„Stayin‘ alive“ bei der Herzmassage

Wenn bei einem Menschen das Herz stehen bleibt, müssen Helfer nur eines tun: schnell handeln. Die Aktion „Ein Leben retten. 100 Pro Reanimation“ zeigt, wie es geht.

  • Herr Z. (damals 48) genoss den Rundflug im Segelflugzeug, als er ganz überraschend vom plötzlichen Herzstillstand heimgesucht wird. Der Pilot führt eine Notlandung auf dem Segelplatz durch. Der damals 16-jährige Daniel sieht das aus der Ferne, vermutet direkt einen Notfall und rennt zu dem Flugzeug. Dort angekommen führt er eine Herzmassage durch und rettet dem Mann das Leben.
  • Ein Mann (59) erleidet beim Fußballtraining einen plötzlichen Herzstillstand. Sein ganzes Team rettet ihn, indem es sich aufteilt – einer ruft den Notarzt, zwei rennen nach draußen, um diesen schnell zur richtigen Stelle zu lotsen, die anderen wechseln sich mit der lebensrettenden Herzdruckmassage ab.
  • Frau B. geht mit ihrem Hund Gassi als sie plötzlich einen Jogger umfallen sieht und zur Hilfe eilt. Sie führt unmittelbareine Herzdruckmassage durch und fordert parallelda-zu andere auf, den Notarzt zu rufen. Sie drückt weiter, bis dieser erscheint, und rettet Herrn H. somit das Leben. 

Drei Beispiele, in denen alles noch einmal gut gegangen ist, weil kundige Ersthelfer nahe waren und beherzt eingeschritten sind. Doch genau an solchen Ersthelfern mangelt es. Die aktuelle Bilanz ist alarmierend: Nur 15 Prozent der Deutschen helfen im Ernstfall. In den meisten europäischen Ländern liegt diese Rate deutlich höher. In Schweden und Norwegen machen 60 Prozent der Bevölkerung im Notfall eine Herzdruckmassage.

Dabei kann Wiederbelebung so einfach sein: „Prüfen. Rufen. Drücken!“ sind drei leicht zu merkende Schritte bei einem Herzstillstand. „Reaktion und Atmung checken, Notruf 112 wählen und die Herzdruckmassage sofort beginnen. So kann die Überlebenschance verdoppelt bis verdreifacht werden“, ermutigt Prof. Dr. Götz Geldner, Präsident des Berufsverbandes Deutscher Anästhesisten e.V.

Bei einem Herzstillstand ist es unerlässlich, schnell zu handeln: Bereits drei Minuten nach einem Herzstillstand wird das Gehirn nicht mehr genügend mit Sauerstoff versorgt – es treten unwiderrufliche Schäden auf. Mit einer einfachen Herzdruckmassage kann der Restsauerstoff im Blut zirkulieren und so bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes die Überlebenswahrscheinlichkeit entscheidend erhöhen.

Der plötzliche Herztod ist mit schätzungsweise bis zu 100.000 Fällen pro Jahr eine der häufigsten Todesursachen in Deutschland. Obwohl jeder helfen könnte, tun es die wenigsten. Mit der Aktion „Ein Leben retten. 100 Pro Reanimation“ wollen Deutschlands Anästhesisten unter der Schirmherrschaft des Bundesgesundheitsministeriums für Gesundheit das Selbstvertrauen der Bürger in ihre eigenen Fähigkeiten als Ersthelfer stärken – für mehr gerettete Leben.

Schon jetzt gibt es Situationen, in denen die Rettungschancen besser sind: Die Wiederbelebung am Arbeitsplatz und in anderen öffentlichen Bereichen zum Beispiel erfolgt mit 34 bzw. 32 % signifikant häufiger als bei nur 12 % in häuslicher Umgebung. Hier scheint nach Auffassung der Experten eine günstige Kombination aus hoher Bereitschaft, vorhandenem Wissen und den körperlichen Kräften für Reanimationsmaßnahmen gleichzeitig vorzuliegen.

Warum fehlt der Mut? „Oftmals sind viele Menschen im Ernstfall überfordert, weil sie zuerst an die stabile Seitenlage oder den Wechsel zwischen Herzdruckmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung denken. Dass eine Herzdruckmassage ausreicht, wissen viele nicht“, erklärt Prof. Dr. Dr. Hugo van Aken, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e.V. „Man kann nichts falsch machen! Mit der Erhöhung der Wiederbelebungsrate durch Laienhelfer könnten in Deutschland jährlich ca. 5.000 Menschenleben gerettet werden.“

Service

Unter www.einlebenretten.de findn Sie eine Kurz-Anleitung im handlichen Pocketformat und ein Lehr-Video.

Die häufigsten Fragen

Ist eine Mund-zu-Mund-Beatmung notwendig? 
Die Mund-zu-Mund-Beatmung ist nicht die entscheidende Maßnahme bei Menschen mit plötzlichem Herzstillstand. Lebensrettend ist die Herzdruckmassage. Wenn Sie in Mund-zu-Mund-Beatmung ausgebildet sind, dann tun Sie es - zur Erinnerung: 30mal drücken und danach zweimal beatmen. Wenn nicht, konzentrieren Sie sich auf die Herzdruckmassage. Damit ist schon viel gewonnen!
Ist bei einem Herzstillstand die stabile Seitenlage wichtig? 
Nein, denn der Betroffene kann auf diese Weise weder beatmet werden, noch kann der Ersthelfer ihn wiederbeleben. Der Ersthelfer sollte bei einem Herzstillstand gleich mit der Herzdruckmassage beginnen.
Kann ich rechtlich belangt werden, wenn ich etwas falsch mache?
Sie können nichts falsch machen! Jede Hilfe ist erste Hilfe. Sie können und dürfen Herzdruckmassage durchführen und einen Defibrillator anwenden. Auch wenn Sie dies nie oder lange nicht mehr geübt haben, es könnte lebensentscheidend sein.
Wo und wie schnell muss ich bei der Herzdruckmassage drücken?
Drücken Sie fest in der Mitte des Brustkorbs mindestens 100 Mal pro Minute, das entspricht einem Disco-Beat. Denken Sie also an einen Song, wie z. B. „Stayin` Alive“ von den BeeGees oder „Rock Your Body“ von Justin Timberlake. Sie haben den Rhythmus einer Herzdruckmassage. Wechseln Sie sich mit anderen Ersthelfern ab.
Quelle: http://www.einlebenretten.de