Viele Meetings, auf dem Schreibtisch stapelt sich die Arbeit und für Pausen ist kaum Zeit – der Alltag vieler Menschen. Doch was passiert, wenn genau das Gegenteil der Fall ist? Wenn Sie bereits um 10 Uhr vormittags die Aufgaben des Tages erledigt haben und nun gelangweilt auf den Feierabend warten? Oder wenn die Tätigkeiten Sie nicht genügend herausfordern und zur Qual werden?

Ein nicht seltenes Phänomen in der Arbeitswelt ist Boreout. Boreout bedeutet, dass Arbeitnehmer durch chronische Langeweile krank werden und ähnliche Symptome zeigen wie beim Burnout.

Was ist Boreout?

Burnout entsteht bei chronischer, dauerhafter Überlastung, Boreout hingegen beschreibt einen Zustand chronischer Langeweile, der zu einer Erschöpfungsdepression und schließlich zu psychischen und psychosomatischen Krankheiten führen kann.

Merkmale von Boreout

Typisch für das Boreout Syndrom sind drei Merkmale:

1. Langeweile

Betroffene empfinden ihre Arbeit als eintönig und uninteressant. Das bedeutet nicht zwangsweise, dass es an der Menge der Arbeit mangelt. Auch Menschen mit einem hohen Workload können von ihrer Arbeit gelangweilt sein, wenn sie nicht ihren Interessen entspricht.

2. Unterforderung

Der Mitarbeiter hat das Gefühl, mehr leisten zu können, die täglichen Aufgaben sind für ihn und seine Qualifikation jedoch banal. Er fühlt sich unterfordert, kann sich nicht entfalten und das führt wiederum zu Langeweile.

3. Verhaltensstrategien zur Vertuschung

Das Paradoxe ist, dass Betroffene Verhaltensstrategien anwenden, um ihre Unterforderung zu vertuschen. Würde auffallen, dass sie zu wenig zu tun haben, besteht die Gefahr, noch mehr der monotonen Tätigkeiten übertragen zu bekommen. Zudem haben sie ein ökonomisches Interesse daran, ihre Arbeitsstelle zu behalten. Fällt jedoch auf, dass die Mitarbeiter tatsächlich nur ihre Zeit absitzen, könnte das arbeitsrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. 

Typische Verhaltensstrategien zur Vertuschung sind beispielsweise

  • Ableisten von Überstunden
  • Arbeiten künstlich in die Länge ziehen
  • Häufige Raucherpausen
  • Pseudo-Burnout: der Mitarbeiter betont ständig wie gestresst er ist

Langeweile und Unterforderung führen bei den Betroffenen häufig zu einem Gefühl der Wertlosigkeit, da sie den Eindruck haben, nichts zu leisten und dadurch keine Erfolge zu erleben. Viele beschreiben, dass sie das Gefühl haben geistig abzustumpfen. Zudem kostet das ständige Vertuschen sehr viel Kraft, was letztlich zum Ausbrennen führt. Betroffene beschreiben häufig, sie seien erschöpft vom Nichtstun.

Folgen von Boreout

Die Folgen eines Boreout können fatal sein, sowohl für Unternehmen, als auch für die betroffenen Mitarbeiter selbst. 

Für Unternehmen bedeutet das:

  • Der Mitarbeiter verursacht Kosten, da er nicht produktiv ist und oftmals bereits innerlich gekündigt hat.
  • Sie verlieren einen qualifizierten Mitarbeiter.
  • Destruktive Verhaltensweisen des Mitarbeiters beeinträchtigen das Betriebsklima.

Die dauerhafte geistige Unterforderung ist jedoch nicht nur für Unternehmen schädlich, sondern auch für den Mitarbeiter selbst. Bei diesem kann Boreout zu verschiedenen psychischen und körperlichen Symptomen führen, wie:

  • Gefühl „zu verdummen“
  • Müdigkeit
  • Antriebslosigkeit
  • Mangelndes Selbstvertrauen
  • Gereiztheit
  • Schlaflosigkeit
  • Tinnitus
  • Kopfschmerzen
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Gefühl der Wertlosigkeit
  • Sinkende Frustrationstoleranz
  • Verlust des Flows
Eine Frau und ein Mann in einer Gesprächssituation im Büro
Eine Frau und ein Mann in einer Gesprächssituation im Büro

Ursachen von Boreout

Wie entsteht Boreout eigentlich? Es gibt eine Menge von Faktoren in Unternehmen, die Boreout begünstigen:

  • Wenige Aufgaben, die zudem nur wenig Zeit in Anspruch nehmen, keine zeitliche Begrenzung haben und mit geringem Arbeitsaufwand erledigt werden können. Diese ungeliebten Tätigkeiten werden dann immer wieder aufgeschoben, was allerdings zu Leerlauf und damit zu Langeweile führt.
  • Alternativangebote, z. B. ein Computer zum Vortäuschen von Arbeit.
  • Die Leistung der Mitarbeiter wird an ihrer Anwesenheitszeit gemessen. Das führt dazu, dass Angestellte noch mehr leere Zeit absitzen und so tun, als wären sie beschäftigt.
  • Unflexible Organisationsstrukturen: In manchen Unternehmen sind Aufgabenbereiche strikt getrennt. Das bedeutet oftmals, dass Personen ohne formale Zuständigkeit keine Aufgaben übernehmen dürfen, auch wenn sie über die nötigen zeitlichen Ressourcen und die fachliche Qualifikation verfügen.
  • Schlechte Delegation: Führungskräfte, die nur ungern delegieren oder nur ungeliebte Aufgaben abgeben, teilen den falschen Mitarbeitern falsche Aufgaben zu und begünstigen damit Langeweile und Unter- aber auch Überforderung.

Boreout und Burnout

Sowohl Boreout als auch Burnout beschreiben einen Zustand geistiger Erschöpfung. Auch die körperlichen und psychischen Symptome überschneiden sich. Da es sich bei beiden Syndromen um ein Ausbrennen handelt, ist die Abgrenzung im Grunde nur durch die Ursache möglich: Einfach gesagt entsteht Burnout bei Stress durch dauerhafte Überlastung, während sich Boreout bei Stress durch dauerhafte Unterforderung ausbildet.

Was tun bei (drohendem) Boreout

Wenn Sie sich bei der Arbeit dauerhaft geistig unterfordert und gelangweilt fühlen, sollten Sie das Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten suchen. Das Krankheitsbild entsteht meistens durch einen Managementfehler: Die richtige Person sitzt am falschen Platz. Diesen Zustand können Sie nur zusammen mit Ihrer Führungskraft lösen. Schildern Sie, wie Sie sich fühlen und überlegen Sie gemeinsam, welche alternativen Tätigkeiten Sie übernehmen können. Vielleicht ist auch ein vollständiger Positionswechsel sinnvoll. Falls Ihnen Ihre Führungskraft keine Lösung anbieten kann oder möchte, denken Sie über einen Jobwechsel nach. Vielleicht ist das Problem auch die Organisationsstruktur oder, dass Sie keinen Sinn in der Tätigkeit des Unternehmens sehen. Dann kann es hilfreich sein, sich nach einem Unternehmen mit Purpose umzusehen.

Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz

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