Arbeitnehmer dürfen zuhause bleiben, wenn das Kind krank ist

Sie sind bei der Arbeit und erhalten den Anruf, dass Ihr Kind krank ist. Sie müssen es aus der Kita oder Schule abholen und nach Hause bringen. Dürfen Sie dafür ihren Arbeitsplatz verlassen, um sich um Ihr krankes Kind zu kümmern? Ja, Sie dürfen. Das geht aus zwei Gesetzen hervor:

  1. In § 616 „Vorübergehende Verhinderung“ im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) heißt es: Beschäftigten steht eine bezahlte Freistellung zu, wenn sie unverschuldet für eine verhältnismäßig unerhebliche Zeit an der Arbeitsleistung verhindert sind. Das schließt auch die Erkrankung der Kinder ein.
  2. In § 45 „Krankengeld bei Erkrankung des Kindes“ aus dem Sozialgesetzbuch V (SGB V) steht: Versicherte haben Anspruch auf Krankengeld, wenn sie zur Beaufsichtigung, Betreuung oder Pflege ihres erkrankten und versicherten Kindes der Arbeit fernbleiben. Hierzu ist eine ärztliche Bescheinigung erforderlich. Außerdem gilt diese Regelung nur, wenn das Kind nicht älter als 12 Jahre alt oder aufgrund einer Behinderung auf Hilfe angewiesen ist.
Ein krankes Kind stellt berufstätige Eltern vor Herausforderungen.

 

Wer zahlt Eltern das Geld aus, wenn sie aufgrund ihres kranken Kindes bei der Arbeit ausfallen?

Eltern haben Anspruch auf eine Vergütung, wenn sie zuhause bleiben müssen, um ihr krankes Kind zu betreuen. Es gibt zwei Möglichkeiten dafür, wer ihnen dieses Geld auszahlt:

  1. Wenn Arbeitgeber ihre Angestellten im Krankheitsfall des Kindes bezahlt freistellen, dann greift § 616 im BGB. In diesen Fällen bezahlt der Arbeitgeber das volle Gehalt. 
  2. Wenn ihr Arbeitgeber dies nicht tut, springt die gesetzliche Krankenversicherung ein. In diesem Fall greift § 45 aus dem SGB V. Das bedeutet, Arbeitnehmer erhalten anstelle ihres normalen Gehalts Kinderkrankengeld von der Versicherung.

Hinweis: Das Kinderkrankengeld liegt i. d. R. bei 90% des Nettoverdienstes oder 70% des Bruttoeinkommens.
Tipp: Wenn Sie sich unsicher sind, klären Sie mit Ihrem Arbeitgeber ab, ob sie für den Ausfalltag Kinderkrankengeld beantragen müssen oder nicht. 

 

So viele Kinderkrankentage stehen Eltern zu

An wie vielen Tagen im Jahr Eltern Anspruch auf Kinderkrankengeld haben, ist in § 45 im SGB V geregelt. 

  • Jedes versicherte Elternteil hat pro Jahr und versichertem Kind 10 Tagen Anspruch auf Kinderkrankengeld.
  • Alleinerziehenden Müttern oder Vätern stehen pro Jahr und Kind 20 Kinderkrankentage zu. 

Wichtig: Es gibt jedoch eine Höchstgrenze für Kinderkrankentage pro Jahr, die unabhängig von der Anzahl der Kinder ist. Mütter und Väter dürfen im Jahr jeweils maximal 25 Kinderkrankentage nehmen. Bei Alleinerziehenden ist die Zahl auf 50 Tage begrenzt. 

 

Sonderfall Corona: Mehr Kinderkrankentage in 2020

Bis zum 1. Januar 2021 hat der Bundesrat die Ansprüche erhöht. Diese Regelungen gelten:

  • Jeder Elternteil hat für 5 zusätzliche Tage Anspruch auf Kinderkrankengeld. Damit stehen Müttern und Vätern bis zum Ende von 2020 insgesamt pro Kind je 15 Kinderkrankentage zu. 
  • Alleinerziehende erhalten 10 zusätzliche Tage. Ihnen stehen damit pro Kind je 30 Tage zu.

 

Mit 6 Schritten zum Kinderkrankengeld

Um Kinderkrankengeld zu beantragen, folgen Sie diesen 6 Schritten:

  1. Fragen Sie beim Kinderarzt nach einer Bescheinigung, dass Ihr krankes Kind zuhause von Ihnen betreut werden muss. 
  2. Füllen Sie die Rückseite der Bescheinigung aus. 
  3. Wichtig: Geben Sie Ihre Daten (z.B. Name, Geburtstag, Versichertennummer) an, nicht die Ihres Kindes. Vergessen Sie nicht das Feld für die Bankverbindung, um das Kinderkrankengeld zu erhalten.
  4. Wenn Sie alleinerziehend sind, kreuzen Sie das entsprechende Feld an.
  5. Geben Sie an, ob Sie Recht auf eine Entgeltfortzahlung durch Ihren Arbeitgeber haben oder nicht. 
  6. Wenn die Bescheinigung unterschrieben ist, schicken Sie diese per Post an Ihre Krankenkasse.
    Tipp: Viele Krankenkassen lassen mittlerweile auch Anträge per E-Mail oder über ihren jeweiligen Online-Bereich zu.

Wenn Sie alles korrekt ausgefüllt haben, sollte Ihnen die Krankenkasse zeitnah das Kinderkrankengeld überweisen.