Job Crafting bedeutet in einfachen Worten, dass man sich seinen Arbeitsplatz nach Maß gestaltet. Demotivierende oder als sinnlos empfundene Tätigkeiten machen erfüllenden und sinnstiftenden Aufgaben Platz. Das sorgt für mehr Inspiration und Motivation bei Arbeitnehmern, die plötzlich wieder gern zur Arbeit gehen. Lesen Sie weiter und erfahren Sie, ob und wie Sie Ihren Tätigkeitsbereich proaktiv formen können, damit er besser zu Ihren ganz persönlichen Interessen und Fähigkeiten passt.

Was ist Job Crafting?

Worin besteht die Job Crafting Definition? Es gibt keine, die universell festgeschrieben wäre. Job Crafting ist einfach ein Weg, die Arbeit für Beschäftigte angenehmer zu gestalten. Kleine Veränderungen an Arbeitsabläufen oder Aufgaben können bereits dafür sorgen, dass Angestellte sich in ihrer jeweiligen Position wohler fühlen. Wer etwa seine persönliche Qualifikation nicht in seine Arbeit einbringen kann, ist schneller unzufrieden mit seinem Job. Das wirkt sich naturgemäß negativ auf Motivation und produktives Arbeiten aus.

Dagegen vorzugehen, ist im Interesse von Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Strenggenommen ist Job Crafting keine Aufgabe, die allein der Mitarbeiter beherrschen und lösen muss, sondern auch ein Teil der Verantwortung von Führungskräften. Job Crafting kehrt das alte Prinzip, nach dem der Mitarbeiter in die Stellenbeschreibung passen muss, vollständig um. Im Zentrum steht nun der arbeitende Mensch, an dessen Persönlichkeit sich der Arbeitsplatz anzupassen hat.

Dies geschieht vor dem Hintergrund, dass in vielen Branchen Arbeitskräfte fehlen. Arbeitgeber sind daher höchst motiviert, Mitarbeiter mit Angeboten zu binden, die über eine überdurchschnittliche Vergütung hinausgehen. Dass Geld nicht alles ist, hat sicher jeder schon einmal festgestellt, der mit seinem (neuen) Job unglücklich war. Daran ändert auch die beste Bezahlung auf Dauer nicht viel.

Job Crafting kann und soll verhindern, dass Mitarbeiter kündigen, obwohl mögliche Änderungen ihren Arbeitsplatz wieder attraktiv machen würden.

Junger Mann mit Kopfhörern und Laptop
Junger Mann mit Kopfhörern und Laptop

Job Crafting: Methoden

Job Crafting setzt dort an, wo nach Redensart „der Schuh drückt“. Die häufigsten Gründe, aus denen Mitarbeiter mit ihrem Job unzufrieden sind und über einen Jobwechsel nachdenken, betreffen:

  • Arbeitsaufgaben – Umfang, Art und Priorisierung mit Blick auf Stress und Überlastung
  • Soziale Beziehungen am Arbeitsplatz – Interaktion mit Kollegen, Kunden oder Vorgesetzten
  • Persönliche Einstellung – eigene Wahrnehmung der Arbeitssituation, Perspektiven und Ziele
  • Arbeitsumgebung – physisch oder mental unnötig strapaziöse Arbeitsbedingungen
  • Arbeitszeit – Flexibilität, Pausen und eventuell fehlende Work-Life-Balance

Aufgaben analysieren

Um Ihren Arbeitsplatz an Ihre Bedürfnisse anzupassen, analysieren Sie beispielsweise zuerst Ihre Aufgaben:

  • Welche fallen Ihnen leicht, welche schwer?
  • Welche Pflichten würden Sie gern zusätzlich übernehmen – und welche möchten Sie vielleicht lieber abgeben?

Haben Sie sinnvolle Vorschläge, wird eine kompetente Führungskraft Ihnen zuhören und Sie unterstützen.

Soziale Beziehungen ändern

Ein häufige Ursache von Verärgerung, Irritationen und Unzufriedenheit ist das soziale Arbeitsumfeld. Sie  können Ihre Kollegen nicht ändern. Allerdings haben Sie in den meisten Fällen darauf Einfluss, wie viel Kontakt Sie bei welchen Gelegenheiten haben. Ist zum Beispiel immer wieder ein bestimmter Arbeitsablauf dafür verantwortlich, dass zwei Abteilungen des Unternehmens unweigerlich aneinandergeraten, lässt sich daran sehr wohl etwas ändern.

Ebenso lassen sich die Arbeitsabläufe darauf untersuchen, mit welchen Kollegen Sie gern enger zusammenarbeiten möchten. Erhöht Ihre mühe- und lückenlose Kommunikation mit dem sympathischen Kollegen X die Produktivität, wird Ihr Chef nicht darauf bestehen, dass Sie eine Aufgabe stets in Zusammenarbeit mit dem ungeliebten Kollegen Y erfüllen.

Einstellung verbessern

Ihr eigenes Mindset ist ebenfalls wichtig, um Ihre Arbeit so zu gestalten, dass Ihr Arbeitsplatz Sie glücklich macht. Reflektieren Sie Ihre persönlichen Stärken und Schwächen und überlegen Sie, woran Sie arbeiten können, um die Situation positiv zu beeinflussen. Dazu kann auch der eigene Blickwinkel auf den Job gehören. Leiden Sie daran, dass Ihnen ein höherer Sinn fehlt? Dann besteht eine mögliche Lösung darin, sich klarzumachen, dass Ihre Tätigkeit Sie ernähren und Ihnen ein sorgenfreies Leben verschaffen soll. Das ist durchaus sinnvoll.

Die eigene Qualifikation zu erhöhen ist ein guter Weg, den Arbeitsalltag mit erfüllenden Aufgaben anzureichern. Sich persönlich weiterzuentwickeln und beruflich voranzukommen, führt fast automatisch zu größerer Zufriedenheit. Unterstützt Ihr Arbeitgeber Sie überhaupt nicht in Ihrem Wunsch, sich weiterzubilden, spricht das für sich: Die Möglichkeiten, diesen Arbeitsplatz mit Job Crafting neu zu definieren, sind offensichtlich zu eng begrenzt.

Arbeitsumfeld prüfen

Gibt es an Ihrem Arbeitsplatz Umstände, die ihn unnötig anstrengend machen? Zum Beispiel Lärm, Hitze oder Kälte zehren an den Kräften von Arbeitnehmern. Oft helfen schon eine Filteranlage, eine zusätzliche Wand oder automatisch schließende Türen, um die Arbeitsumstände zu verbessern. Andernfalls können Sie überlegen, ob Ihr Arbeitsplatz sich an einen anderen Ort innerhalb des Gebäudes verlegen lässt.

Ein Ortswechsel ist oft auch die Lösung, wenn lange Wege zwischen einzelnen Abteilungen unnötig viel Zeit kosten. Stress zu reduzieren oder ganz zu vermeiden ist ein weiteres mögliches Ziel von Job Crafting.

Arbeitszeit managen

In Bezug auf die Arbeitszeit besteht Job Crafting darin, sich genau anzusehen, welche Zeitprobleme durch den Arbeitsplatz entstehen und ob sie sich vielleicht beseitigen lassen. Individuell angepasste Arbeitszeiten erhöhen die Produktivität und die Zufriedenheit von Beschäftigten. Außerdem optimieren sie die Work-Life-Balance. 

Job Crafting Beispiele für die Optimierung der Arbeitszeit sind folgende Maßnahmen:

  • Flexible Arbeitszeiten
  • Reduzierung der Arbeitszeit / Jobsharing
  • Arbeiten im Homeoffice, um weniger pendeln zu müssen und Fahrtzeiten einzusparen

Lesetipp: Immer mehr Berufstätige akzeptieren weniger Geld, Einfluss und Ansehen, um mehr Zeit für sich selbst zu haben. Erfahren Sie mehr über das sogenannte Downshifting!

Arbeit gestalten: geeignete Berufe

Nicht alle Berufe und Branchen eignen sich gleichermaßen gut für Job Crafting. Beispielsweise ist es nicht möglich, einen Arbeitsplatz am Fließband in einer Fabrik an einen ruhigeren und weniger zugigen Ort zu verlegen. Beklagt sich dagegen die Sekretärin einer Autowerkstatt über Lärm und Kälte, ist es leicht möglich, ihren Schreibtisch in einem anderen Raum unterzubringen.

Gut geeignet für das Job Crafting sind administrative, kreative und soziale Berufe. Auch Tätigkeiten in der Forschung und Entwicklung bieten meistens genügend Spielraum, um Arbeitnehmern entgegenzukommen.

Weniger geeignet sind viele künstlerische Berufe, denn zum Beispiel Bühnenkünstler haben eher schlechte Chancen, wenn sie etwa lieber tagsüber als abends arbeiten wollen. Für das Job Crafting ungeeignet sind zudem medizinische sowie sicherheitsrelevante Berufe und Bereiche mit strengen Compliance-Anforderungen. Hier haben notwendige strikte Regelungen oft Vorrang vor der individuellen Persönlichkeitsentfaltung.

Stress und Unzufriedenheit am Arbeitsplatz? Finden Sie heraus, mit welchen weiteren Maßnahmen Sie Ihre Zufriedenheit im Job steigern können.

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