gelandet hatte, wird allen damals Anwesenden auf ewig im Gedächtnis bleiben.

Als Gastredner beim diesjährigen Randstad Award machte Wöhrl deutlich, welche Bedeutung solch mittelständische Unternehmertugend im ewigen Wettbewerb um Marktchancen und Marktanteile hat. „Die Wirtschaftspolitik nimmt den Mittelstand nicht wirklich ernst, die Steuergesetzgebung ist mittelstandsfeindlich, eigentlich müssten kleine Betriebe in kürzester Zeit zwischen den Mahlsteinen der Konzerne zerrieben werden – und dennoch überleben sie nicht nur, sondern erzeugen echte Erfolge“, sagte er im Vorgespräch zu den anwesenden Medien. „Das ist nicht nur damit zu erklären, dass sie schneller und flexibler agieren als die großen Einheiten. Das hat auch damit zu tun, dass Mittelständler mit Instinkt und Gefühl agieren, sich nicht beirren lassen und daran glauben, dass sie bestehen werden.“

Dies sei auch der Grund, warum mittelständische Unternehmer nach wie vor auch für Fachkräfte der Spitzenklasse attraktiv seien – auch wenn sie nicht in jedem Punkt das Niveau erreichten, das die Spitzenreiter beim Randstad Award auszeichne. Aber das persönliche Verhältnis zu Inhabern und Geschäftsführern, die kurzen Wege zu Verantwortung und Entscheidungen und die häufige Freiheit von genormten Prozessen zugunsten individueller Wege – das alles könnten kleine und mittlere Unternehmen in einer Qualität in die Waagschale werfen wie kaum ein Großbetrieb. Zumal, er verwies auf sein eigenes Führungsmotiv, ein mittelständischer Chef eben aus eigener Erfahrung die Aufgaben und Arbeiten kennt, die er seinen Mitarbeitern anvertraut.

Eine Anekdote, die er ebenfalls im Vorgespräch mit erwähnte, hat er mit einem altgedienten Personalchef erlebt, der ihm vor einer Runde von Vorstellungsgesprächen riet: „Wenn wir die Kandidaten erst zum Gespräch hier haben, dann folgen Sie dem Gefühl, das Sie in dem Moment haben, wenn er durch die Tür kommt – noch bevor die Unterhaltung beginnt. Sie werden immer richtig liegen.“ Diese Freiheit und die Bereitschaft, nicht nur Fakten sprechen zu lassen, trage einen wesentlichen Teil zum Erfolg mittelständischer Unternehmer bei. Sie seien auch die verlässlichen Größen, damit dieses belebende Element der Wirtschaft auch künftig erhalten bleibe.

investor relations