Rein in die Arbeit und zurück ins Leben

25. Februar 2015

Personalentwicklung hat in vielen Unternehmen ihr Schwergewicht in den Bereichen Auswahl, Planung, Steuerung und Weiterbildung. Aber wie sieht es in Organisationen aus, die sich außerhalb herkömmlicher Märkte bewegen?

54 Seiten umfasst das Jahresprogramm, das die beiden Organisationen „Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe“ (AGEH) und „Brot für die Welt“ ihren Mitarbeitern unterbreiten, damit sie sich in ihrem Arbeitsumfeld weiterentwickeln. Nicht nur die Menge überrascht, sondern auch der Inhalt. Denn wo es andernorts um den Erwerb zusätzlichen oder spezialisierten Knowhow geht, wo Abschlüsse die Karriereleitern markieren oder Mitarbeiter zu Führungskräften gewandelt werden, stellen sich bei den Entwicklungsdiensten der beiden großen christlichen Kirchen ganz andere Herausforderungen.

Integration von Rückkehrern

Eine davon nennt sich schlicht und einfach „Rückkehrer“. Frauen und Männer, die nach Jahren intensiven Arbeitens und Lebens in unterprivilegierten Ländern, zurückkehren nach Deutschland – und sich dort wieder zurechtfinden wollen. Da findet sich dann ein Angebot namens „Dragon Dreaming“, das in Methoden der Projektentwicklung schult, neben „Zurück in die Heimat“, einem Re-Integrationsprogramm für Migrant(inn)en auf Zeit. Es ist das Gegenstück zu den interkulturellen Trainings, die diesen Mitarbeitern vor ihrem Aufbruch zu den globalen Einsatzorten zuteil wurde.

Eine weitere Eigenart solcher Organisationen ist der hohe Anteil von Ehrenamtlichen unter ihren Mitarbeitern. Selbstverständlich ist die Entwicklungshelferin, die nach Uganda entsandt wird, genauso eine festangestellte Vollzeitkraft. Aber ihre Arbeit wird zu einem großen Teil getragen vom Engagement Freiwilliger, die im Hintergrund wirken oder bei der Arbeit unterstützen. Dazu kommt – zum Beispiel bei Rettungsdiensten – die individuelle Bereitschaft, gesundheitliche Risiken einzugehen und auf den Komfort eines geregelten Feierabends zugunsten einer Rufbereitschaft zu verzichten.

Guter Wille und professionelles Handeln

Hier ist nicht nur der gute Wille des Einzelnen gefragt, es muss auch jedem Beteiligten so viel Professionalität für seine Aufgaben vermittelt werden, dass seine Motivation erhalten bleibt und die Organisation in der Lage ist, sich selbst weiterzuentwickeln. Neue Technik muss genauso erläutert und erarbeitet werden wie neue Gesetze.

„Komplexe Projekte lassen sich nicht mehr ausschließlich mit freiwilligen Mitarbeitern realisieren, sondern setzen den Einsatz bezahlter Fachkräfte voraus“, stellte die Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC) schon 2010 anlässlich der Vorlage einer Studie zum Thema fest. Einerseits erfordere die Finanzierung eine Akquise von Spendengeldern durch Kampagnen und gezielte Öffentlichkeitsarbeit auf professionellem Niveau. Geldgeber wiederum erwarten andererseits, dass die Mittel effizient eingesetzt sowie ihre Nutzung korrekt und transparent dokumentiert werden.

Gleiche Ziele, andere Wege

Dabei ist manche Organisation in ihrem Selbstverständnis auf Augenhöhe mit der Privatwirtschaft. „Das THW bedient sich verschiedener Steuerungsinstrumente, die alle laufenden Maßnahmen und Prozesse, Projekte und Mittelflüsse auf die Vision hin, eine der modernsten Katastrophenschutz-Organisationen weltweit zu werden, ausrichten: Controlling, Personalentwicklung und Budgetierung. Die einzelnen Instrumente greifen dabei wie bei einem Zahnrad ineinander.“ Das sagte der damalige Präsident der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk Georg Thiel vor einer Konferenz der Leiter von 33 großen Behörden, dem „Präsidenten-Forum“ – schon anno 2005.

Welche Methoden Non-Profit-Organisationen nutzen, um ihre Mitarbeiter zu entwickeln, mit welchen Prozessen sie sich befassen, auf welchen Gebieten sie ganz andere Wege beschreiten (müssen) als normale Unternehmen und in welchen zusätzlichen Themen und Bereichen sie Angebote machen – darum dreht sich eine Serie von Gesprächen mit Personalverantwortlichen.

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