Zeitenwende in den Köpfen

13. Mai 2015

Anfängliche Gedanken für eine Neuausrichtung haben erste Schritte in eine alternative Denkrichtung ausgelöst: Personalführung von morgen stellt sich dem Wandel der „grenzenlosen Arbeitswelt“.

Am ersten Tag diskutierten sie noch jene Themen, die auf der Hand liegen. Den demografischen Wandel zum Beispiel oder die Vereinbarkeit von Karriere und Familie. Am zweiten Tag des 21. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Personalführung e.V. (DGFP) im Mai 2013 öffneten die Teilnehmer dann den Vorhang vor dem Fenster zur Zukunft ihrer Arbeit: Sie starteten mit der Frage in den Tag, wie HR-Theorie und HR-Praxis in der Aus- und Weiterbildung sowie in der Forschung, aber auch im unternehmerischen Alltag stärker miteinander verzahnt werden können.

Kooperation erweitert die Möglichkeiten

Experten zogen an den Vorhangschnüren: „Es gibt ausreichend Möglichkeiten der Kooperation, man müsste nur stärker aufeinander zugehen", sagte Prof. Dr. Heiko Weckmüller, Gesamtstudienleitung Hochschulzentrum Bonn, FOM Hochschule für Oekonomie & Management. Katharina Heuer, Vorsitzende der Geschäftsführung der DGFP, forderte die anwesenden Vertreter der Hochschulen zu einer engeren Zusammenarbeit auf. „Wir müssen aus unserem eigenen Interesse enger mit der Wissenschaft kooperieren, um sicherzustellen, dass das Wissen und methodische Know-how der Hochschulen für die Unternehmenspraxis stärker nutzbar wird“, sagte sie.

Danach ging es ans Eingemachte: In den weiteren Diskussionsrunden und Trendforen beschäftigten sich Referenten und Teilnehmer mit der Bedeutung von Werten und Nachhaltigkeit in der Unternehmensführung. Personaler benötigen ein gutes Verständnis der Unternehmensziele und -werte, um diese über die Führungskräfte in der Organisation zu verankern. Das hoben Detlef Hartmann, Vorstandsmitglied der E.ON Energy from Waste AG, Dr. Thomas Marquardt, Global Head of Human Resources, Infineon Technologies AG und Professor Sonja A. Sackmann, Lehrstuhl für Arbeits- und Organisationspsychologie der Universität der Bundeswehr München, hervor.

Vorbilder bringen Veränderungen voran

„Führungskräfte müssen sich im Einklang mit unternehmerischen Ziele und Werten bewegen, um Vorbild zu sein“, erklärte Sackmann. „Wenn im Unternehmen etwas in Bewegung kommen soll, wenn Personalmanagement Zukunft gestalten will, dann müssen die Führungskräfte mit großer Sorgfalt ausgewählt werden und sie müssen auf die kommenden Aufgaben entsprechend vorbereitet werden.“

Zwei Jahre später steht das Fenster nicht nur sperrangelweit offen. Eine ganze Reihe von Personalverantwortlichen ist hindurch ins Freie gesprungen. Sie haben sich aufgemacht, die damals angesprochenen Ziele in die Tat umzusetzen. Wer sich ein Bild davon machen will, wie das aussieht, ist derzeit bei einem gemeinsamen Projekt des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) und der Bertelsmann-Stiftung an der richtigen Adresse: Es heißt „Führung in der grenzenlosen Arbeitswelt“.

Unter anderem die Befragung von rund 2.500 Führungskräften hat dem Projekt weitreichende Erkenntnisse darüber beschert, wie sich die Chefetagen neu ausrichten – wollen oder müssen. Nachgeordnet ergeben sich Hinweise für die Unternehmensbereiche, die dafür Grundlagen schaffen – wollen oder müssen.

Teams nehmen Verantwortung in die Hand

Vor welcher Zeitenwende dabei die Personalarbeit steht, zeigt eine Passage aus der gerade veröffentlichten Broschüre Zukunftsfähige Führung - Die Gestaltung von Führungskompetenzen und -systemen: „Der einfachste Weg, seine Belegschaft in die neue Arbeitskultur zu führen, ist eine freiere Form der Projektarbeit. Sie erfolgt jenseits des Tagesgeschäfts, denn sie soll neue Freiheiten in der Arbeitsweise ermöglichen und interessierte Mitarbeiter zu mehr Eigeninitiative und Unternehmergeist führen. Anhand übergeordneter Zielsetzungen werden Teams künftig selbst über Ressourcen, Fachkräfte, Honorare und Urlaubstage entscheiden und damit im offenen Wettbewerb mit anderen Teams stehen. Die Teamkollegen werden anhand ihrer inhaltlichen, strategischen und sozialen Kompetenzen ausgewählt und nach jedem Projekt von allen Mitwirkenden beurteilt.“

Man kann das auch so lesen: Planung von Personalkapazitäten oder Zeugnisschreiben sind für die Personalabteilung bald Aufgaben von gestern. Ihre Kompetenz ist an anderer Stelle gefragt.

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