Talentmanagement hat oberste Priorität

30. Juni 2010

Im Augenblick setzen erfolgreiche Unternehmen vor allem auf zwei Dinge: Mitarbeiterbindung und Motivation.

Sie ist eine der häufigsten Fragen in einem Bewerbungsgespräch: „Warum sollten wir gerade Sie einstellen?“. Personaler verwenden diese Frage nur allzu gern, lässt sie doch darauf schließen, welches Selbstbild der Bewerber hat und wie er sich von den anderen Kandidaten abhebt.

Wie bei allen so genannten Stressfragen, zählt eine gute Vorbereitung und im Gespräch vor allem die Ruhe zu bewahren. Das ist zwar leichter gesagt als getan, aber wer sich im Vorfeld Gedanken zu dieser Frage gemacht hat, fühlt sich sicherer und kann so ein wenig entspannter darauf reagieren.

Einen goldenen Weg zur Beantwortung dieser Frage gibt es nicht. Allerdings helfen einige Grundsätze, mit denen jeder Bewerber die für ihn beste Lösung finden kann. Denn eins steht fest: Die Antwort sollte auf den Bewerber und auf das Unternehmen maßgeschneidert sein. Eine Standardantwort aus einem Bewerbungsratgeber macht ganz sicher nicht den besten Eindruck.

Ein gut vorbereiteter Bewerber weiß zunächst was er kann, welche Qualifikationen er hat und für welche Aufgaben und Probleme er diese einsetzen kann. Jede Kompetenz sollte mit praktischen Beispielen untermauert werden. Jeder sollte sich fragen, welchen Mehrwert er für das Unternehmen bringen kann, denn die Stelle wurde ja nicht ohne Grund ausgeschrieben. Was ist derzeit für das Unternehmen wichtig und wo soll die Reise zukünftig hingehen? Schon die Stellenanzeige kann zwischen den Zeilen viel Aufschluss darüber geben, vor welchen Herausforderungen das Unternehmen derzeit steht. Eine maßgeschneiderte Antwort zeigt den Personalern, dass sich der Bewerber ausgiebig mit dem Unternehmen beschäftigt hat.

Der Bewerber sollte aber auch die gute Gelegenheit nutzen und hervorheben, was ihn an einer Anstellung in genau diesem Unternehmen überhaupt reizt. Denn letztlich entscheiden sowohl Personaler als auch Bewerber, ob sie zukünftig gemeinsame Wege gehen.

Recruiting, das Anwerben von Beschäftigten, hat in konjunkturell angespannten Zeiten nicht die oberste Priorität bei Arbeitgebern. Unternehmen setzen vielmehr darauf, die vorhandene Belegschaft an sich zu binden und zu motivieren. Das ergab eine europäische Benchmarkstudie des international tätigen CRF-Institute mit Sitz in Düsseldorf. Die Marktforscher ermitteln jährlich die „TOP-Arbeitgeber“ in Deutschland und untersuchen dabei auch Arbeits- und Karrierebedingungen, Jobsicherheit und Unternehmenskultur. In der aktuellen Studie wurden 300 Unternehmen aus neun europäischen Ländern befragt.

Dabei konnten die Firmen ihre fünf Prioritäten im Bereich der Personalpolitik aus insgesamt 14 Kategorien auswählen. In Deutschland landeten auf den ersten fünf Plätzen: „Talentmanagement“, „Weiterbildung und Entwicklung“, „Personalwerbung/Recruiting“ vor „Führungskräfteentwicklung“ und „Mitarbeitermotivation“. Etwas in den Hintergrund getreten sind dagegen in den vergangenen Monaten Aktivitäten im Bereich von „Work-Life-Balance“, „Diversity“ und Maßnahmen zur Reduzierung kritischer Auswirkungen des demographischen Wandels.

„Das CRF-Institute ist davon überzeugt, dass ein modernes HR-Management mit entsprechenden Angeboten für die Beschäftigten eine noch stärkere Bedeutung für die erfolgreiche Bindung und Gewinnung von Mitarbeitern erhält“, so Thorsten Jacoby, International Publishing Manager bei CRF. Deshalb spielten Work-Life-Programme oder das Thema „Diversity“ auf Dauer durchaus eine wichtige Rolle, auch wenn sie aktuell etwas ins Hintertreffen geraten seien. „Wir beobachten europaweit, dass Unternehmen sehr überlegt auf wirtschaftliche schwierige Zeiten reagieren“, so Jacoby. Die Benchmarkstudie habe gezeigt, dass erfolgreiche Arbeitgeber sich unter anderem dadurch auszeichnen, dass sie auch in der Konjunkturflaute „auf eine nachhaltige Personalführung setzen, um den langfristigen Unternehmenserfolg zu sichern.“

Insgesamt durchaus optimistisch blicken die Unternehmen in die Zukunft, wenn es um den weiteren Aufbau der Mitarbeiterzahlen geht: Mehr als die Hälfte geht davon aus, dass sich die Zahlen weiter erhöhen werden. Rund 40 Prozent erwarten, dass die Belegschaft ungefähr in der gleichen Größenordnung bleiben wird. Und nur rund sieben Prozent rechnen mit einem Personalrückgang in den kommenden drei Jahren. Mit dieser Prognose liegt Deutschland sogar noch über dem internationalen Durchschnitt: Optimistischer sind laut der Studie nur Arbeitgeber aus Großbritannien, der Schweiz und Polen. Eher pessimistisch sind dagegen die befragten Firmen in Frankreich, Spanien und Italien. Insgesamt gesehen deckt sich deren Einschätzung aber auch mit den gesamtwirtschaftlichen Rahmendaten der jeweiligen Länder.
 

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