Personaler unsicher: Frauenquote praktisch umsetzbar?

16. Januar 2015

Der Randstad-ifo-flexindex macht die Hürden sichtbar, denen sich Unternehmen gegenüber sehen. Häufig reicht die Zahl der Frauen, die in einer Branche arbeiten, nicht aus, um Quoten zu erfüllen.

Ab dem Jahr 2016 sollen die deutschen Aktiengesellschaften eine 30% Frauenquote in den Aufsichtsräten erfüllen – so sieht es ein aktueller Gesetzentwurf der Großen Koalition vor. Eine Herausforderung für die Personalverantwortlichen? In der Sonderfrage des Randstad-ifo-flexindex vom September 2014 wurden mehr als 1.000 Personalleiter gefragt, ob sie beim Erzielen einer generellen Frauenquote im höheren Management Schwierigkeiten befürchten.

Die Lager der HR-Verantwortlichen sind gespalten: 46% der Befragten vermuten Probleme bei der Erfüllung einer Frauenquote in Führungspositionen – vor allem größere Betriebe und Unternehmen aus dem verarbeitenden Gewerbe sind in ihrer Einschätzung eher kritisch. Dagegen sieht mit 48% fast jeder zweite Personalleiter keinerlei Schwierigkeiten beim Erzielen einer solchen Quote.

Im zweiten Teil der Sonderfragen wurden die befürchteten Hemmnisse anschließend genauer untersucht. Rund 25% der befragten Unternehmen gaben an, dass „nur wenige Frauen in der Branche tätig“ sind. Im verarbeitenden Gewerbe sahen dies 32% der Unternehmen als Behinderung, im Handel 26%, im Dienstleistungsbereich nur 20%. Bezogen auf die verschiedenen Beschäftigtengrößenklassen fällt auf, dass erneut in größeren Unternehmen mehr Personalleiter den Engpass „wenige Frauen“ sahen. Der Anteil stieg schrittweise von 17% in kleinen Unternehmen auf 40% in Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten. Bezieht man die Anteile lediglich auf die Summe der Unternehmen, die zuvor Hemmnisse festgestellt haben, so gaben mehr als die Hälfte dieser Unternehmen (55%) „wenige Frauen in der Branche“ als Grund an. Auch hier ist der Anteil im Verarbeitenden Gewerbe am höchsten (59%).

Ein weiteres Hauptproblem der Frauenquote scheint die Antwortmöglichkeit „keine geeigneten Bewerberinnen“ anzudeuten, die rund 14% der Unternehmen als Hemmnis sahen. Unter den Wirtschaftsbereichen ist dieser Anteil im Verarbeitenden Gewerbe mit 17% am höchsten, im Dienstleistungsbereich mit 12% am geringsten. Große Unternehmen gaben auch hier häufiger (23% der Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten) an, von diesem Hemmnis betroffen zu sein, sollten sie eine Frauenquote erfüllen müssen, während kleine Unternehmen diesbezüglich seltener Problem sahen (10% der Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitern). Der Anteil unter den Personalleitern, die zuvor Hemmnisse bestätigt haben, lag für die Begründung „keine geeigneten Bewerberinnen“ bei durchschnittlich 30%.

Bei Deutschlands größtem Personaldienstleister Randstad wiederum ist bereits jede zweite Führungskraft eine Frau.  „Damit liegen wir ganz klar über dem Bundesdurchschnitt“, so Andreas Bolder, Director Human Resources von Randstad Deutschland. „Der Dienstleistungssektor, insbesondere der Bereich Personalarbeit, ist bei Frauen sehr beliebt. Der hohe Anteil weiblicher Manager ist bei uns kein neues Phänomen, wir sind bereits seit 2006 ein genderdax-Unternehmen.“

Genderdax ist ein 2005 gegründeter Zusammenschluss von Unternehmen, die weibliche Fach- und Führungskräfte fördern, beispielsweise durch flexible Arbeitsbedingungen, Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder die gezielte Personalentwicklung von karriereorientierten Frauen für Führungspositionen.

Mehr Informationen und den kompletten Berichtsband der Studie zum Download gibt es unter www.randstad.de/publikationen.

investor relations