Virengefahr der anderen Art

Mitarbeiter, die trotz Erkrankung zur Arbeit kommen, sind ein unterschätzter Risikofaktor im Unternehmen. Die Ansteckungsgefahr für gesunde Kollegen ist hoch.

Virengefahr der anderen Art

„S-Bahn-Grippe“ nennen Berufspendler in Großstädten wie Frankfurt, München oder Berlin den ersten Ausbruch einer Erkältung im Winter. Wenn das Immunsystem noch nicht gestählt ist, besteht bei den Fahrten im Massentransportmittel häufig der Basisschutz vor Ansteckungen. Am Arbeitsplatz, in Umkleideräumen oder Kantinen setzt sich das Risiko fort, mit unerwünschten Keimen, Bakterien oder gar Viren infiziert zu werden.

Krank zur Arbeit – ganz normal?

Hauptursache für diese Ansteckungsgefahr: Statt zuhause zu bleiben und sich gesund zu pflegen, fühlen sich Menschen bedrängt oder gefordert, dennoch am Arbeitsplatz zu erscheinen. Ihre Anwesenheit wird oft billigend in Kauf genommen. Nicht alle Arbeitgeber kommunizieren offensiv die Risiken. Manche begnügen sich mit Hinweisen aufs „Händewaschen“ in den Toiletten, manche vertrauen auf ein „Es wird schon irgendwie gutgehen“.

Singles besonders gefährdet

  • Die Dimension des Problems machen Zahlen deutlich, die die AOK veröffentlicht hat:
  • Mehr als 71 Prozent der hiesigen Arbeitnehmer sind binnen eines Jahres mindestens einmal krank zur Arbeit gegangen.
  • Rund 30 Prozent erschienen sogar gegen den ausdrücklichen Rat ihres Arztes am Arbeitsplatz.
  • Etwa 13 Prozent nahmen zur Genesung extra Urlaub.
  • Die meisten Singles gehen krank zur Arbeit – fast 80 Prozent von ihnen.
  • Rund 42 Prozent der selbstständig Beschäftigten gaben an, in den vergangenen zwölf Monaten zwei Mal oder öfter trotz Krankheit arbeiten gegangen zu sein.

Erhöhtes Risiko für Kollegen und Firma

Die Motive sind vielfältig – von Angst vor Jobverlust bis zum Statusdenken. Auch eine falsch verstandene Solidarität mit dem Team oder den Vorgesetzten spielt eine Rolle, gerade wenn sich auf dem Weg zum Jahresende hin die Arbeit häuft. Gleichwohl erhöht sich dadurch das Risiko, dass ein kranker Mitarbeiter sogar teure Fehlentscheidungen trifft oder Unfälle verursachen kann, und noch dazu alle im Büro ansteckt. Nicht zu vergessen die reduzierte Produktivität von Mitarbeitern, die nicht voll bei Kräften sind oder unter dem Einfluss von Medikamenten stehen.

Wertschätzung als Medizin

Experten für Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) ordnen Vorbeugeprogramme gegen solche Risiken daher auf einer höheren Ebene ein. „Eine gute Unternehmenskultur fördert nicht nur das Wohlbefinden und die Leistungsbereitschaft der bestehenden Belegschaft“, heißt es zum Beispiel seitens der Techniker Krankenkasse (TK). „Fühlen sich die Mitarbeiter wertgeschätzt, arbeiten sie auch zielorientierter, fehlen seltener oder kommen nicht krank zur Arbeit, weil sie Konsequenzen fürchten, und reduzieren so die Ansteckungsgefahr und Fehlerquote.“

Genesungszeit gut für die Bilanz

Auch die DAK rät: „Sofern es sich nicht um eine Wiedereingliederung handelt, sollten kranke Mitarbeiter zu Hause bleiben. Ihre Abwesenheit kann zwar zu Produktionsausfällen führen und mehr Koordinierung erfordern. Aber die Genesungszeit und somit Fehlzeit fällt wahrscheinlich kürzer aus, bei Infekten sind die Kollegen vor Ansteckung geschützt und es kommt seltener zu Rückfällen. Am Ende steht eine positive betriebswirtschaftliche Bilanz.“

Grippeschutz als Angebot

Gleichzeitig haben Unternehmen die Möglichkeit, aktiv zum Gesundheitsschutz beizutragen – zum Beispiel durch eine betriebliche Grippeschutzimpfung. Die Vorteile liegen auf der Hand:

  • Beratung, Durchführung und Dokumentation der Impfung lassen sich im Rahmen der betriebsärztlichen Beratung ohne zusätzlichen Kosten ansiedeln.
  • Der Impfstoff wird weitestgehend durch die Krankenkassen zurückerstattet.
  • Weitere Kosten, die für die Impfung von Mitarbeitern anfallen, lassen sich über die betriebliche Gesundheitsförderung budgetieren.