Zwei wichtige Dinge in Bezug auf das Homeoffice haben Arbeitnehmer und Arbeitgeber seit Corona gelernt: Nicht jeder Job kann und sollte ins Homeoffice verlagert werden, doch viele Tätigkeiten schon. Diese Erkenntnis lässt sich nicht zurücknehmen. Ein Zurück zur Vor-Corona-Situation schließen viele daher aus. Ein Großteil der Unternehmen hat die Möglichkeit zu Remote Work schon jetzt zum neuen Standard erklärt. Ein Fazit zur Gesundheit im Homeoffice zieht Klaus Depner, Manager Health & Safety bei Randstad Deutschland.

Aus dem Blickwinkel des Gesundheitsmanagements stellt sich die Frage: Wie hat sich das Homeoffice auf unsere Gesundheit ausgewirkt? Und wie gesund ist Homeoffice eigentlich? Aus meiner Sicht ist zunächst zu beachten, dass Homeoffice in Pandemiezeiten nicht ganz mit einer Situation ohne Corona zu vergleichen ist.

Homeoffice in Zeiten von Corona = eine Extremsituation

Die Heimarbeit war vor allem zu Beginn der Pandemie eher eine Extremsituation. Von Zuhause arbeiten, bedeutete dank Lockdown und Co. oft eine vollständige soziale Isolation. Viele Menschen mussten ihren Alltag komplett neu organisieren. Die einen wurden plötzlich zu Remote Workern – anfangs oft auch ohne das richtige Equipment und ohne Plan. Andere mussten plötzlich Schicht arbeiten. Und wer Kinder hatte und im Homeoffice war, war plötzlich gleichzeitig auch noch Lehrer oder Kindergärtner. 

Ob Homeoffice oder nicht – die Situation bereitete vielen Menschen Sorge, etwa um die eigene Gesundheit, das Wohl der Liebsten oder gar die gesamte eigene Existenz. So zeigte der TK-Gesundheitsreport 2021, dass sich 42 % der Menschen während des zweiten Lockdowns im Frühjahr 2021 psychisch belastet fühlten. 

Unter diesen Aspekten ist also zu bedenken, dass das Homeoffice während Corona nicht als Maßstab betrachtet werden sollte, wenn es darum geht, zu entscheiden, wie gesund die Arbeit im Homeoffice ist. Dennoch hatten viele Arbeitnehmer und Arbeitgeber so die Möglichkeit, die zahlreichen Vor- und Nachteile des Homeoffice kennenzulernen. Das Ergebnis: Die Zukunft bietet mit großer Wahrscheinlichkeit ein hybrides Arbeitsmodell – also eine Kombination aus Homeoffice und Büroarbeit. Das wünschen sich laut Randstad Arbeitsbarometer (1. Hj 2021) 32 % der Erwerbstätigen.

Positive Effekte des mobilen Arbeitens für die Gesundheit

Wenn wir die Erfahrungen im Homeoffice also ohne den Corona-Schleier betrachten, bietet es viele Vorteile – auch für die Gesundheit:

  • Bessere Work-Life-Balance: Die Arbeit im Homeoffice bedeutet oft mehr Flexibilität. Die Arbeit kann besser in den Alltag integriert werden. Das kann Stress reduzieren und das Wohlbefinden insgesamt verbessern.
  • Wegfall des Arbeitsweges: Ohne lange Anfahrt – sei es aufgrund starken Berufsverkehrs oder einfach einer großen Distanz zum Büro – spart Zeit und häufig auch Nerven. Der Tag beginnt für viele Menschen so meist entspannter.
  • Geringere Ansteckungsgefahr: Wegen eines Schnupfens oder einer leichten Erkältung blieben Arbeitnehmer vor Corona seltener zuhause. Die Gefahr, sich bei Kollegen oder Menschen in Bus und Bahn anzustecken, ist bei diesem Verhalten größer. Wer im Homeoffice arbeitet, entzieht sich einer möglichen Ansteckung – und steckt auch niemandem am Arbeitsplatz oder auf dem Weg dahin an.

Tipp: Mehr über die Vor- und Nachteile des Homeoffice erfahren Sie hier.

Arbeiten im Homeoffice
Arbeiten im Homeoffice

Negative Auswirkungen des Homeoffice auf die Gesundheit

Das Homeoffice hat viele Vorteile, doch ist die Arbeit Zuhause nicht automatisch das Beste für die Gesundheit jedes Menschen. Remote Work kann auch negative Auswirkungen auf das körperliche und geistige Wohl haben:

  • Work-Life-Blending: Im Homeoffice verschwimmen die Grenzen zwischen Beruf und Privatleben schneller. Es fällt vielen Menschen schwerer, Pausenzeiten einzuhalten und pünktlich Feierabend zu machen. Im schlimmsten Fall führt das zu einem Leben im Dauerstress – und somit auch zu Übermüdung, Schlafstörungen, stark angespannten Nerven und einer gesunkenen Leistungsfähigkeit. 
  • Fehlendes Equipment: Oft fehlt vor allem im improvisierten Heimbüro ein ergonomischer Stuhl, der Bildschirm ist nicht richtig eingestellt oder die Lampe nicht hell genug. Wenn keine passende Ausstattung vorhanden ist, sind häufig Kopf- und Rückenschmerzen sowie starke Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich die Folge. Augenschmerzen bis hin zur Verschlechterung der Sehfähigkeit sind ebenfalls möglich.
  • Vereinsamung: Vielen Menschen fehlt im Homeoffice der persönliche Kontakt mit ihren Kollegen. Denn vom Homeoffice-Arbeitsplatz gibt es selten die Möglichkeit zum spontanen Austausch. Vor allem Beschäftigten, die sich ungern über Chats austauschen, fällt im Homeoffice daher schnell die Decke auf den Kopf. Bei vielen Projekten sind sie größtenteils auf sich allein gestellt. So entsteht nicht selten ein Gefühl der Einsamkeit, das die mentale Gesundheit beeinträchtigen kann. 

Das können Unternehmen für das „gesunde Homeoffice“ tun 

Unbedingt zu beachten ist, dass Menschen ganz unterschiedlich aufgestellt sind. Wir alle sind soziale Wesen, und Kommunikation ist ein wichtiger Faktor. Der fehlende persönliche Austausch mit Kollegen im Homeoffice ist für manche eine stärkere Belastung als für andere. Gerade das informelle Miteinander ist oft von großer Bedeutung. Denn oft weicht beispielsweise das Verhalten von Menschen in einer Videokonferenz vom „echten” ab.

Wie gut es Mitarbeitern im Homeoffice geht, hängt daher von drei Fragen ab:

1. Will die Person im Homeoffice arbeiten oder möchte sie lieber täglich ins Büro kommen? 

In der Homeoffice-Frage ist Zwang aus meiner Sicht ganz bedeutend. Wer sich gezwungen sieht, Zuhause zu arbeiten, obwohl sie oder er z. B. dort keinen richtigen Arbeitsplatz hat und sich dort nicht konzentrieren kann, wird über kurz oder lang unzufrieden und unglücklich sein. Dies wiederum kann sich schnell negativ auf die Gesundheit auswirken. Unternehmen sind also gefragt, Alternativen anzubieten, um ihren Mitarbeitern eine gesunde Arbeitsumgebung zu ermöglichen. 

2. Mit welchen Punkten kommt ein Arbeitnehmer gut klar und mit welchen nicht?

Wenn sich jemand dazu entscheidet, im Homeoffice zu arbeiten, dann gilt es herauszufinden, mit welchen Faktoren die Person gut oder weniger gut klarkommt. Das sollte natürlich auch für die Arbeit im Büro gelten. Führungskräfte sollten ihre Mitarbeiter kennen und als Individuen wahrnehmen. Das geht bei der Zusammenarbeit im Büro immer etwas leichter. Doch gerade deswegen ist es wichtig, sich vor allem mit Teammitgliedern im Homeoffice auszutauschen – und dabei nicht immer über die Arbeit zu reden. Eine regelmäßige gemeinsame Kaffeepause im Videocall ist ein gern genutztes Mittel. Wichtig ist, sich ehrlich und ernsthaft für den Angestellten zu interessieren, um so herauszufinden, was gut funktioniert und was nicht. 

3. Wie unterstützt das Unternehmen bzw. die Führungskraft die Mitarbeitenden um gute Arbeitsbedingungen im Homeoffice zu gewährleisten?

Diese Frage hängt ganz stark damit zusammen, wie gut Führungskräfte ihre Mitarbeitenden kennen und wie offen sie miteinander über die aktuelle Arbeitssituation reden. Das bedeutet, nicht nur über Probleme zu sprechen. Das Entscheidende ist, individuell auf die Bedürfnisse des Arbeitnehmers einzugehen. Wenn jemand sehr gut und strukturiert im Homeoffice arbeitet und weniger Anleitung benötigt, wäre es z. B. eher hinderlich, öfter am Tag anzurufen und sich nach dem aktuellen Stand der Projekte zu erkundigen. Schnell entsteht so der Eindruck von Misstrauen und Kontrolle. Wenn aber klar ist, dass jemand eine vorgegebene Struktur benötigt, ist ein gemeinsames regelmäßiges Update-Gespräch sinnvoll – und wird häufig auch dankbar angenommen.

Fazit

Homeoffice ist keine Wunderwaffe für die Gesundheit, aber auch nicht der Ursprung alles Üblen. Was wir aus der Extremsituation in der Pandemie gelernt haben, ist vor allem: Die Umstellung ist ein Prozess. Und genau wie bei der Arbeit vor Ort sind eine gute Führung und ein ordentliches Gesundheitsmanagement entscheidend, um eine Arbeitsumgebung sicher zu gestalten.

Wie so oft kommt es aber auch hier auf die individuelle Bedürfnisse der Menschen und die Möglichkeiten im Unternehmen an. Wichtig ist, sich immer wieder in den Austausch mit der Belegschaft zu begeben und Lösungen für etwaige Probleme zu finden, aber auch Best Practices zu teilen. Nur wer verdeutlicht, dass Veränderungen auch Chancen sind, um die Zusammenarbeit gemeinsam zu verbessern, sorgt für eine Arbeitsumgebung, in der sich alle wohlfühlen – und die somit auch die Gesundheit fördert.

Zur Person
Klaus Depner, Manager Health & Safety bei Randstad Deutschland
Klaus Depner, Manager Health & Safety bei Randstad Deutschland

Klaus Depner

Manager Health & Safety bei Randstad Deutschland

Klaus Depner ist als Manager Health & Safety seit Anfang 2015 bei Randstad Deutschland für die Gesundheit und Sicherheit der Mitarbeiter zuständig. Zu dieser Aufgabe führte ihn der Weg im Unternehmen über den Vertrieb und die Bereiche Public Affairs und Social Affairs.