Spielregeln für die Brückenbauer

Pin ziehen, Kalender abnehmen, Kalender anbringen, Pin stecken, Urlaubstage markieren. In Büros und Werkstätten überall im Lande ist in diesen Tagen das gleiche Ritual zu beobachten. Wie jedes Jahr gilt vielerorts der erste Blick den „Brückentagen“ und der Frage: „Wie mache ich mehr aus meinem Urlaub?“. Im Sinne des Betriebsfriedens sollte man jedoch bedenken: Werden dabei die Frühbucher belohnt oder gilt es einen halbwegs gerechten Ausgleich zu schaffen?

Wie ein Unternehmen mit Brückentagen umgeht, das bleibt ihm selbst überlassen. Denn weder das „Mindesturlaubsgesetz für Arbeitnehmer“ (Ausfertigungsdatum: 8. Januar 1963!) noch Tarifregelungen liefern hierzu eine Aussage. Unternehmensangelegenheit ist in diesem Fall gleichbedeutend mit „Chefsache“, denn kaum etwas verursacht unter den Mitarbeitern mehr Ärger und Frust als ein vermeintlich ungerechter Umgang mit der Freizeit.

Schaden Windhunde dem Betriebsklima?

Dadurch, dass der Arbeitgeber über jeden Urlaubsantrag individuell entscheiden muss, hat er die Führung in der Hand, gestalterisch mit dem Thema Urlaub umzugehen. Da stellt sich dann durchaus die Frage, ob eine Vergabe im Windhund-Prinzip – Anträge werden nach Eingang genehmigt, zu späte Anträge abgelehnt – dauerhaft im Sinn eines guten Betriebsklimas ist.

Denn wenn stets die gleichen „Schnäppchenjäger“ durch das Nutzen von Brückentagen ihren Urlaub verlängern, ist das Risiko groß, dass sich weniger schnelle Mitarbeiter benachteiligt fühlen. Das wettbewerbstechnische Argument, wer sich informiert und schnell entscheidet, hat eben auch den Vorteil, ist in diesem Zusammenhang nur schwer vermittelbar. Denn damit würde ja vernünftig gegen Gefühle argumentiert.

Stückeln verbieten, Bündeln befehlen?

Genauso schädlich für die Stimmung im Betrieb ist es, den Buchstaben des Gesetzes auszureizen, um die Nutzung von Brückentagen einzuschränken oder ganz zu unterbinden. Besonders clevere Chefs sollen schon versucht haben, dies durchzusetzen, indem sie auf § 7 Abs. 2 des Urlaubsgesetzes verwiesen: „Der Urlaub ist zusammenhängend zu gewähren, es sei denn, dass dringende betriebliche oder in der Person des Arbeitnehmers liegende Gründe eine Teilung des Urlaubs erforderlich machen.“

Die Vorgesetzten argumentierten, dass ein Urlaub, der durch einen Feiertag getrennt werde, ja nicht mehr „zusammenhängend“ sei, scheiterten aber in der Praxis genauso wie vor Justitia. Im Gegenteil verpflichtet das Gesetz die Arbeitgeber sogar dazu, dass sie aus betrieblichen Gründen nicht zu sehr stückeln dürfen und einem Arbeitnehmer, der Anspruch auf mehr als zwölf Urlaubstage im Jahr hat, eben wegen des Erholungseffekts auch einmal mindestens zwölf zusammenhängende Urlaubstage gewähren müssen. Daher: Als Argument gegen eine gezielte Aufteilung eines individuellen Urlaubsanspruchs in viele kleine „Brückenferien“ taugt diese Formulierung schon.

Urlaubsantrag als Schlüssel zur Steuerung

Wie also mit dem leidigen Thema umgehen? Erfahrene Geschäftsführer und Personalleiter empfehlen dringend, das Instrument „Antrag“ sorgfältig zu handhaben. Die schnelle Rückmeldung an den Mitarbeiter – sei es Annahme oder Ablehnung des Urlaubswunsches – gibt beiden Seiten eine verlässliche Planungsgrundlage. Nüchtern betrachtet gilt damit das Prinzip des „Wer zuerst kommt, reist zuerst“.

Über die frühzeitige Delegation des Themas in die Teams, verbunden mit einer errechneten Planzahl vertretbarer Absenzen, lässt sich ein doppelt positiver Effekt erzielen. Erstens weist das Unternehmen seine Mitarbeiter auf den zeitlichen Vorteil hin, bevor der’s in der Zeitung liest und gibt sich damit als fürsorglicher Arbeitgeber zu erkennen. Zweitens besteht so auf der operativen Ebene einer kleinen Gruppe die Möglichkeit, sich untereinander abzustimmen. Das fällt in der Regel leichter als in großen Einheiten.

Betriebsurlaub schafft Gleichheit

Für Firmen und Betriebe, bei denen die Arbeit an Brückentagen tendenziell wenig produktiv ist – zum Beispiel weil Partner- oder Zulieferbetriebe auch mit gebremster Kraft unterwegs sind – mag die Einführung eines „Betriebsurlaubs“ an diesem Tag gerechtfertigt sein. Womit dann auch alle Mitarbeiter in den Genuss der verlängerten Freizeit kommen. Unternehmen wiederum, die von den Folgen eines konsumenten-freundlichen Brückentags besonders betroffen sind, wie Hotellerie, Gastronomie, Einzelhandel oder Freizeitbetriebe, tun gut daran, frühzeitig über die bekannten Termine „aus dringenden betrieblichen Gründen“ eine Urlaubssperre zu verhängen.