Über allen Ebenen schwebt die Cloud

12. Oktober 2015

Die umfassende Wirkung der Digitalisierung quer durch die Organisation lässt sich am Beispiel großer Unternehmen am besten beobachten. Sie liefern damit eine Blaupause, an der sich auch kleinere Firmen orientieren können. Zumal Cloud-Strategien allenthalben im Mittelpunkt stehen.

Große Unternehmen liefern die Grundmuster für digitalisierte Prozesse

„Digitalisierung ist kein Zukunftsthema. Digitalisierung findet jetzt und heute statt.“ Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer ließ bei der Fachtagung „Digitalisierung von Wirtschaft und Arbeitswelt“ Anfang Dezember 2014 in Berlin seinen Zuhörern keinen Entscheidungsspielraum mehr. „Schon heute haben zwei Drittel aller Beschäftigten in Deutschland einen digitalisierten Arbeitsplatz. Das heißt, sie arbeiten an einem Computer, an einem computerisierten System oder nutzen die Möglichkeiten digitaler Steuerung und Kommunikation zur Erledigung ihrer Aufgaben“, sagte der Chef des Bundesverbands der Deutschen Arbeitgeber (BDA). Zugleich machte er deutlich, dass es vor allem auf die Qualifikation und die Bereitschaft der Mitarbeiter ankomme, um einen entsprechenden Wandel zu vollziehen.

Große Unternehmen liefern die Grundmuster

In solchen Situationen richten sich die Blicke der kleinen und mittleren Unternehmen auf das Verhalten der großen Konzerne. Zum einen, weil es diesen mit ihren Ressourcen und organisatorischen Möglichkeiten leichter fällt, Vorreiter zu sein. Zum anderen, weil die KMU in vielen Fällen abhängig davon sind, wofür sich die Großen entscheiden. Das beginnt bei der Verfügbarkeit von Technologie, umfasst das weite Spektrum beruflicher Qualifikationen und berührt das Feld der B2B-Beziehungen, insbesondere bei Zulieferern.

Diese Blicke zeigen aufmerksamen Betrachtern zweierlei: In Richtung der Kunden ist die Digitalisierung schon relativ weit fortgeschritten. Dies ist überwiegend darin begründet, dass bisher analog (sprich: über Papier) abgewickelte Prozesse digitalisiert werden. Ebenfalls ein gewichtiger Teil der Digitalisierung findet bei der Automatisierung von Abläufen in der Produktion und Produktausstattung statt, bzw. bei der Ausdehnung der Kommunikation auf neue Kanäle.

Erprobung steht noch am Anfang

Was die interne Nutzung digitaler Verfahren angeht, stehen indes auch große Unternehmen noch am Anfang der Erprobung und Erforschung. Vollständig in die Tat umgesetzt finden sich in der Regel nur Teilprojekte. Eines zieht sich jedoch wie ein roter Faden durch alle Projektvorschauen, Konzeptpapiere und Anwendungsberichte: Über aller Digitalisierung von Arbeitsplätzen schwebt die „Cloud“.

Die Allianz digitalisiert die Kommunikation zu Kunden und Mitarbeitern

Beispiel Allianz: Der Konzern digitalisiert die Kommunikation zu Kunden und Mitarbeitern

Digitalisierung findet beim Versicherungskonzern Allianz in zwei Richtungen statt: sowohl zum Kunden wie auch zu den Mitarbeitern hin. Auch was die Arbeitsplatzgestaltung angeht, fährt das Unternehmen eine Doppelstrategie. Die Digitalisierung von Arbeitsprozessen verringere nicht nur die Zahl der Dienstreisen „und damit auch unseren CO2-Fußabdruck“, sondern erhöhe auch die Effizienz der Mitarbeiter, die auf internationaler Ebene tätig sind.

„Bei der Allianz stehen inzwischen beispielsweise Webinare und Videotelefonkonferenzen auf der Tagesordnung. Soziale Medien unterstützen die Globalisierung und fördern die Vielfalt der Belegschaft. Instrumente wie das Allianz Social Network (ASN) wurden entwickelt, damit Kollegen sich weltweit leichter vernetzen können. ASN ist eine digitale Plattform, die die Zusammenarbeit unter Kollegen durch den Austausch von Ideen, Know-how und Informationen unterstützt“, beschreibt das Unternehmen seine Strategie.

Mehr Flexibilität für mobiles Arbeiten

Mit der Digitalisierung einher geht ein Ausbau des mobilen Arbeitens. Es soll eine größere Flexibilität schaffen, indem Mitarbeiter mehr und mehr an unterschiedlichen Orten oder mit unterschiedlichen Arbeitsmodellen arbeiten können. Dafür werden die Allianz Private Cloud oder eigene Geräte genutzt. „Allerdings sind wir uns auch der potenziellen Stressquellen bewusst, die durch die tagtägliche Nutzung von digitalen Medien entstehen“, analysiert die Allianz. Um die potenziell negativen Auswirkungen der digitalisierten Arbeitswelt aufzufangen, habe man 2014 die „Work Well“-Initiative ins Leben gerufen.

Unter anderem stehen dadurch konzernweit eine Vielzahl von Aktivitäten, Hilfsmitteln und Materialien wie beispielsweise Workshops, Seminare, Broschüren und gesundheitsfördernde Maßnahmen zur Verfügung. Sie sollen Mitarbeiter dabei unterstützen, gesund zu bleiben und mit Stresssituationen besser umzugehen. „Digitalisierung bedeutet Veränderung“, ist man sich bei der Allianz bewusst. „Die Mitarbeiter müssen sich immer wieder auf die neuen Technologien einstellen. Um sie dabei zu unterstützen, die notwendigen Fähigkeiten für das digitale Zeitalter aufzubauen, bietet die Allianz verschiedene Trainingsmöglichkeiten an.“

ThyssenKrupp erleichtert mit Digitalisierung die Zusammenarbeit

Beispiel ThyssenKrupp: Das Unternehmen erleichtert mit Digitalisierung die Zusammenarbeit

Der Metall- und Technologie-Konzern ThyssenKrupp zieht mit seinen 80.000 Computer-Arbeitsplätzen und 10.000 Serversystemen weltweit in eine Cloud um. Als Dienstleister hostet die Deutsche Telekom dann alle Daten in fünf Rechenzentren auf vier Kontinenten.

„Unser Ziel ist es, konzernweit eine integrierte IT-Landschaft zu schaffen, die die globale Zusammenarbeit einfacher und effizienter macht, aber auch die unterschiedlichen IT-Bedürfnisse der Konzernsparten bedient", sagte Klaus-Hardy Mühleck, Chief Information Officer ThyssenKrupp AG bei der Bekanntgabe des Projekts im Dezember 2014. „Bei diesem Großvorhaben gehen wir eine strategische Partnerschaft mit T-Systems ein. Auch beim wichtigen Thema IT-Sicherheit bauen wir auf die Expertise von T-Systems.“

„Je komplexer die IT-Welt eines Unternehmens, desto notwendiger die Migration in die Cloud: Nur sie reduziert die Kosten, steigert die Effizienz und erhöht die Flexibilität der IT“, sagte beim gleichen Anlass Reinhard Clemens, Vorstandsmitglied Deutsche Telekom AG.

Mitarbeiter der ThyssenKrupp erhalten ihre Arbeitsplatzdienste inklusive Applikationen, wie Microsoft Exchange, Microsoft SharePoint und Microsoft Lync, künftig direkt aus der sicheren Telekom-Cloud. Mitarbeiter des Industriekonzerns können dadurch die Geräte am Arbeitsplatz weltweit flexibel und einfach nutzen sowie Daten und Dokumente sicher austauschen.

Deutsche Bahn erhöht technische Qualität und modernisiert Recruiting

Beispiel Deutsche Bahn AG: Technische Qualität erhöhen und Recruiting modernisieren

Innerhalb ihrer Digitalisierungsoffensive arbeitet die DB derzeit an mehr als 150 Projekten. In allen Bereichen des Unternehmens – vom Personen- über den Güterverkehr, die Logistik, die Infrastruktur und die Produktion bis zum IT-Bereich – werden Zukunftsszenarien entworfen und bewertet. „Mit all diesen Initiativen verfolgen wir ein Ziel: unsere Angebote attraktiver zu machen. Wir wollen unsere Kunden besser informieren und sie komfortabler ans Ziel bringen“, sagt der DB-Vorstandsvorsitzende Dr. Rüdiger Grube. Es sei dies die größte Herausforderung an das Unternehmen seit der Bahnreform.

Nicht von ungefähr zielt die überwiegende Mehrheit der Bahn 4.0-Projekte in Richtung Kunden. Einige Leuchtturmprojekte betreffen aber auch die interne Organisation. So erfassen elektrische Loks durch Sensoren während der Fahrt technische Daten über Abnutzung oder Schäden am Fahrzeug und senden diese Information direkt an die Werkstatt. Hier kann geplant werden, wann die Instandhaltung erfolgt und welches Material dazu benötigt wird. So werden Ausfälle vermieden und Zeit sowie Kosten gespart. Bis 2020 werden rund 2.000 intelligente eLoks durch ganz Europa rollen. Auch bei Güterwagen wird verstärkt in Sensortechnik und Telematik investiert.

Schnellerer Zugriff auf Information

Eine weitere Initiative erforscht neue Kundenanforderungen an die IT und sucht angesichts einer wachsenden Datenmenge nach intelligenten und einfachen Lösungen – für Kunden und Mitarbeiter. Die Plattform Rail-in-Motion (RiM) beispielsweise ermöglicht Triebfahrzeugführern und dem Bordpersonal über das Tablet Zugriff auf Informationen für ihre Arbeit. Wichtige Dokumente wie Weisungen und Richtlinien stehen dem Anwender in der aktuellsten Version elektronisch zur Verfügung.

Bei der Auswahl neuer Mitarbeiter geht die Bahn im Rahmen von Arbeitswelten 4.0 ebenfalls neue Wege. „Mobiles Recruiting“ ist hier nur ein Stichwort. Über die digitalen Netzwerke ist die DB beispielhaft unterwegs, um Nachwuchs für das Unternehmen anzusprechen. Mit Blog „db-unplugged“ kommen seit Sommer 2015 Azubis der Bahn direkt mit Schülern in Kontakt, die einen Ausbildungsplatz suchen.

Eher um eine Optimierung der internen Prozesse geht es bei den Initiativen IT 4.0 und Produktion 4.0. „Das alles zeigt: Der digitale Wandel ist eine Angelegenheit des gesamten Unternehmens und mir als Vorstandsvorsitzendem ein persönliches Anliegen“, betonte Grube. Deshalb sei bei ihm das zentrale „Competence Center Digitalisierung“ der DB angesiedelt.

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