Notiert von Hand = eingebrannt

27. Oktober 2014

Forscher haben herausgefunden: Handgeschriebene Aufzeichnungen machen schlauer als solche, die über die Tastatur erfasst werden. Warum wohl?

Die einen nennen es „Vorurteil“, die anderen „Erfahrungswert“. Aber hatten Sie nicht auch schon zu Schulzeiten den Verdacht, dass alles, was man sich von Hand notiert hatte, besser im Gedächtnis blieb als alle anderen Lerninhalte? War nicht der „Spicker“ an sich überflüssig, weil genau dessen Inhalte sich durchs Aufschreiben besser eingeprägt hatten?

Die Vermutung ist nun wissenschaftlich bestätigt. „The Pen Is Mightier Than the Keyboard” überschrieb das Fachmagazin „Psychological Science” einen Artikel, in dem zwei Wissenschaftler der Universitäten Princeton und UCLA darlegten, dass Schüler und Studenten, die ihre Notizen von Hand verfassten den gelehrten Stoff besser durchblickten als ihre Kollegen, die auf dem Laptop mitschrieben. Der Erfolg habe sich weniger im gelernten Wissen gezeigt, als in dessen Verstehen. Bei „conceptual questions“, also bei Fragen nach dem Begreifen von Zusammenhängen, erwiesen sich die Handschreiber als deutlich überlegen. Vor allem beim Langzeiteffekt, also beim Nachlesen nach einer Woche, habe sich gezeigt, dass die (kürzeren) handschriftlichen Notizen in ihren Urhebern mehr Verständnis wachriefen als die (deutlich umfangreicheren) digitalen Aufschriebe.

Diese Erkenntnis soll nun weder in das Verdammen all dieses neumodischen Technikkrams münden, noch in die Glorifizierung der guten alten Zeit. Schließlich liegt, den Grundlagen der Untersuchung folgend, der Schluss nahe, dass aufs Tablet mit dem Stift geschriebene Aufzeichnungen ähnlich gut haften wie jene, die auf Papier fixiert sind. Aber der Hinweis sei erlaubt, dass die Bleistifte, Kulis und Notizblöcke, die auf dem Besprechungstisch liegen, alles andere als „old fashioned“ sind – und auch keine Souvenirs vom Tagungsausflug.

Denn der Verdacht liegt nahe, dass beim Mitschrieb per Tastatur zwei ablenkende Effekte wirken. Zum einen die Verlockung, „nur kurz mal“ E-Mails zu checken, Twitter & Co. abzurufen oder eine langweiligere Passage mit einem kleinen Browsergame zu überbrücken. Zum anderen der unterstellte Effizienzgewinn, dass der Vortrag und seine Inhalte in gleicher oder ähnlicher Form schon andernorts einmal veröffentlicht wurden und man sie sich durch Copy-Paste mühelos aneignen kann. Ein Irrtum, wie unser aller persönliche Erfahrung lehrt – wenn wir ehrlich sind.

So betrachtet erweist sich der alte Spruch „Handwerk hat goldenen Boden“ einmal mehr als wahr und zielführend.   

Ulrich Pfaffenberger

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