AGG: Ist die Suche nach einem „Berufseinsteiger“ altersdiskriminierend?

21. Februar 2014

Landesarbeitsgericht Düsseldorf geht von diskriminierendem Sachverhalt aus, wenn potenzielle Bewerber aufgrund ihres Alters ausgeschlossen würden.

Bisweilen bleiben auch Anwälte nicht vor den Tücken des Allgemeinen Gleichstellungsgesetzes (AGG) verschont. In einer Berufungsverhandlung hatte das Landesarbeitsgericht Düsseldorf darüber zu entscheiden, ob die Suche nach einem „Berufseinsteiger“ bereits eine Altersdiskriminierung darstellt.

In einer Stellenausschreibung einer Anwaltskanzlei war folgender Absatz zu finden:

„Suchen Sie nach einer realen Chance auf eine Partnerschaft in einer renommierten Anwaltskanzlei? Wir bieten eine spannende Alternative zu internationalen Großkanzleien, sowohl in beruflicher, wirtschaftlicher als auch persönlicher Hinsicht. Sie sind Berufseinsteiger oder haben bereits ein bis zwei Jahre als Rechtsanwalt in einer wirtschaftlich ausgerichteten Kanzlei gearbeitet".

Auf die Stelle hatte sich ein 60-jähriger promovierter Rechtsanwalt beworben, der seit 1988 als Einzelanwalt tätig ist. Nicht überraschend erhielt er von der Kanzlei eine Absage mit der Begründung, man habe sich anderweitig entschieden.

Gegen die Absage legte der Anwalt Klage vor dem Arbeitsgericht Essen wegen Altersdiskriminierung ein, die jedoch abgewiesen wurde. In der Berufungsverhandlung vor dem Landesarbeitsgericht Düsseldorf (13 Sa 1198/13) ließen die Richter erkennen, dass die Berufung aufgrund erheblicher Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Bewerbung zwar keine Aussicht auf Erfolg bestünde, allerdings sei davon auszugehen, dass bei der Stellenanzeige sehr wohl von einem diskriminierenden Sachverhalt auszugehen sei.

Nachdem sich die Beklagte verpflichtet hatte, einen Geldbetrag an eine gemeinnützige Einrichtung zu spenden – und damit einer Anregung des Landesarbeitsgerichts nachgekommen ist – hat der Kläger seine Berufung zurückgezogen.

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