Querdenken und Mobilität gehören zusammen

Seit Jahrzehnten schon steht die Daimler AG für Faszination und Verantwortung. Ursula Schwarzenbart trägt in ihrer Rolle als Global Chief Diversity Manager stark dazu bei. Denn sie fördert die Frauenrate in Führungspositionen, die bis 2020 auf 20 Prozent gesteigert werden soll. Am 26.11. startet sie beim 5. Deutschen Innovations- & Querdenker-Kongress durch, der unter dem Motto „ideen. innovation. wachstum. Zukunftsstrategien und Geschäftsmodelle für nachhaltigen Unternehmenserfolg“ steht.

Was bedeutet Querdenken für Sie?

Ursula Schwarzenbart: Querdenken heißt für mich, kontinuierlich zu hinterfragen, wie etwas bislang gehandhabt wurde. Es gibt kaum ein schlechteres Argument als „das haben wir schon immer so gemacht“. Wäre das ein Kriterium, würden wir alle vielleicht noch heute mit dem Pferdekarren fahren. Aber schon Carl Benz und Gottlieb Daimler haben das Thema „Mobilität“ ganz neu gedacht. Bei Daimler hat das Querdenken Tradition. Wir überlegen uns jeden Tag: Wie können wir an Prozesse, Produkte oder Personalentwicklung anders herangehen? Wie werden wir noch besser?

Global Diversity Management – was genau steckt dahinter?

Ursula Schwarzenbart: Für Daimler arbeiten Menschen aus 120 Nationen und aktuell sind fünf Generationen in unserem Konzern tätig. Diese Vielfalt treibt uns an, denn sie alle bringen unterschiedliche Perspektiven, Kenntnisse und Erfahrungen in ihre Arbeit ein. Für uns ist das die Grundlage, um die Mobilität der Zukunft zu gestalten. Bei Daimler wird Vielfalt aktiv gefördert, da wir überzeugt sind, dass heterogene Teams bessere Ergebnisse erzielen. Dabei wird Diversity gemanaged wie jedes andere strategische Geschäftsfeld: Wir gestalten altersgemischte Teams, haben internationale Projekteinsätze für unsere Nachwuchskräfte obligatorisch in das Traineeprogramm integriert, um interkulturelle Kompetenzen zu stärken und forcieren zugleich die Förderung von Frauen in Führungspositionen.

Männer dominieren ja noch immer die meisten Top-Management-Positionen. Inwiefern trägt ein hoher Frauenanteil zum Unternehmenserfolg bei?

Ursula Schwarzenbart: Es ist nicht nur eine Annahme, dass Frauen zum Unternehmenserfolg beitragen: Auch Studien beweisen, dass zum Beispiel ein Vorstand mit männlichen und weiblichen Protagonisten die bessere Performance erreicht (Bsp. McKinsey, Women Matter, 2012). Eine für den Geschäftserfolg zieldienliche Diskussion wird davon getragen, dass tendenziell weibliche und eher männliche Sicht- und Verhaltensweisen zusammenkommen. Als ingenieurs-getriebenes Unternehmen legen wir besonderen Fokus darauf, Mädchen und Frauen für MINT-Fächer zu begeistern und für die Automobilindustrie zu gewinnen. Bereits 2006 haben wir uns das Ziel gesetzt, dass 2020 20 Prozent unserer Führungspositionen mit Frauen besetzt sind. Dabei liegen wir voll auf Kurs: Aktuell sind es 13 Prozent.

Was raten Sie jungen Studentinnen?

Ursula Schwarzenbart: Ganz kurz: Mehr Klarheit! Sagen Sie eindeutig, was Sie können. Und wenn Ihnen noch eine Kompetenz fehlt, seien Sie überzeugt, dass es Ihnen gelingt, diese aufzubauen. Suchen Sie sich ein Unternehmen aus, das Wert auf die Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben legt. Das nutzt nicht nur Ihnen, sondern auch Ihrem Partner bei der Gestaltung der Lifebalance. Daimler zum Beispiel bietet neben individuellen Modellen zum flexiblen Arbeiten auch rund 700 betriebseigene Kinderbetreuungsplätze und die Möglichkeit zu mehrjährigen Auszeiten für Qualifizierungsmaßnahmen.

In welchen kreativen Kopf würden Sie gerne schlüpfen, wenn Ihnen die Ideen ausgehen?

Ursula Schwarzenbart: Ich würde mich nicht auf einen Kopf beschränken. Mehr Köpfe heißt mehr potentielle Ideen. Also: Ein weiblicher, ein männlicher, Denkerinnen und Denker mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen und gerne auch ein Hundertjähriger und eine Abiturientin. Gut, dass wir ein großer Konzern sind, da finde ich immer zahlreiche kluge Köpfe zum Austausch.