Arbeitsrecht: Geduldete Überstunden müssen bezahlt werden

Solange ein Arbeitgeber von den Überstunden seiner Mitarbeiter weiß und sie duldet, ist er verpflichtet, diese auch zu vergüten.

Das Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg entschied im Dezember 2011 einen Fall, in dem eine Mitarbeiterin eines Wohnungswirtschaftsbetriebs ihren Arbeitgeber auf Bezahlung geleisteter Überstunden verklagte. Die Klägerin hatte ihre Überstunden, nach Aufforderung ihres Vorgesetzten, in einer von ihm erstellten elektronischen Anwesenheitsliste protokolliert.

Aufgrund der Tatsache, dass der Vorgesetzte um die Erfassung der Arbeitszeit bat, kann davon ausgegangen werden, dass er beziehungsweise die Firma (also die Beklagte) von der Mehrarbeit Kenntnis hatte und sie duldete. Als die Beklagte nach Bitte der Klägerin die geleisteten und sogar schriftlich erfassten Überstunden nicht bezahlen wollte, ging diese vor Gericht.

In zweiter Instanz wurde die Beklagte, die zunächst in Berufung gegangen war, dann zur Zahlung des Wertes von 372 erfüllten Überstunden verurteilt. Der Leitsatz des Urteils vom LArbG Berlin-Brandenburg (Aktenzeichen 6 SA 1941/11) lautete: „Der Arbeitgeber muss sich die Duldung von Überstunden durch den Vorgesetzten als Direktionsbefugten zurechnen lassen.“