Zehn Gebote und ein Irrtumsverbot

26. August 2013

Für effiziente Collaboration gelten die gleichen Regeln, die auch sonst für gutes Teamwork oder ganz normale Zusammenarbeit am Arbeitsplatz angebracht sind. Allerdings sind sie auf die Integration Nicht-Anwesender und mit Rücksicht auf flexible Arbeitsformen anzupassen.

Gebot 1: Du sollst Vorbild sein

Insbesondere Vorgesetzte, die ihre Mitarbeiter von der Wirksamkeit der Collaboration überzeugen wollen, sind gehalten, sich vorbildlich zu verhalten. Die Form, in der sie Zusammenarbeit leben, ist die Blaupause für alle. Dies gilt gleichermaßen für den Umgang mit der Technik wie mit den individuellen Freiheiten.

Gebot 2: Du sollst erzählen und erzählen lassen


Wer teilen will oder soll, muss wissen, was es zu verteilen gibt. Mehr denn je sind in collaborativen Umgebungen die Gespräche untereinander gefragt – wobei Führungskräfte gut daran tun, nicht nur selbst mitzuteilen, sondern ihre Zusammenarbeiter zu motivieren, ihr Wissen und ihre Meinung offen weiterzugeben. Internet, Smartphone und Co. sollten dabei nicht der einzige Weg sein; ein regelmäßiger und hoher Anteil persönlicher Gespräche ist wichtig.

Gebot 3: Du sollst Fehler einsehen und zugeben

„Entschuldigung, das habe ich falsch gesehen/gemacht.“ Dieser Satz wirkt bei der Collaboration wahre Wunder. Denn er zeugt von Einsicht und von Respekt für die Ideen und Handlungen der anderen und schafft Freiraum für gemeinsame Entwicklungen. Insbesondere beim gemeinsamen, aber zeitlich und räumlich getrennten Arbeiten an Projekten und Dokumenten sollte dies ohne Zeitverzug erfolgen.

Gebot 4: Es ist besser, Emotionen im Griff zu behalten


Wo Menschen zusammenarbeiten, ist es unmöglich, Gefühle und Befindlichkeiten zu ignorieren. Alle Beteiligten, vor allem Führungskräfte und Teamverantwortliche, sollten aber erkennen lernen, wenn Gespräche oder Diskussionen von der fachlichen auf die emotionale Ebene abrutschen – und eingreifen. Dies gilt in besonderem Maße für die Steuerung und Moderation von elektronisch geführten Diskussionen und Dialogen. Gleichzeitig ist jedoch Fingerspitzengefühl gefragt. Sind doch Enthusiasmus und Leidenschaft wertvolle Antriebskräfte für eine Collaboration, die über die Papierform hinausgeht.

Gebot 5: Es hilft allen, zuzuhören und Standpunkte aufzugreifen


Konfrontation und Ignorieren führen Collaboration ins Nichts. Zuhören können und die Fähigkeit, sich in die Position des anderen zu versetzen, beschleunigen dagegen den Prozess gemeinsamen Arbeitens. Dies bricht in vielen Fällen die herkömmliche hierarchische Dominanz – und verlangt ungeteilte Aufmerksamkeit im Gespräch. Eine entsprechende Kultur ist Voraussetzung für Collaboration.

Gebot 6: Du sollst Ideen überzeugend präsentieren


Nicht nur jene, die aus ihrer Position heraus oder in Zusammenhang mit ihrem Arbeitsplatz sowieso trainiert sind, Inhalte und Meinungen öffentlich vorzustellen, sollen dieses Talent in die Collaboration einbringen. Diese Fähigkeit ist von jedem gefordert, zumal wenn räumliche Distanz oder überwiegend virtuelle Dialoge im Spiel sind. Die Haltung „Das ergibt sich schon aus der Praxis“ führt dabei nicht zum Ziel, es braucht entsprechende Trainings und Anleitungen.

Gebot 7: Abwarten ist verboten, Abliefern ist Pflicht


Ob es nun um wirksames Zeitmanagement geht oder um das verbindliche Einhalten vereinbarter Termine – in einer collaborativen Umgebung ist das Liefern erfüllter Aufgaben und Aufträge die harte Währung, auf die sich alle verlassen. Eventuell auftauchende Hindernisse oder Schwierigkeiten gehören sofort auf den Tisch und geklärt. Individuelle Defizite müssen ausgeglichen, entsprechende Arbeitsmethoden geschult werden.

Gebot 8: Du sollst bescheiden bleiben

Sowohl die Einstellungen „Ich weiß doch schon alles“, „Das haben wir immer schon so gemacht“, „Das hat doch mit unserer Arbeit nichts zu tun“ und „Da könnte ja jeder kommen …“ als auch eine mangelnde Bereitschaft zum Dienen wirken in der Collaboration schädlich. Dies gilt auch, wenn innerhalb eines Teams unterschiedliche technische Geräte und Kommunikationsformen genutzt werden – hier ist zunächst keine(s) minderwertig oder veraltet.

Gebot 9: Du sollst die Dynamik von Netzwerken beherrschen

Je leichter der Zugang zu einzelnen Mitarbeitern durch technische Hilfsmittel wird, umso bedeutsamer ist die Erkenntnis, dass zwar die Kommunikationswege einfacher werden – die Menschen aber nicht. Im Gegenteil wächst mit der Zahl der möglichen Ansprechpartner die Bandbreite persönlicher Eigenschaften und Botschaften, mit denen der Einzelne konfrontiert wird. Dies beherrschen zu lernen – dafür ist persönliche Anleitung genauso gefragt wie, siehe Regel 1, das Vorbild.

Gebot 10: Du sollst Mensch bleiben

Die wachsende Zahl der Verbindungen und Kommunikationsmöglichkeiten führen dazu, dass unsere Fähigkeit Mensch zu sein und andere Menschen zu erkennen, immer häufiger auf den Prüfstand gestellt wird. Davon hängt ab, wie weit die Work-Life-Balance ausgeglichen ist. Ist sie das nicht, sind die Fähigkeiten zur Collaboration eingeschränkt. Die Pflege der „Human Resources“ gewinnt für den Einzelnen wie für die Organisation damit an Bedeutung.

Irrtumsverbot: Du sollst Dich nicht sklavisch an diese Gebote halten. 
Wahre Collaboration lebt zu großen Stücken aus sich selbst und findet auch Wege, sich selbst zu ordnen. Im Zweifelsfall helfen die zehn Gebote dabei. Und die Erkenntnis, dass „Kooperation“ etwas anderes ist als „Koordination“.

investor relations