Überraschung: Hierarchie darf sein

Die nachwachsende Generation an Führungskräften denkt und handelt anders, als manches Vorurteil uns weißmachen will. Man braucht nur mal zu fragen.

„Vorurteile halten warm.“ Es war ein sehr erhellendes und anregendes Buch mit diesem Titel, das Jörg von Uthmann vor 20 Jahren geschrieben hat. Etwas ausführlicher könnte man den Inhalt auch so zusammenfassen: Die Schubladen, in die wir uns Unbekanntes einsortieren, enthalten ein Wellness-Programm für unser Gehirn.

Wer sich unter altgedienten Führungskräften umhört, stößt auf solche Wellness-Programme häufig dann, wenn es um den Umgang mit den „Digital Natives“ geht. Also der nachwachsenden Generation auf dem Arbeitsmarkt, die – zum Glück! – noch so weit vom Chefsessel entfernt scheint, dass man sich keine ernsthaften Gedanken über deren Ideen und Ansichten zu machen braucht.

Wie jedes Vorurteil ist auch dieses mit Irrtum gesättigt.

Der GfK Verein und das St. Gallen-Symposium haben sich nun unlängst die Mühe gemacht, die Schubladen zu öffnen und gründlich darin zu wühlen. Wie? Sie haben einfach die „Leaders of Tomorrow“ selbst gefragt. Wie immer, wenn sich Vermutung von Realität trennt – die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen – kommt dabei erstaunlich Nahrhaftes zu Tage.

Zum Beispiel dass diese „Digital Natives“ hierarchische Strukturen in Unternehmen für alles andere als überholt halten. Offenbar tut Differenzierung not. Zitat: „Zwei Drittel der jungen Top-Talente halten zumindest bei Projekten klare Führungs- und Verantwortungsstrukturen für wichtig. Dazu gehört ein verantwortlicher Projektleiter, der auch in der Lage sein muss, Entscheidungen für das Team zu fällen. An ihre Führungskräfte stellen die Leaders of Tomorrow allerdings sehr hohe Ansprüche: Wichtigste Aufgabe einer Führungskraft sei es, das Team zu inspirieren und ihm eine Vision zu vermitteln, die das Team auf ein gemeinsames Ziel hin orientiert und motiviert. Die Einbeziehung der Meinung des Teams wird von einem Manager zwar erwartet, aber gleichzeitig eine schnelle Entscheidung mit klarer Kommunikation gefordert.“

Uppsala, das hört sich nach Arbeit an. Vor allem aber nach Kommunikation. Einer Kommunikation, die nicht über Mailbox oder Smartphone geführt wird, sondern von Angesicht zu Angesicht. Also durchaus im Stile der „old school“. Na, da wäre ja schon mal eine gemeinsame Basis gefunden. Jetzt braucht es nur noch einen Termin. Die Vorurteile bitte an der Garderobe abgeben.

Ulrich Pfaffenberger