„Unternehmen müssen Rechtssicherheit schaffen“

29. Juni 2018

Das Arbeitszeitgesetz stammt von 1994, als die Digitalisierung der Arbeitswelt noch reine Zukunftsmusik war. Wie lässt sich ein sicherer gesetzlicher Rahmen für Arbeitsformen schaffen, die heute für viele bereits Realität sind?

Frau Cellier, passt aus Ihrer Sicht das Arbeitszeitgesetz noch zur Arbeitswelt?
Als das Arbeitszeitgesetz 1994 verabschiedet wurde, war die Arbeitswelt noch eine ganz andere. Klar ist natürlich, dass aktuelle Trends wie hyperflexible Arbeitszeiten und ständige Erreichbarkeit darin nicht vorgesehen sind. Aber wir brauchen Rechtssicherheit für moderne Arbeitszeitmodelle. Denn es sind längst nicht mehr nur die großen Unternehmen, die Smartphones verteilen und flexibles Arbeiten erlauben. Auch kleine und mittlere Arbeitgeber setzen immer mehr auf neue Arbeitszeitmodelle. Damit kommt das flexible Arbeiten bei der Mehrheit der Arbeitnehmer in Deutschland an. Und das bedeutet, dass Unternehmen durch neue Betriebsvereinbarungen zu Arbeitszeiten Rechtssicherheit schaffen müssen. Denn Hilfe aus der Politik ist leider nicht in Sicht.

Wie könnten diese Betriebsvereinbarungen in der Praxis aussehen?
Das Arbeitszeitgesetz gibt in der Regel acht Stunden Arbeitszeit und elf Stunden Ruhezeit vor. Um passende Betriebsvereinbarungen für die moderne Arbeitswelt zu finden, müssen Unternehmen ihre Betriebsräte und Gewerkschaften mit ins Boot holen. Diese möchten natürlich die Errungenschaften der vergangenen Jahrzehnte nicht über Bord werfen oder die Arbeitszeit komplett entgrenzen. Hier sind Interessenskonflikte vorprogrammiert. Die Betriebsvereinbarungen müssen gewissermaßen die „Quadratur des Kreises“ schaffen: neue Modelle ermöglichen, ohne alte Arbeitnehmerrechte zu verletzen. Wobei diese Rechte von den Arbeitnehmern selbst ganz unterschiedlich verstanden werden: Der 60-jährige Facharbeiter wird eine andere Meinung dazu haben als der 20-jährige Informatiker.

Wenn die reguläre Arbeit immer flexibler wird, was bedeutet das für die Zeitarbeit?
Früher wurde flexible Arbeit oftmals mit Zeitarbeit gleichgesetzt, und das nicht immer im positiven Sinne. Das hat sich komplett gedreht. Arbeit auf Projektbasis und flexible Arbeitsmodelle gibt es heute in vielen Unternehmen. Das Prinzip, auf Zeit an unterschiedlichen Aufgaben zu arbeiten, ist normal geworden. Das hat auch einen positiven Effekt auf die Zeitarbeit. Sie ist ein normales Beschäftigungsverhältnis wie jedes andere auch.
Unternehmen müssen zukünftig noch stärker individuellen Bedürfnissen gerecht werden. Flexible Arbeitsmodelle können dabei helfen, dürfen aber auch nicht ausgereizt werden. Etwa bei den Arbeitnehmern, die eine zu hohe Flexibilität überfordert. Hier sind Arbeitgeber und Betriebsräte gefragt, Vereinbarungen zu entwickeln.

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Über die Interviewpartnerin

Damienne Cellier ist seit 2016 Gesamtbetriebsratsvorsitzende bei Randstad Deutschland. Die Betriebswissenschaftlerin kam 1998 als Disponentin zu Randstad und wurde 2002 sie in den Betriebsrat gewählt.

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