Cebit: Randerscheinungen mit Zukunftspotenzial

Manche Neuheit der CeBit 2016 besticht nicht nur durch Technik, sondern weil sie Arbeitswelt und Kommunikation deutlich verändert. Beobachtungen eines Messe-Rundgangs.

ARSnova macht Lernen sichtbar

Dozenten, die sich schon immer fragen, ob ihnen ihre Studenten in der Vorlesung überhaupt folgen können, bekommen jetzt endlich eine Antwort. Zumindest wenn sie auf der CeBIT 2016 den neuen mobilen Audience-Response-Service ARSnova entdeckt haben, den die Technische Hochschule Mittelhessen hier zeigt. Um ARSnova als Dozent oder Student zu nutzen, muss lediglich der Browser auf Smartphone, Tablet oder Laptop geöffnet und die Adresse arsnova.eu/mobile eingegeben werden. Wer dann wissen will, ob das Auditorium seinem Vortrag folgen kann, sollte die Feedback-Funktion von ARSnova nutzen: Mit Smileys signalisieren die Zuhörenden hier ihr Lerntempo und Verständnis oder stellen Zwischenfragen, ohne den Dozenten in seinem Vortrag zu unterbrechen.  

„Kompetenz-Navi“ fürs Personalmanagement

Kurze Innovationszyklen erfordern es von Unternehmen, die Kompetenz ihrer Mitarbeiter kontinuierlich zu fördern. Um Wissenslücken frühzeitig zu erkennen, wird am Lehrstuhl für Arbeits-, Organisations- und Sozialpsychologie der Technischen Universität Braunschweig das KOMPETENZ-NAVI1 entwickelt. Mit diesem webbasierten Diagnosewerkzeug können kleine und mittlere Unternehmen wie Handwerksbetriebe schnell die Kompetenzen ihrer Mitarbeiter erfassen und übersichtlich darstellen. Der Betrieb kann dadurch für die Trends von morgen frühzeitigen Bedarf bei der Personalentwicklung erkennen und entsprechend der individuellen Fähigkeiten die Weiterbildung der Mitarbeiter fördern. Das Tool kann mit spezifischen Kompetenzmodellen auf die Bedürfnisse jedes Unternehmens angepasst werden. Die webbasierte Lösung bietet zudem den Vorteil, dass sie auf allen Endgeräten und plattformunabhängig genutzt werden kann. Trotz der großen Funktionsbreite ist das webbasierte Tool dank eines Assistenten
ohne Vorerfahrung leicht bedienbar. 

Plattform stößt kreative Gedanken an

In vielen Unternehmen spielt das Innovationsmanagement eine untergeordnete Rolle. Die Prozesse sind oft intransparent, langwierig und bieten wenig Raum für gemeinsame Ideenfindung. Hier setzt die Innovationsmanagement-Plattform IMPACT der Uni Oldenburg an. Die einzigartige Lösung bildet den vollständigen Prozess von der Problemerfassung bis hin zum Feedback ab. Die Anwender haben über kollaborative Methoden die Möglichkeit, gemeinsam an Vorschlägen und Vorhaben zu arbeiten. Dadurch wird nicht nur das Wissen unterschiedlicher Unternehmensbereiche gebündelt, sondern auch die Qualität der Ergebnisse gesteigert. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit wird zusätzlich durch Ansätze aus dem Design-Thinking unterstützt. Durch diese humanorientierte Vorgehensweise sollen benutzerorientierte und zielgruppengerechte Lösungen entstehen. Um die Motivation und die Anreize zur Ideenentwicklung auch langfristig aufrechterhalten zu können, werden Elemente aus dem Gamification-Umfeld eingesetzt. Bewertungs- und Rankingsysteme sorgen für einen spielerischen Umgang mit der Software, unterstützen kreative Denkprozesse und erhöhen den Spaß an der Ideengenerierung. Arbeitsfortschritte und Entscheidungen sind für die Mitarbeiter jederzeit transparent gestaltet. 

Menschen vergessen – Computer auch?

Die wachsende Zahl persönlicher Inhalte wie Fotos oder Videos führt heutzutage zu sehr großen Datensammlungen. Durch die Verfügbarkeit von günstigem Speicher enden viele dieser Inhalte, wie etwa die 1.000 noch unsortierten Fotos vom letzten Urlaub, in “Dark Archives”, welche schon aufgrund ihrer erheblichen Größe nach dem Anlegen kaum mehr Verwendung finden. Zusätzlich unterliegen diese Inhalte langfristig einem zufälligen Prozess des digitalen Vergessens: Der Ausfall von Speichermedien und das Aufkommen neuer Medienformate machen Teile von Sammlungen über die Zeit unzugänglich. Dies erfordert neue Ansätze für das kurz- und langfristige Informationsmanagement. Dazu hat sich das Forschungszentrum L3S von den Mechanismen des menschlichen Vergessens und Erinnerns inspirieren lassen. Menschen sind sehr effektiv darin, sich auf wichtige Dinge zu konzentrieren, Redundanzen zu filtern und irrelevante Details zu vergessen. Als Alternative zum dominanten keep-it-all-Ansatz präsentiert das L3S mit Managed Forgetting einen Mechanismus für kontrolliertes digitales Vergessen, der auf Methoden zur mehrdimensionalen Abschätzung des Informationswerts basiert. Als Anwendung dieses Ansatzes wird ein System präsentiert, welches Nutzer bei der Auswahl wichtiger Fotos aus ihren Sammlungen unterstützt und sicherstellt, dass diese auch auf lange Sicht hin zugänglich bleiben und Freude bereiten. 

Schutzhelm sendet Warnsignale

In vielen Arbeitsumgebungen warnen klassische Mittel vor Gefahren. Sirenen ertönen beispielsweise vor Sprengarbeiten und rote Ampeln zeigen an, dass ein gewisser Gefahrenbereich nicht betreten werden darf. Bei den Jobs im Stahlwerk greifen diese Mittel leider nicht. Der Grund: Die Schutzausrüstung eines Stahlarbeiters besteht oft aus einer Hitzeschutzkleidung mit Handschuhen sowie Schutzhelm, Schutzbrille und Gehörschutz. Diese Ausrüstung schützt zwar den Arbeiter in seiner Umgebung vor Hitze, Lärm oder Staub, die klassische Gefahrenwarnung ist damit allerdings kaum möglich. Eine Lösung dieses Problems könnte der Hightech-Schutzhelm sein, den die Westsächsische Hochschule Zwickau mit zur CeBIT 2016 brachte. Das Besondere daran: In dem Standardschutzhelm ist eine Datenbrille integriert. Im Normalfall bemerken sie ihre Nutzer kaum. Im Falle, dass sich der Arbeiter in einem Gefahrenbereich befindet oder direkt vor einer Gefahr gewarnt werden soll, wird in das Sichtfeld des Nutzers aber eine virtuelle Gefahrenwarnung eingeblendet. Diese kann der Arbeiter in jeder Position und Bewegung wahrnehmen.