Randzeit: Big Business in der Bahn

25. Mai 2016

Was gibt es Schöneres, als den Arbeitstag mit abwechselndem Blick in das Handelsblatt und den Sonnenaufgang in Brandenburg bei einer Tasse Tee oder einem mäßigen Bahnkaffee zu starten?

Randzeit

Eigentlich nichts, wären da nicht die Menschen, die scheinbar seit Wochen auf ihren großen Moment gewartet haben: Ich erkläre meinen Mitreisenden jetzt mal ganz genau, wie wichtig ich bin. Wie viele Millionen ich täglich von rechts nach links schiebe und dass sich der Vorstand beim nächsten Treffen mal ganz warm anziehen kann. Als begeisterter Bahnfahrer kann ich nach etlichen Jahren diese Momente schon nicht mehr zählen. Aber sie laufen alle nach dem gleichen Schema ab: Kurz nach sieben klingelt das Handy — auffällig oft ein Blackberry. Dann folgt die genaue Erklärung wo man gerade ist, dass die Verbindung natürlich wie immer bei der Bahn miserabel sei, und was man am Vorabend in der großen Stadt gemacht hat, meistens gewöhnliches Touristenprogramm. Danach folgt die ausführliche Erklärung über den neuesten Deal mit den besagten Millionen und der Feststellung, es mal wieder alles vorher gewusst zu haben. Während des Gespräches wird die meist männliche Stimme immer lauter, die Krawatte wird nervös gelockert und die viel zu schlechten Schuhe für die Topposition wandern nervös auf dem Fußtritt vor sich hin und her. Nach dem Abschluss des Millionen-Deals folgt der Gang aufs WC, damit auch alle wissen, wer denn da so wichtig ist.

Wann hören diese Erlebnisse endlich mal auf oder werden zumindest etwas variiert, so wie bei meiner Fahrt Anfang des Jahres nach Hamburg, als eine bekannte Fernsehköchin ihr Handy auf der Jagd nach einem Menschen durchsuchte, der, nach ihrer Fernsehaufzeichnung, den späteren Abend mit ihr verbringen sollte. Nach dem fünften wortgleichen Telefonat war zum Glück auch diese Nacht im Kasten. Was bleibt, war mein Erstaunen darüber, wie eng doch die Fernsehköche dieses Landes miteinander vernetzt sind.

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