Entwickelt sich Deutschland zum Zweitjobland?

31. März 2014

Mehr als drei Millionen Erwerbstätige in Deutschland haben mehrere Beschäftigungsverhältnisse – eine neue Rekordmarke. Auch im europäischen Vergleich sind die Zuwachsraten überdurchschnittlich hoch.

Im vergangenen Jahr hatten laut Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) erstmals mehr als drei Millionen Menschen neben ihrem Hauptberuf einen Zweitjob. Die Zahl der Arbeitnehmer mit einem Nebenjob hat sich damit seit der Wiedervereinigung mehr als verdreifacht – auf zuletzt 3,02 Millionen und erreicht damit einen neuen Rekordwert.

Dem IAB zufolge gibt es Nebenjobs vor allem im Gesundheitswesen und im Gastgewerbe. Dennoch seien sie über den gesamten Arbeitsmarkt "breit gestreut", sagt Arbeitsmarktforscher Prof. Dr. Enzo Weber. Auch jeder hoch Qualifizierte, beispielsweise in der IT-Branche, könne einen Nebenjob annehmen.

Die Gründe für die Aufnahme einer zweiten Tätigkeit, oftmals als sozialversicherungsbegünstigter Minijob deklariert, sind vielschichtig: Zwar gäbe es Geringverdiener, die aus finanzieller Not einen Zweitjob annehmen müssten, jedoch spielen auch gesteigerte Konsumwünsche bei der Aufnahme einer weiteren Beschäftigung eine große Rolle.

Als Hauptgrund für die hohen Zuwachsraten von Zweitjobs sieht Weber vor allem die Hartz-Reformen, die Vergünstigungen bei der Sozialversicherung im Nebenjob versprechen. So müssen Beschäftigte, die neben ihrem Hauptberuf einen Minijob ausüben, seit 2003 für diesen Nebenjob keine Sozialabgaben mehr bezahlen.

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit vom Juni 2013 hatten 1.508.305 aller sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen zusätzlich einen Minijob. Bei den Männern waren es 1.120.035 Personen.

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