Urlaub? Im Prinzip ja, aber...

22. Januar 2012

Welches Verfahren auch immer ein Unternehmen wählt, um den Urlaub seiner Mitarbeiter zu koordinieren: Hundertprozentige Zufriedenheit ist so gut wie ausgeschlossen. Der leicht zugespitzte „Wegweiser für Urlaubsplaner“ wägt augenzwinkernd die Stärken und Schwächen der einzelnen Verfahren gegeneinander ab.

Prinzip Recht & Ordnung: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Zumindest die großen Urlaube von mehr als zwei Wochen müssen bereits zum Beginn des Jahres eingetragen sein. Wer als zweiter die KW 25 bis 27 belegen will, hat Pech gehabt. Belohnt die Gewohnheitstiere und engt den Spielraum für die Flexiblen ein.

Prinzip Familie: In Ferienzeiten haben Eltern schulpflichtiger Kinder das Vorbelegungsrecht. Ist nur gerecht, erfordert aber dringend eine Definition, welche Ferien gemeint sind. Sonst sind Fasching, Ostern, Pfingsten, der Sommer, der Herbst und Weihnachten für Alleinstehende und Kinderlose auf alle Ewigkeit blockiert.

Prinzip Glück: Am Anfang des Jahres zieht die Frau vom Chef aus der Lostrommel die Reihenfolge, in der die Mitarbeiter ihren Urlaubstermin wählen dürfen. Oder die Wochen, in denen sie frei haben. Oder eine Kombination von beiden. Als Incentive bekommen die jeweils Abteilungsbesten Extra-Lose oder werden als Gruppenköpfe gesetzt. Ähnlich spannend wie die Auslosung einer Fußball-WM – und mit Potenzial für ähnliche Dramen ausgestattet.

Prinzip Casting: Vor einer Jury aus Führungskräften und Mitarbeitern muss jeder begründen, warum er wann in Urlaub gehen möchte. Die originellsten Begründungen haben ausgiebigen Unterhaltungswert, Jubelschreie und Tränen garantiert und mit Sicherheit ein Fall für den AGG-Anwalt.

Prinzip Handarbeit: Eine verlässliche Kraft übernimmt in mühe- und liebevoller Kleinarbeit die Koordination der Urlaubspläne und -wünsche aller Kolleginnen und Kollegen. Wochenlang schleicht sie mit Block und Blei durch die Firma, sondiert, notiert, radiert, um dann einen Kompromiss zu präsentieren, gegen den die friedliche Koexistenz von NATO und Warschauer Pakt ein Kinderspiel war. Das Unternehmen behält ein Zehntel des Urlaubsgeldes ein, um dieser Kraft alle drei Jahre eine viermonatige Kur auf Hawaii zu spendieren.

Prinzip Rotation: Die einen dürfen in geraden Jahren zuerst wählen, die anderen in ungeraden. Erfordert eine exakte Buchhaltung und einen unbestechlichen Regulierer.

Prinzip Diktatur: Der Chef bestimmt, wann die Bude dicht ist und wann alle zum Malochen anzutreten haben. Ist nicht legal, aber bevor man gar nicht mehr rauskommt …

Prinzip Tyrannei: Der Chef braucht keinen Urlaub, also brauchen die Mitarbeiter auch keinen. Wenn doch, dann ziehen sie sich den Unmut und die Verachtung des Chefs zu bzw. derer, die dem Chef erklären müssen, warum da doch jemand in Urlaub will. Urlaubsgeld gibt es sowieso keines.

Prinzip Kolchose: Der Firma gehört eine Insel in der Ostsee. Dort machen alle Urlaub. Gemeinsam. Jedes Jahr im November. In allen anderen Monaten wird sie an Urlauber anderer Firmen vermietet.

Prinzip Paradies: Die Arbeit ist so toll, erfüllend und entspannend, dass keiner in Urlaub will.

Prinzip Chaos: „Lassen Sie die Leute von selbst machen, das regelt sich schon.“ Unternehmen, die diesem Prinzip folgen, laufen spätestens kurz vor Beginn der großen Sommerferien Gefahr, dass ihre Mitarbeiter mehr Zeit mit Auseinandersetzungen über „Wer bleibt, wer muss bleiben, wer geht, wer muss gehen?“ verbringen als mit produktiver Arbeit. Dass sich die Sache schon regelt, stimmt insofern, als Mitarbeiter, die das nicht mehr ertragen, von selbst gehen. Aber nicht nur in Urlaub, sondern für immer.

Prinzip Powerpoint: Jedes der vorgenannten Prinzipien lässt sich wunderschön mit einem der unzähligen am Markt erhältlichen computergesteuerten Urlaubsplanungsprogrammen umsetzen und visualisieren. Wer daraus die schönste Präsentation macht, bekommt einen Tag Sonderurlaub.

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