Wenn ein Unternehmen den Besitzer wechselt

Wenn eine Firma den Besitzer wechselt, aus welchem Grund auch immer, gehen nicht nur Immobilien, Produktionsmittel und Unternehmensvermögen in neue Hände über. Auch das Kostbarste gehört dann einem neuen Herrn: die Mitarbeiter, ihr Wissen, ihre Fähigkeiten und ihre Leistungsbereitschaft. Deren Wert zu erhalten, gehört zu den größten Aufgaben der neuen Führung.

Hochqualifizierte wittern als erste die Veränderung

Frühzeitig die Personalabteilung einzubinden, ist überall dort geraten, wo zwangsweise Änderungen der Regeln und des Geschäftsprinzips absehbar sind. Denn solche Maßnahmen werden in der Regel vorzeitig zu einer Abwanderung von Highpotentials führen, wenn diese nicht in einen (unverzichtbaren) Veränderungsprozess eingebunden werden. Gerade sie sind in der Lage und dafür gerüstet, dem drohenden Unheil zu entfliehen. zu Wissen kompakt

Kein Unternehmen unterbindet den „Flurfunk“ so effizient, dass nicht jene, die sowieso schon mit offenen Ohren und Augen am Betriebsgeschehen teilhaben, etwas von den anstehenden Schritten mitbekommen. Gerade ihre hohe Qualifikation macht sie besonders sensibel für Veränderungen.

Wer’s zu spät merkt, zieht sich ins Phlegma zurück

Die verbleibenden Kräfte wiederum ziehen sich tendenziell ins Phlegma zurück oder kultivieren einen mehr oder weniger unterschwelligen Widerstand, der schlimmstenfalls in Minderleistung und Minderqualität mündet und direkt beim Kunden ankommt. In beiden Fällen sind intensive Kommunikation und begleitende Maßnahmen schon im Vorfeld das Mittel der Wahl, um ein Herausbrechen von Edelsteinen aus dem Kronschatz des Unternehmens zu verhindern.

Das Überstülpen einer neuen Gesellschaftsordnung nach der Übernahme, der Fusion oder dem Eigentümerwechsel wird von Mitarbeitern als Zwangsmaßnahme nach einer unverschuldeten Niederlage empfunden. Wie ein grober Neuschliff bei einem aus der Fassung gebrochenen Edelstein richtet es mehr Schaden an, als es je Nutzen stiften kann. Auf absehbare Zeit sind der Betriebsfrieden und die Arbeitsqualität gestört – auch wenn die neuen Regeln noch so fundiert, bewährt und guten Willens aufgesetzt worden sind.

Ein guter Herr kennt seine Schätze

Ein guter Herr, das wissen insbesondere jene Consultants und Coaches, die sich in Übergabeverhandlungen und bei Nachfolgeregelungen ihre Meriten verdient haben, der kennt die Talente und Fähigkeiten seiner Mitarbeiter. Der alte Herr aus Erfahrung, der neue Herr, weil er sich beim alten darüber schlau gemacht hat. Es ist keine Frage der Phase, in der sich ein Unternehmen gerade befindet, sondern eine dauerhafte Arbeit an vitalen und flexiblen Strukturen. zum Gastkommentar

Gute Herren integrieren ihre Talentträger in Teams, fördern sie in ihren Stärken zugunsten des Unternehmens und geben ihnen einen verlässlichen und glaubwürdigen Verhaltenskodex. Wenn diese richtig gut sind, geben sie nur die Leitlinien vor und lassen ihre Personalverantwortlichen handeln. Durch das Stärken von Eigenverantwortung setzen sie Kräfte frei, die in Selbsthilfe mögliche Gräben überbrücken und Gegensätze ausgleichen. Das eröffnet ihnen dauerhaft die Möglichkeit, ihre Vorstellungen und die der Mitarbeiter unter einen Hut zu bringen. So sind die besten Voraussetzungen geschaffen, das der Käufer seine Chancen blitzen und blinken sieht, wenn er den Laden betritt.

Veränderung ist kein „weiches Thema“

Erfahrene Trainer auf dem Sektor „Change Management“ haben gelernt, ihre Klienten vor allem auf eines aufmerksam zu machen: Veränderung ist nicht nur ein Thema, wenn harte Schnitte anstehen. Es gehört heute zum unverzichtbaren Instrumentarium einer Führungskraft, aktives „Change Management“ auch schon auf kleinster Ebene zu etablieren. Hier bestehen Defizite quer durch die Branchen und Betriebsgrößen.

Ein Grund dafür ist die Einstufung von Veränderungsmanagement als „weiches Thema“ – auch in strategisch wichtigen Initiativen. Als Folge steht Change Management nicht im Fokus der Wahrnehmung. Dabei haben Führungskräfte als Orientierungspunkte, Zielgeber und Vorbilder für jeden Mitarbeiter die entscheidende Funktion, um die Bereitschaft zum Mitmachen zu aktivieren und die Akzeptanz für Veränderung zu stärken. zu Wissen kompakt

Personalabteilung hat die nötige Übersicht

In jedem Fall ist – schon wegen der dort vorhandenen Kenntnis über die Qualifikation und die Potenziale jedes Mitarbeiters – die Personalabteilung bei jedem Veränderungsprozess in einer Schlüsselfunktion. Wie der Uhrmacher kennt sie den detaillierten Aufbau der Organisation, wie der Goldschmied weiß sie um die verarbeiteten Werte und wie der Juwelier kann sie edle und weniger edle Steine auf Anhieb unterscheiden.

Organisationsentwicklung und Personalentwicklung sind daher untrennbar miteinander verbunden. Aus den Redensarten „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr“ und „Jede Kette ist so stark wie ihr schwächstes Glied“ lässt sich ableiten, dass die Zusammenführung unterschiedlicher Kulturen nicht am großen Ganzen scheitert sondern an vielen kleinen Details. Womit sich ohne großen Aufwand beweisen lässt, dass ein kontinuierlicher Strukturwandel, der Unternehmer und Unternehmen unabhängig voneinander funktionieren lässt, die ideale Strategie für Gegenwart und x-beliebige Zukunft ist.

Illustrationen: Daniel Althausen