Wenn Nachhaltigkeit und Mitarbeitermotivation Hand in Hand gehen, lassen sich Mitarbeitende oftmals mit leicht umsetzbaren Maßnahmen für mehr und effizienteren Umweltschutz im Betrieb begeistern.

Die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit, zwischen Theorie und Praxis beim „grünen Denken“ in Unternehmen wird kleiner, aber sie ist noch immer vorhanden. Als Schlüsselfaktor für eine überzeugende und dauerhafte Hinwendung zu mehr Ressourcen- und Energie-Effizienz gelten dabei nach wie vor die beteiligten Menschen. Wenn sie nicht mitspielen, bleiben selbst ausgefeilte Umweltmanagementsysteme ohne Leben. 

Umweltmanagementsysteme allein fruchten nicht

Das Umweltmanagement eines Unternehmens dient der Sicherung einer nachhaltigen Umweltverträglichkeit der betrieblichen Produkte und Prozesse einerseits sowie der Verhaltensweisen der Mitarbeiter andererseits. Ziel dabei ist es, Ressourcen im unternehmerischen Alltag zu schonen und Schwachstellen in Unternehmen systematisch aufzudecken und zu beseitigen. 

Dabei stehen verschiedene Systeme zur Verfügung, nach denen sich Unternehmen zertifizieren lassen können. Die bekanntesten sind die von der EU entwickelte EMAS-Verordnung und die Umweltmanagementnorm ISO 14001. Allein durch ihre Existenz haben sie schon einiges bewirkt – sind aber oft nicht ausreichend, um einen grundlegenden Bewusstseinswandel bei den Beteiligten im Alltagsbetrieb zu erzielen. 

Mitarbeiter fühlen sich oft machtlos

Dass es dort mitunter hakt, hat nachvollziehbare Gründe, sagt das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU): „Im beruflichen Umfeld empfinden Mitarbeiter nicht selten eine gewisse Ohnmacht, wenn es um Umweltaspekte geht. Zu komplex sind die Zusammenhänge, zu viele Kollegen müssen mit an einem Strang ziehen“, heißt es dort. Der Schluss daraus: „Das Wissen um umweltrelevante Aspekte allein genügt also nicht für funktionierenden Umweltschutz. Vielmehr müssen alle Beteiligten die nötige Motivation haben, um zum Beispiel gemeinsam Hürden zu identifizieren und aus dem Weg zu schaffen. Unter diesen Voraussetzungen kann umweltbewusstes Verhalten gelingen.“

Einfache Ideen schaffen Abhilfe

Gerade kleinere und mittlere Unternehmen sehen entsprechende Maßnahmen als eine Herausforderung, die die eigenen Kräfte zu überfordern scheint. Das LfU hat als Antwort auf diese Bedenken einen Leitfaden veröffentlicht, in dem einfache und überzeugende Ideen und Anleitungen zusammengefasst sind, wie sich Mitarbeiter für umweltfreundliches Verhalten motivieren lassen. Das Spektrum der praktischen Tipps reicht vom Raumklima bis zur Bewirtung, vom Kaffee bis zum Licht am Arbeitsplatz. 

Thema ständig im Bewusstsein halten

Was sich Unternehmen in Sachen Umweltbewusstsein auch immer zum Ziel setzen: entscheidend ist die Kontinuität. Die Information und Aktivierung von Mitarbeitenden braucht einen „roten Faden“, der dafür sorgt, dass sich ressourcenschonendes (und damit durchaus auch kostensparendes!) Verhalten festigt und nicht im Alltagsgeschäft aus dem Blick gerät. Dabei sind folgende Strategien und Hilfsmittel empfehlenswert:

  • Themenwochen, die aufeinanderfolgen und immer einen neuen Aspekt zum Inhalt haben, sind ein bewährtes Mittel, um den Fokus zu konzentrieren.
  • Interne Medien wie das Intranet oder eine Mitarbeiterzeitung sind ebenfalls gut geeignet, um mit Serien, Fallbeispielen und Illustrationen einzelne Themen in den Mittelpunkt zu rücken.
  • Eine „Umweltlandkarte“ an prominenter Stelle erlaubt es, laufende Projekte und erzielte Erfolge sichtbar zu machen.
  • Rätsel und Gamification-Elemente regen besonders zum Mitmachen an, weil sie den Spieltrieb der Menschen ansprechen.
  • Das Veröffentlichen von Tipps und Ideen sowie gemeinsame Aktionen wie eine Fahrrad-Woche aktivieren die im Unternehmen vorhandenen Talente und verlagern die Umweltkommunikation aus der „Top-Down“-Richtung in ein „Aus der Mitte heraus.“

Skeptiker aktiv einbinden

Es wäre „ein unrealistisches Ziel“, räumt das LfU ein, davon auszugehen, dass sich alle Mitarbeitenden gleichermaßen und mit gleichem Tempo zum Mitmachen bewegen lassen. Wie bei anderen Projekten aber häufig ebenfalls zu beobachten, seien es am Ende aber oft die größten Skeptiker, die das größte Engagement zeigten, „wenn sie sich erst einmal ernstgenommen und eingebunden fühlten“. Daher liefert der Leitfaden auch Tipps zum Umgang mit Widerständen. So empfiehlt er:

  • Eventuelle Gegenargumente schon vorweg aufzugreifen und zum Beispiel im Intranet oder einer Mitarbeiterzeitung offen zu diskutieren. Das zeige Offenheit und Neutralität, gibt dem Unternehmen aber die Chance frühzeitig steuernd einzugreifen.
  • Es lohnt sich, die Diskussion über Umweltmaßnahmen im Betrieb anzustoßen und zu fördern. Häufig würde dadurch die Mehrheit den Skeptikern den Wind aus den Segeln nehmen.
  • Gerade Skeptiker sollten aktiv in Projekte eingebunden werden. Dort können Kritikpunkte sachlich und pragmatisch diskutiert werden und in mögliche Verbesserungsvorschläge münden.