Begleiter fürs Lernen – und fürs Leben

17. August 2015

Das „FFM-Praxisprojekt“, gefördert von der randstad stiftung, öffnet förderbedürftigen Kindern und angehenden Lehrern neue Perspektiven.

Schul- und Ausbildungskarrieren scheitern häufig beim Wechsel von einer Schulform in die nächste. Auch beim Übergang in die Arbeitswelt tauchen neue Strukturen auf, Anforderungen steigen und bestehende Probleme – etwa Sprachschwierigkeiten – treten besonders hervor. Damit Zuwandererkinder, jugendliche Flüchtlinge aus Krisengebieten und sozial benachteiligte Schüler mit besonderem Förderbedarf bildungs- und berufsentscheidende Herausforderungen besser meistern können, bieten Lehramtsstudierende und Studierende der Erziehungswissenschaften der Goethe Universität in Frankfurt am Main seit über zehn Jahren pädagogische Begleitung und Förderung mit dem „FFM-Praxisprojekt“ an.

Förderung hilft Nachteile überwinden

Das Projekt ist eine Fortsetzung des vormaligen ffm Projektes unter veränderter Schwerpunktsetzung. Es besteht weiter in Kooperation mit der Peter Fuld-Stiftung, der Crespo Foundation, dem Staatlichen Schulamt Frankfurt, und der Stadt Frankfurt, sowie, seit 2013, der randstad stiftung und der Stiftung Citoyen. Unter Leitung der Universität wird ein Förderkonzept für Schülerinnen und Schüler durchgeführt, denen an entscheidenden Stellen ihrer schulischen Laufbahn Nachteile, nicht zuletzt auch aufgrund ihrer sozialen Herkunft, der ökonomischen Situation ihrer Familien oder ihres Migrationshintergrunds entstehen. Der Fokus dieses Projektes liegt auf Förderung und Begleitung an den Übergängen sowohl zwischen der Grundschule und der weiterführenden Schule als auch zwischen der Schule und der Arbeitswelt.

„Begleitung von Mensch zu Mensch“

„Junge Menschen, die aus anderen Ländern nach Deutschland kommen, um hier einen Neuanfang zu wagen, haben vor allem Schwierigkeiten im Verstehen, Lesen und Schreiben der deutschen Sprache. Und sie haben außerhalb des Unterrichts wenig Unterstützung“, so Heinz-Otto Mezger, Vorstand der randstad stiftung. „Genau hier setzt die Begleitung von Mensch zu Mensch an, die das Projekt auszeichnet.“ 

Neben dem zusätzlichen Unterricht in Deutsch, Mathematik und Englisch steht im Mentoring-Angebot daher auch die sozial-emotionale Begleitung der Schülerinnen und Schüler im Vordergrund. Denn neben dem Gewinnen sprachlicher Sicherheit geht es für sie auch darum, in einem fremden Umfeld Fuß zu fassen und die vielfach vorhandenen Traumata aus Krieg, Vertreibung und Flucht zu überwinden.

Künftige Lehrer gewinnen Praxis-Einblicke

Wie sieht das in der Praxis aus? In Einzelförderung und in Kleingruppen von maximal drei Personen werden Schülerinnen und Schüler unterschiedlicher Schulformen von Studierenden der Frankfurter Goethe-Universität unterstützt. Aktuell sind 15 Studierende an sieben Frankfurter Schulen im Einsatz. Die Förderung umfasst vier Wochenstunden und erfolgt in der Regel an zwei Wochentagen zu jeweils zwei Stunden. Die Vergütung beträgt Zehn Euro pro Stunde.

Die Studierenden werden durch die Universität Frankfurt ausgewählt, für ihre Aufgabe fachlich vorbereitet und geschult. Sie werden während ihrer Tätigkeit von der Projektleitung in regelmäßigen Seminarveranstaltungen begleitet. Für sie vorteilhaft erwerben sie auf diesem Weg gleich auch noch eine Zusatzqualifikation für ihren eigenen Beruf: Sie lernen im Kontext der universitären Begleitung, individuelle Förderpläne zu entwickeln und sich mit Fragen der Erziehung und Bildung in „fremden Lebenswelten“ auseinander zu setzen. „Es ist eine Win-Win-Situation“, so Dr. Robert Bernhardt, Leiter des Projekts an der Hochschule. Die angehenden Lehrer lernten so einen Teil ihrer beruflichen Berufspraxis kennen, für den es noch kaum Muster und Vorbilder gibt.

Projekt entspricht Zielen der randstad stiftung

Die randstad stiftung engagiert sich auch deshalb bei dem Projekt, weil die Begleitung den Übergang an weiterführende Schulen oder den Einstieg ins Berufsleben umfasst. „Gerade in diesen Lebensphasen ist für junge Menschen ein Partner hilfreich, mit dem sie über ihre Sorgen und Nöte sprechen und sich Rat auf Augenhöhe holen können“, so Stiftungsvorstand Mezger. „Wir erleben beim FFM-Praxisprojekt häufig, dass die Studierenden zu echten Bezugspersonen für die Jugendlichen werden, die mit ihnen buchstäblich alles besprechen können.“ Damit füge sich die Projektarbeit nahtlos in die Zielsetzung der Stiftung ein, existenzielle Fragen zum Thema Bildung und Arbeit zu erkunden und Lösungen zum Nutzen der Menschen zu fördern.

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