Business ist „€žergo“ – was sonst?

23. Oktober 2013

Es ist zum „in die Luft Gehen“: Kaum dürfen wir im Flugzeug vorne sitzen, sind wir auch schon wieder zu Arbeitshaltung verdonnert. Denn die Sessel fürs Business sind nicht komfortabel, sondern ergonomisch gestaltet.

Wer Business Class fliegt, der hat unterwegs zu arbeiten. Woher sonst auch der Begriff „Business“? Kein Wunder, dass Fluggesellschaften daher auch ungebremst von der höheren Ergonomität ihrer Sitzmöbel schwärmen: „Entspannen Sie auch auf unseren Mittelstrecken-Flügen in den ergonomisch geformten und mit Premium-Leder gepolsterten Business Class-Sitzen …“ lockt die eine. „Darauf basierend wurden im nächsten Schritt mithilfe von renommierten Ergonomen, Designern und Sitzherstellern verschiedene Konzepte entwickelt“, berichtet die andere. „Der ergonomisch gestaltete Sitz lässt sich in eine bequeme ,Lazy Z‘ Position bringen, die es Passagieren ermöglicht, die perfekte Entspannungshaltung zu finden. Der Wohlfühleffekt wird durch eine Kopfstütze mit sechs verschiedenen Einstellungen und durch eine erweiterte Beinstütze ergänzt“, heißt es schließlich bei der dritten.

Moment mal! Was müssen wir da lesen: „Lazy“? „Entspannungshaltung“? „Wohlfühleffekt“? Das hat ja, bitteschön, mit Arbeit wenig zu tun. Oder tun wir gerade der Luftfahrtindustrie unrecht, die sich nach Kräften bemüht, den fliegenden Chefs Investitionen in das ergonomische Mobiliar für ihre Mitarbeiter schmackhaft zu machen?

In der Tat finden sich die „Ergonomie-Versprechen“ der Verkehrsluftfahrt inzwischen auch für die billigen Plätze der Economy. In der Regel treten sie dann zutage, wenn dem Sitz irgendeine gute Eigenschaft zugeschrieben werden soll, die sich vorteilhaft und durchdacht anhört. Die bewährten Adjektive der Pizza-Bringdienst-Lyrik taugen hier leider nicht: knackig, würzig, frisch … Dann doch lieber etwas aus der Arbeitswelt, was viel sagt und wenig bedeutet, irgendwas mit „-nomisch“. Öko? Astro? Ergo!

Wir wissen nicht genau, wann diese Überlegung genau im Kalender der Luftfahrtgeschichte zu verorten ist, doch seit es höherwertige Kabinenklassen mit höherwertigen Sitzen gibt, spukt die Ergonomie durch die Airline-Prospekte. Wo doch vermutlich nur die „Anatomie“ gemeint war. Aber lassen wir es gut sein und freuen uns über die Folgen, die solche Terminologie zeitigt. Ein großer deutscher Hersteller von Gastronomie-Möbeln preist eine „Kühltheke Fasskühlung Business Class 1 Becken DD“ an „mit ergonomischen Griffen auf Wunsch mit Designer Griffen lieferbar“. Na bitte, geht doch!

Ulrich Pfaffenberger

investor relations